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Apple Aktie weiter auf Talfahrt – Abschied von Foxconn?

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Paukenschlag bei Apple: Offenbar hat man im Silicon Valley genug von den Unzuverlässigkeiten bei Foxconn. Medienberichten zufolge plant der iPhone-Hersteller, die Produktion seiner Premiummodelle einem anderen Zulieferer anzuvertrauen – oder zumindest in Teilen die Fertigung auf verschiedene Schultern zu verteilen.

Kritik an Foxconn seit längerem bekannt

Immer wieder geriet der chinesische Zulieferer Foxconn in die Kritik. Seit langem unter Beschuss stehen die Arbeitsbedingungen in den dortigen Fabriken, die mit westlichen Standards kaum vereinbar sind. Das allein hat Apple bis dato allerdings wenig gestört.

Ganz anders sieht es aus, wenn es ums Geld geht. Wegen der Lockdown-Maßnahmen, die die chinesische Zentralregierung noch vor wenigen Wochen im Zuge ihrer damals noch geltenden Null-Covid-Politik verhängt hatte, kam es in Foxconn-Werken zu Protesten und Produktionsausfällen. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft wurden iPhones zur Mangelware mit längeren Wartezeiten als üblich.

Jetzt geht’s an die Finanzen

Das dürfte sich in der Quartalsbilanz niederschlagen und könnte die Serie von Umsatzsprüngen stoppen. Das wiederum lässt Anleger die Nase rümpfen: Die Apple Aktie, die im Verlauf des Jahres 2022 bereits rund 27 Prozent an Wert eingebüßt hat, rutscht immer tiefer ins Minus. Zuletzt fiel sogar die Schwelle von 2 Billionen Dollar Marktkapitalisierung. Damit ist Apple zwar immer noch das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, aber auf solche psychologisch wichtigen Marken kommt es am Parkett immer wieder an.

Zwar hat Foxconn die Produktion inzwischen wieder vollumfänglich aufgenommen und betont, dass etwa 90 Prozent der für Dezember geplanten Kapazitäten wie vorgesehen gefertigt werden könnten. Zudem verweisen Analysten darauf, dass Apple kaum mit Stornierungen rechnen muss – die iPhone-Verkäufe würden sich demnach lediglich aufs nachfolgende Quartal verlagern, nicht aber gänzlich wegfallen.

Ein anderer chinesischer Hersteller profitiert

Dennoch ist man im kalifornischen Cupertino, wo Apple seinen Hauptsitz unterhält, offenbar erzürnt. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass Engpässe bei Foxconn Auswirkungen auf die Geschäftsbilanz des Kultkonzerns haben. Bereits in der Vergangenheit kam es immer wieder zu langen Lieferzeiten für iPhones, die unter anderem auch auf Produktionsausfälle bei Foxconn zurückgeführt wurden.

China den Rücken kehren, daran denkt Apple jedoch nicht. Stattdessen soll offenbar der ebenfalls chinesische Auftragsfertiger Luxshare die Produktion der Premium-Smartphones übernehmen. Zuletzt war Luxshare bereits eingesprungen, um die Ausfälle bei Foxconn auszugleichen und hatte eine kleinere Stückzahl des iPhone 14 Pro Max gefertigt.

Apple vor Diversifizierung seiner Lieferketten?

Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass China – bislang wichtigster Standort für die iPhone-Produktion – künftig an Relevanz für Apple verlieren könnte. Von einer Diversifizierung der Lieferketten insgesamt ist seit einiger Zeit die Rede, profitieren dürften hier vor allem die Standorte Indien und Vietnam.

Bereits jetzt wird ein Großteil der in Indien verkauften iPhones auch im Land gefertigt. In der Vergangenheit waren die Smartphones noch aus China importiert worden. Neben der inzwischen ad acta gelegten Null-Covid-Politik der chinesischen Zentralregierung, die immer wieder zu ebenso kurzfristigen wie unvorhersehbaren Lockdown-Maßnahmen geführt hatte, sind es auch die geopolitischen Verwerfungen seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, die Apple und andere westliche Konzerne zum Umdenken bewegen.

Geopolitische Verwerfungen lassen Unternehmen vorsichtiger werden

China hat sich als eines der wenigen wirtschaftlich bedeutenden Länder weitgehend auf die Seite Russlands gestellt. Einen Handelskrieg mit China, begleitet von umfassenden Sanktionen, kann sich der Westen zwar aktuell nicht leisten – käme man in Peking aber auf die Idee, sich Taiwan mit ähnlichen Mitteln einverleiben zu wollen, wie es Moskau derzeit mit der Ukraine versucht, stünden westliche Staaten unter Zugzwang.

Um entsprechenden Entwicklungen vorzubeugen, suchen immer mehr Unternehmen nach alternativen zum Produktionsstandort China. Ein kompletter Abschied ist dennoch nicht in Sicht, auch nicht bei Apple.

Für die Apple Aktie gaben mehrere Analysten im Dezember aktualisierte Einschätzungen heraus. Experten der Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS sowie der US-Investmentbank JP Morgan empfehlen das Papier demnach weiterhin zum Kauf, die Kursziele bewegen sich zwischen 180 und 190 Dollar. Damit bestünde laut den Analysten ein Aufwärtspotenzial von rund 40 Prozent.