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Warum die Apple-Aktie 2022 besser lief als die Konkurrenz!

Inhaltsverzeichnis

Schauen Sie sich einmal diese Kursentwicklungen der großen US-Techkonzerne an. Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem 23. Dezember 2021 und dem 23. Dezember 2022 (Tradegate).

  • Alphabet: -36%
  • Amazon: -47 %
  • Meta: -62 %
  • Netflix: -48 %

2022: Apple-Aktie konnte sich besser behaupten

Big Tech musste also angesichts der steigenden Leitzinsen und der allgemeinen Angst am Kapitalmarkt im Jahr 2022 deutlich Federn lassen. Doch wie Sie bestimmt bemerkt haben, fehlt in der Liste ein sehr wichtiges Unternehmen: Apple.

Zwar hat der iPhone-Riese in dem oben genannten Zeitraum ebenfalls an Wert verloren, allerdings nicht so dramatisch:

Apple: -19 %

Auch Apple spürt Gegenwind von allen Seiten

Die Gretchenfrage lautet: Warum hat die Börse bei Apple in 2022 einigermaßen Gnade walten lassen? Dabei wurde das nach Marktkapitalisierung wertvollste Unternehmen der Welt ebenfalls mit heftigen Widerständen konfrontiert.

Die Corona-Lockdowns beim Zulieferer Foxconn in China haben die iPhone-Produktion erheblich belastet, weshalb Apple seine Kunden im wichtigen Weihnachtsgeschäft vor Engpässen warnte. Hinzu kommen die hohe Inflation und die drohende Rezession in einigen Ländern, die auf die Kauflaune der Kunden drücken.

Zudem greift in der EU ab 2024 eine neue Verordnung, die Apple dazu zwingt, auf den iPhones auch App-Stores anderer Anbieter zuzulassen. Der Konzern würde dadurch zumindest in der EU seine „Gatekeeper“-Stellung einbüßen, was sich deutlich negativ auf die Umsätze auswirken könnte. Und nicht zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, wonach Apple bei seinem wohl wichtigsten Game-Changer-Projekt, dem „Apple Car“, technologische Abstriche machen musste.

Bloomberg-Bericht: Apfelkonzern belohnt Aktionäre über alle Maßen

Um zur Gretchenfrage zurückzukommen: Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat vor Weihnachten eine Antwort geliefert, warum sich die Apple-Aktie trotz all dieser schwerwiegenden Herausforderungen im Jahr 2022 besser behaupten konnte als die anderen Tech-Größen.

Demnach setzt Apple seinen enormen Geldzufluss anders ein als die Konkurrenz. Laut Bloomberg investieren die Wettbewerber ihren freien Cashflow vor allem in Übernahmen und Firmenkäufe, um ihren Umsatz zu erhöhen. Apple hingegen gibt sein verfügbares Geld eher zur Beschenkung der Aktionäre aus. Schauen Sie: Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur hat der Apfelkonzern in den letzten fünf Jahren rund 454 Milliarden Dollar in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an seine Anleger ausgeschüttet.

Kaufen Unternehmen wie Apple Aktien zurück, verringert sich die Zahl der verfügbaren Anteilsscheine. In der Folge wird der Gewinn des Konzerns auf weniger Aktien verteilt. Der Gewinn je Papier erhöht sich dadurch und der Aktienkurs steigt. Aktienrückkäufe sind also in der Regel eine Maßnahme zur Kurspflege.

Und Apple hat hier laut Bloomberg in den letzten fünf Jahren aus den Vollen geschöpft. Die 454 Milliarden Euro an Kurspflege-Geld  sind eine gigantische Summe. Hätte Apple die Mittel für Übernahmen genutzt, hätte sich der Konzern US-Traditionsunternehmen wie Exxon Mobil, Walt Disney oder Walmart einverleiben können. Doch der Apfelkonzern ist ein solches Risiko nicht eingegangen, hat die Summe an seine Anteilseigner zurückgegeben und wurde dafür belohnt.

„Sticky“ Plattform: Apples treue Kundschaft  als Krisenschutz

Aber das ist laut Bloomberg nur ein Grund für das bessere Abschneiden der Aktie im Jahr 2022. Apple kommt demnach auch sein treuer Kundenstamm zugute. Viele Millionen Menschen sind tief im Apple-Produktuniversum integriert und wollen das auch bleiben. Bloomberg bezeichnet diesen Effekt als „sticky“. Die Nutzer „kleben“ also förmlich an den Produkten und Dienstleistungen des Techkonzerns, was in einer außerordentlichen Loyalität resultiert.

Hinzu kommt, dass die Apple-Kunden in der Regel zahlungskräftiger sind. Sie sind also in einer besseren Position, um auch in Zeiten hoher Inflation viel Geld für die Produkte und Dienste bezahlen zu können. Das zeigt sich deutlich anhand der Smartphone-Absätze. Apple verkaufte im dritten Quartal 2022 knapp 52 Millionen Handys und lag damit über dem Niveau aus dem Vorjahresquartal – während der gesamte Smartphone-Markt rückläufig war.

Kaum ein Unternehmen habe eine so treue und zahlungskräftige Stammkundschaft wie Apple, betonte Sameer Bhasin von Value Point Capital gegenüber Bloomberg. Apple habe gar ein Monopol auf die reichsten 15 Prozent der Weltbevölkerung, so Bhasin.

Es ist nun abzuwarten, ob und inwieweit sich dieser Vorteil auch in 2023 anhand harter operativer Fakten bewähren wird.