Airbus sammelt Großaufträge ein – Boeing unter Druck

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Weihnachtsgeschenk für Airbus: Der deutsch-französische Luftfahrtkonzern konnte erneut mehrere Großaufträge an Land ziehen – und bringt seinen Hauptrivalen, den US-Flugzeugbauer Boeing, damit immer stärker in Bedrängnis.

Air France-KLM und Qantas stellen von Boeing auf Airbus um

Sowohl Air France-KLM als auch die australische Fluggesellschaft Qantas haben zuletzt größere Bestellungen bei Airbus aufgegeben und sind dabei, ihre bisherige Boeing-Flotte auf Jets des europäischen Herstellers umzustellen.

Air France-KLM hat insgesamt 100 Mittelstreckenjets der Modelle A320neo und A321neo in Auftrag gegeben und darüber hinaus eine Kaufoption für 60 weitere Flugzeuge unterzeichnet. Neben den Passagierjets wurden auch mehrere Frachtflugzeuge bestellt. Die australische Qantas hatte erst kürzlich insgesamt 40 Jets bestellt und eine Kaufoption über 94 zusätzliche Maschinen vereinbart.

Neue Vorwürfe gegen Boeing: Sicherheitsmängel auch beim Dreamliner?

Boeing verliert damit zwei wichtige Kunden. Zuletzt sah sich der US-Hersteller zudem mit erneuten Vorwürfen rund um die interne Sicherheitskultur konfrontiert. Ein deutschstämmiger Ingenieur hatte schwere Anschuldigungen erhoben und Medienberichten zufolge auf potenzielle Sicherheitsmängel beim „Dreamliner“ 787 hingewiesen.

In den vergangenen Jahren hatte Boeing einen erheblichen Imageschaden erlitten, nachdem Maschinen des Typs 737-Max fast zwei Jahre lang nicht abheben durften. Nach zwei Abstürzen mit hunderten Todesopfern war die gesamte Flotte weltweit gegroundet worden, um die Sicherheitsmängel zu beseitigen, die zu den Totalausfällen geführt hatten.

Längst nicht erholt vom 737-Max-Debakel

Ein wesentliches Verkaufsargument für die 737-Max war bei der Einführung des Typs, dass zusätzliche Schulungen der Piloten im Simulator laut Boeing nicht notwendig seien. Tatsächlich aber war eine neuartige Software eingebaut worden, über deren Funktionsweise die Piloten nicht Bescheid wussten, was letztlich zu den schweren Unfällen führte.

Inzwischen wurde bei der Software nachgebessert und die Piloten entsprechend geschult, doch der Imageschaden ist enorm. Sollte sich nun herausstellen, dass auch bei der 787 sicherheitsrelevante Aspekte vernachlässigt wurden, könnte sich dies zum Desaster für Boeing entwickeln.

Airbus beendet kurze A380-Ära relative geräuschlos

Ein weniger schmerzhaftes Ende einer kurzen Ära hatte indes auch Airbus kürzlich zu verkünden: Mit der 251. Maschine dieses Typs wurde der letzte Riesenjet A380 ausgeliefert. Emirates betreibt damit nun 123 A380-Jets und damit die weltweit größte Flotte. Das soll auch künftig so bleiben: Für die kommenden zwei Jahrzehnte plane die Airline mit dem Einsatz des größten Passagierflugzeugs der Welt, das sich für Airbus allerdings als Flop erwies.

Bereits 2019 hatte das Unternehmen das Ende der Baureihe angekündigt, nachdem die Nachfrage deutlich eingebrochen war. Ursprünglich hatte Airbus angenommen, mit dem Riesenjumbo einen Bedarf bei den Fluggesellschaften zu treffen, gerade angesichts eines steigenden Flugaufkommen, die so manchen Flughafen an seine Kapazitätsgrenzen bringen. Die Verbindung wichtiger Knotenpunkte mit Riesenflugzeugen erschien einst sinnvoll, erwies sich letztlich aber als zu unflexibel – denn der Betrieb lohnt sich nur, wenn die Maschinen auch tatsächlich ausgelastet sind.

Dax-Neuling: Airbus Aktie mit Auftrieb – auch dank Analystenkommentaren

Rund 800 Passagiere finden Platz in dem doppelstöckigen Großraumflugzeug, das mit vier Triebwerken einen hohen Spritverbrauch und außerdem hohe Wartungskosten aufweist. Aufgrund seiner Dimensionen kann der A380 außerdem nur große Flughäfen ansteuern, die über entsprechend große Rangierflächen und ausreichend lange Start- und Landebahnen verfügen.

Der Trend in der Luftfahrt ging dagegen hin zu wendigeren, mittelgroßen Jets, ehe die Pandemie der Branche einen schweren Schlag versetzte, von dem sich Airlines wie Flugzeugbauer nun erst einmal werden erholen müssen.

Die Großaufträge, die Airbus in diesem Jahr einsammeln konnte, stimmen nicht nur das Management des neuerdings im Dax gelisteten Konzerns optimistisch. Auch Anleger griffen beherzt zu, seit Jahresbeginn liegt die Airbus Aktie rund 15 Prozentpunkte im Plus. Analysten waren zuletzt voll des Lobes: Obwohl manche Beobachter die Kursziele für die Airbus Aktie absenkten – so etwa die Experten von JP Morgan, die das Kursziel von 160 auf 150 Euro reduzierten –, gab es zuletzt zahlreiche Kaufempfehlungen für die Airbus Aktie.