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Zoom-Aktie nach Geschäftszahlen weiter im Sinkflug

Inhaltsverzeichnis

Kaum ein Unternehmen erfuhr durch die Corona-Pandemie solch eine Sonderkonjunktur wie der Spezialist für Video-Kommunikationssoftware Zoom Video Communications. Der rasanten Geschäftsentwicklung folgte auch der Aktienkurs, der von unter 70 Dollar bis auf beinahe 570 Dollar im Herbst 2020 kletterte. Doch mittlerweile ist die Euphorie komplett verflogen. Mit der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen hat der Tech-Konzern seine Anleger auf eine weitere Wachstumsabschwächung eingestellt. Das wiederum wurde gestern mit einem weiteren Kursrutsch von 6% auf 75 Dollar quittiert.

Zoom – ohne Zweifel einer der großen Krisenprofiteure

Zoom Video Communications wurde im Jahr 2011 gegründet und hat sich in der Corona-Krise zum Synonym für Video-Kommunikation entwickelt. Als Anbieter einer videobasierten Kommunikationssoftware ermöglicht das Unternehmen den einfachen Informationsaustausch über Video, Telefonie, Chat und Content-Sharing von unterschiedlichen Endgeräten aus. Die Plattform bietet Videokonferenzen, Besprechungen, Webinars und Chatmöglichkeiten, die von den Teilnehmern via PC, Smartphone, anderen mobilen Geräten oder Konferenzraum-Systemen besucht werden können. Für Unternehmen bietet Zoom erweiterte Tools und Integrationsmöglichkeiten zur Anpassung ihrer Arbeitsabläufe. Seit April 2019 ist die Firma an der Börse notiert.

Home-Office boomt sorgt für Sonderkonjunktur

Die letzten Jahre hatten es in sich: Lag der Umsatz im Jahr 2017 erst bei 61 Millionen Dollar, so gingen im Januar 2022 beendeten Geschäftsjahr immerhin Umsätze von 4,1 Milliarden Dollar durch die Bücher. Dabei wirtschaftete der US-Konzern hochprofitabel. Am Ende stand ein Nettogewinn von 1,37 Milliarden Dollar in den Büchern. Das entspricht einer Gewinnmarge von 33,55%.

Deutliche Wachstumsverlangsamung im aktuellen Geschäftsjahr

Doch mit den rasanten Wachstumsraten ist vorerst Schluss: Im abgelaufenen dritten Quartal kletterten die Umsätze nur noch minimal um 5% auf 1,1 Milliarden Dollar. Ohne negative Währungseffekte hätte das Umsatzplus bei 7% gelegen. Laut dem Unternehmen sorgte vor allem eine sinkende Nachfrage nach der Videokonferenzplattform sowie eine zunehmende Konkurrenz für Bremseffekte. Sie müssen wissen: Mittlerweile tummeln sich zahlreiche finanzstarke Rivalen wie WebEx von Cisco, Slack von Salesforce und Microsoft Teams sowie Google Meet im Markt für Videokommunikation.

Positiv: Es gab immerhin 3.286 Kunden, die in den letzten 12 Monaten einen Umsatz von mehr als 100.000 Dollar erwirtschaftet haben. Das entspricht einem Anstieg von ca. 31% gegenüber dem Vorjahresquartal.

Gewinneinbruch im dritten Quartal

Gleichzeitig legte der Konzern bei der Profitabilität den Rückwärtsgang ein. Die operative Gewinnmarge sackte im Jahresvergleich von knapp 30% auf nunmehr 6% in den Keller. Das generell höhere Kostenniveau belastete ebenso wie die Ausgaben für Mitarbeiteroptionen und deutlich höhere Aufwendungen für Forschung & Entwicklung. Zum Vergleich: Die Ausgaben für R&D stiegen im Jahresvergleich von 98,5 auf 195,9 Millionen Dollar.

Unter dem Strich stand ein Gewinn von 48,4 Millionen Dollar in den Büchern nach 340,3 Millionen Dollar im vergleichbaren Vorjahresquartal. Das entspricht einem satten Rückgang um 85%.

Jahresausblick wird angepasst

Zugleich trat der Technologiekonzern auf die Euphorie-Bremse und stimmte die Anleger auf magere Zeiten ein. Im Gesamtjahr rechnet Zoom nun mit Umsätzen zwischen 4,37 und 4,38 Milliarden Dollar. Zuvor war der Konzern noch von 4,39 bis 4,40 Milliarden Dollar ausgegangen. Allerdings soll der Gewinn höher ausfallen als ursprünglich geplant. Statt wie ursprünglich 3,66 bis 3,69 Dollar je Aktie peilt das Management nun ein bereinigtes Ergebnis von 3,91 bis 3,94 Dollar je Anteilschein an.

Der abschwächenden Wachstumsdynamik will Zoom mit neuen Angeboten für größere Unternehmen begegnen. Produkte wie Zoom One sollen hybride Arbeitsformen, etwa die Verknüpfung von physischen Konferenzräumen mit Online-Telefonie, vereinfachen. Allerdings dürfte die Kundengewinnung zukünftig kein Selbstläufer werden. Auf Grund der unsicheren Situation stellen zahlreiche Firmen ihre Investitionsentscheidungen vorerst zurück. Zudem muss Zoom seine Marketing-Bemühungen kräftig ausweiten, um neue Kunden zu gewinnen. Das dürfte auch künftig die Gewinnentwicklung belasten.