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Autobranche unter Druck: Verkehrswende in Deutschland?

Autobranche unter Druck: Verkehrswende in Deutschland?
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Ist Deutschland noch ein Autoland? Zwar tut das Bundesverkehrsministerium einiges dafür. So hält der aktuelle Ressortchef von der FDP ebenso wie seine Vorgänger aus der CSU ein allgemeines Tempolimit für nicht notwendig. Doch auf kommunaler Ebene sieht das ganz anders aus.

Kommunen fordern Tempo 30

Zahlreiche Kommunen haben jüngst in einem offenen Brief gefordert, das Tempolimit für den innerstädtischen Verkehr von 50 auf 30 Stundenkilometer abzusenken – oder zumindest den Entscheidungsspielraum zu bekommen, dies selbst zu veranlassen. Bislang dürfen Städte und Gemeinden nur mit besonderer Begründung, etwa in Bereichen rund um Schulen, Kitas oder Altenheime, Tempo 30 verhängen. Auf Hauptverkehrsstraßen besteht diese Möglichkeit zum Teil aber nicht, es fehlt die Zuständigkeit.

Neben geringerem Fahrttempo sind es auch wegfallende Parkplätze und hohe Gebühren für die verbleibenden Stellplätze, mit denen die Kommunen die Bürger zu alternativen Mobilitätsangeboten motivieren wollen. In vielen größeren Städten lohnt es kaum noch, mit dem Auto ins Zentrum zu fahren – erst findet man dort keinen Parkplatz, dann bezahlt man am Ende ein kleines Vermögen dafür.

Politische und wirtschaftliche Faktoren bremsen Deutschlands Autosektor aus

Eine weitere politische Initiative in Sachen Verkehrswende ist das für April angekündigte 49-Euro-Ticket. Der bundesweite Nahverkehr soll damit zum monatlichen Einheitstarif nutzbar sein, basierend auf den Erfahrungen des zeitlich begrenzt eingeführten 9-Euro-Tickets im vergangenen Sommer. Details zur Ausgestaltung sind noch unklar, Kritiker monieren einen zu hohen Preis, der zudem voraussichtlich nur als Jahres-Abo verfügbar sein dürfte. Ein Ende des Tarifdschungels der verschiedenen regionalen Tarifverbünde dürfte jedoch vielen ÖPNV-Reisenden entgegenkommen.

Es sind neben den vielfältigen politischen Initiativen zur Verkehrswende wohl auch wirtschaftliche Faktoren, die die Autobranche hierzulande zuletzt unter Druck gesetzt haben. Die Lieferkettenprobleme in Folge der Pandemie sorgten dafür, dass die Nachfrage größer war als das lieferbare Angebot – dadurch gingen zwar die Absatzzahlen zurück, konnten aber durch höhere Preise für die Autohersteller zumindest finanziell kompensiert werden.

Schwieriges Jahr für Autobauer

Inzwischen aber kippt die Lage in die andere Richtung: Die Situation bei den Lieferketten hat sich in den vergangenen Monaten einigermaßen entspannt – ganz im Gegensatz zur Kaufkraft möglicher Kunden. Inflationsraten im zweistelligen Bereich lassen viele Privathaushalte vor größeren Anschaffungen zurückschrecken, zumal der finanzielle Spielraum bei vielen längst aufgebraucht ist durch höhere Ausgaben für Lebensmittel und Wohnnebenkosten.

Einen Anschub erhielt die Autobranche zum Jahresende hin durch die zum Jahreswechsel auslaufenden Subventionen für Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge. So wurden im Gesamtjahr 2022 mehr als 360.000 Fahrzeuge mit Plug-in-Antrieb in Deutschland neu zugelassen – gut 11 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Reine E-Fahrzeuge legten sogar noch kräftiger zu: Hier lagen die Neuzulassungen bei gut 470.000 Stück, was einer Steigerung um fast ein Drittel gegenüber 2021 entspricht. Rund die Hälfte der 2022 neu zugelassenen Pkw in Deutschland haben jedoch weiterhin einen Verbrennungsmotor und fahren mit Benzin oder Diesel.

Absatzzahlen 2022 gestiegen – aber weit entfernt von Vorkrisenniveau

Insgesamt sind die Absatzzahlen seit Beginn der Pandemie in Deutschland jedoch merklich eingebrochen. So wurden im Jahr 2022 lediglich 2,65 Millionen Pkw neu zugelassen – 2019 war es noch fast eine Million mehr gewesen.

An den Aktienmärkten ging es für Deutschlands Autobauer BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen im zurückliegenden Jahr insgesamt bergab, wobei es die Wolfsburger mit einem Kurseinbruch um rund ein Drittel am härtesten traf. Die Premiumhersteller aus München und Stuttgart kamen mit Kursverlusten um jeweils rund 10 Prozent davon, wobei es im Schlussquartal wieder deutlich bergauf ging.

Analysten haben klaren Favoriten

Favorit bei den Analysten ist dabei nach wie vor die Aktie von Mercedes-Benz: Hier raten die Experten fast einhellig zum Kauf, das durchschnittliche Kurspotenzial liegt bei rund 25 Prozent. Für die BMW Aktie sehen die Analysten dagegen deutlich weniger Luft nach oben mit einem durchschnittlichen Kurspotenzial von lediglich gut 6 Prozent.

Satte 40 Prozent Aufschlag trauen Analysten im Schnitt der VW Vorzugsaktie zu – allerdings gehen hier die Meinungen deutlich auseinander. Längst nicht alle Experten empfehlen das Papier der Wolfsburger derzeit zum Kauf. Unter anderem die Schweizer UBS und die US-Investmentbank Goldman Sachs raten lediglich dazu, die Aktie zu halten und sehen das Kursziel bei 130 beziehungsweise 150 Euro. Das Analysehaus Jefferies riet im November gar zum Verkauf des Papiers mit Kursziel 115 Euro.