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Die „ewige“ Chip-Krise: Was heißt das für die Auto-Aktien?

Inhaltsverzeichnis

Wenn Sie sich in den letzten Jahren für einen Neuwagen interessiert haben, dürften Ihnen die teils exorbitanten Wartezeiten aufgefallen sein. Kein Wunder, gibt es in der Branche doch seit langem eine beachtliche Versorgungskrise.

Vor allem die Halbleiterchips sind immer noch ein rares Gut. Das ist besonders bitter, denn diese Komponenten sind für moderne Autos unerlässlich.

Noch im letzten Jahr hatten die Autobauer prognostiziert, dass der Chip-Mangel im zweiten Halbjahr 2022 zu Ende gehen wird. Doch daraus scheint nun offenbar nichts zu werden. Das könnte empfindliche Konsequenzen für so manche Auto-Aktie haben. Dazu aber gleich mehr.

AlixPartners sieht Ende der Chip-Engpässe erst im Jahr 2024

Zunächst für Sie eine neue Studie der Unternehmensberatung AlixPartners: Darin kommen die Analysten nämlich zu dem Schluss, dass der Chip-Engpass noch bis ins Jahr 2024 hinein die Produktion der Autobauer beeinträchtigen werde.

AlixPartners begründet diesen düsteren Ausblick vor allem mit der steigenden Nachfrage nach Halbleitern. So würden in einem durchschnittlichen Elektroauto rund zehnmal so viele Chips verbaut wie in einem Verbrennerfahrzeug. Berücksichtige man nun die massiv zunehmenden Zulassungszahlen der Stromer und die weiteren Wachstumsziele sei eine Auflösung der Engpässe erst einmal unwahrscheinlich.

Hinzu komme, dass die Halbleiterhersteller nicht in eine Erweiterung der Produktion sogenannter analoger Chips investierten. Gerade diese seien aber für die Autobranche essenziell. Vielmehr würden sich die Fertiger nur auf Chips etwa für die Elektronikbranche konzentrieren, so AlixPartners.

Wachstumsziele der Autobranche in Gefahr

Das alles werde dazu führen, dass das Angebot an Neuwagen weiterhin nicht mit der Nachfrage mithalten könne. Die Experten rechnen damit, dass erst im Jahr 2025 das Autoangebot die Nachfrage wieder übersteigen könne.

AlixPartners sieht deshalb die Wachstumsziele der Branche in Gefahr. Laut den Analysten dürften im laufenden Jahr in Europa gerade einmal knapp 16 Millionen Autos abgesetzt werden. Und auch in den kommenden Jahren werde es kaum Fortschritte geben. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie hatte sich der jährliche europäische Autoabsatz auf rund 20 Millionen belaufen.

Autobauer profitierten bislang von Chip-Verknappung

Ob das Ganze allerdings wirklich so problematisch wird, steht auf einem anderen Blatt. Schauen Sie: Gerade die Premiumhersteller konnten von der Chip-Krise bislang profitieren.

Der Grund: Die Nachfrage nach den Autos war so groß, dass die Hersteller ohne Probleme die Preise nach oben schrauben konnten. Die zahlungskräftige Kundschaft war jedenfalls gerne dazu bereit, diesen Aufpreis zu bezahlen. Und so legte die operative Umsatzrendite der Autobranche laut der Studie von AlixPartners im letzten Jahr um gut zweieinhalb Prozentpunkte zu.

Verbraucherstimmung ist entscheidend

Doch jetzt kommt das große Aber: Ob bei den Herstellern dank der Chip-Engpässe weiterhin das Geld förmlich regnen wird, hängt im Endeffekt von der Stimmung der Verbraucher ab. Und die ist aktuell wegen der extrem hohen Inflation stark eingetrübt.

So lag der wichtige GfK-Konsumklimaindex im Juni 2022 bei -26,2 Punkten. Zum Vergleich: Im Juni 2020, also inmitten der Corona-Pandemie, bezifferte man den Index auf -18,6 Punkte. Für Juli 2022 erwartet die Gfk gar ein neues Rekordtief von -27,4 Punkten.

Worst Case: Gewinnmargen könnten unter Druck geraten

Für die Autobranche könnte das bittere Konsequenzen haben. Denn: Viele Haushalte dürften sich nun zweimal überlegen, ob sie jetzt wirklich ein neues, teures Auto brauchen oder eine solche Anschaffung lieber doch verwerfen oder verschieben.

Um die Nachfrage dann zu stabilisieren, müssten die Hersteller Preise senken bzw. Rabatte gewähren. Das würde angesichts der hohen Rohstoff- und Energiepreise die Gewinnmargen im schlimmsten Falle erheblich unter Druck setzen.

Hinzu kommt, dass die Branche massive Investitionen in die Elektromobilität forciert. Um diese zu stemmen, brauchen die Unternehmen florierende Gewinne, trotz staatlicher Unterstützung. Im Worst Case müssten die Autobauer also hier ihre Investitionen zurückschrauben. Was wiederum bedeuten würde, dass man die politischen Emissionsziele nicht mehr schaffen könnte.

Mein Fazit für Sie

Klar: Man sollte jetzt nicht den Teufel an die Wand malen. Bei diesem Szenario handelt es sich ausdrücklich um einen Worst Case. Als Anleger sollten Sie dennoch die Risikofaktoren kennen.

Achten Sie deshalb unbedingt auf die nächste Berichtssaison und vor allem auf die danach anstehenden Bilanzveröffentlichungen. Vor allem im dritten Quartal könnte es durchaus zu einer negativen Überraschung kommen.