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Ölpreis: OPEC+ nutzt seine Preismacht

Ölpreis: OPEC+ nutzt seine Preismacht
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Der Schritt war erwartet worden: Die Staaten der OPEC+ haben eine Produktionskürzung vereinbart, um den Ölpreis zu stabilisieren bzw. anzutreiben. Das Kartell OPEC+ besteht aus 23 ölexportierenden Staaten, OPEC steht für „Organization of the Petroleum Exporting Countries“.

Warum reduziert die OPEC+ die Fördermenge?

Ab November werden täglich zwei Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) Öl weniger gefördert – so die gestrige Vereinbarung der OPEC+ in Wien. Der Grund dafür ist simpel: Die ölexportierenden Staaten nutzen ihre Preissetzungsmacht, um den Ölpreis zu stabilisieren bzw. anzuheizen.

So können die Staaten ihre Einnahmen aus dem Ölexportgeschäft wieder steigern. Denn zuletzt ist der Ölpreis aufgrund der drohenden Rezession und der sich abzeichnenden geringeren Ölnachfrage stark gesunken. Die Sorten Brent und WTI kosteten zuletzt weniger als 90 US-Dollar pro Barrel, nachdem der Preis aufgrund des Angriffskrieges von Russland und dem folgenden Embargo russischer Erdölimporte teils bei mehr als 120 Dollar pro Barrel lag.

Warum war die gestrige Entscheidung besonders?

Politisch betrachtet war die Entscheidung der OPEC+, die Fördermenge zu kürzen, nicht alltäglich. Denn die USA unter Präsident Joe Biden haben sich bereits im Vorfeld klar gegen eine Kürzung ausgesprochen. Biden möchte zum einen die Weltwirtschaft schützen, zum anderen die heimischen Benzinpreise niedrig halten – im November stehen wichtige Zwischenwahlen an.

Im Gegensatz zu früher hat sich jedoch Saudi-Arabien als einer der wichtigsten Player der OPEC+ gegen die USA gestellt und sich gemeinsam mit Russland für die Kürzung der Fördermenge ausgesprochen. Laut Saudi-Arabiens Energieminister geht es bei der Entscheidung nicht nur um eigene Einnahmen, sondern auch um die globale Versorgungssicherheit.

Welche Auswirkungen hat das auf den Ölpreis?

Die Kürzung der Fördermenge ist zwar nicht gering, jedoch haben einige OPEC-Staaten bereits vorher ihre Fördermengen gekürzt. Dazu gehören zum Beispiel Russland, Nigeria und Angola. Der Ölpreis hat kurzfristig etwas angezogen – Brent kletterte auf mehr als 93 Dollar pro Barrel, WTI über 87 Dollar. Vor allem auf Wochensicht legte der Ölpreis um knapp sechs Prozent (Brent) und etwa acht Prozent (WTI) zu – der Schritt der OPEC+ war an der Börse erwartet worden.

Kurzfristig ist ein Effekt auf den Ölpreis demnach erkennbar, wenngleich in relativ geringem Umfang. Bisher ist es eher eine Stabilisierung. Welche Auswirkungen die OPEC+-Entscheidung tatsächlich auf den Ölpreis haben wird, dürfte sich erst im November und Dezember zeigen – wenn die tägliche Fördermenge gekürzt wird und Russland neue Abnehmer für seine durch das Embargo wegfallenden Ölexporte in die EU benötigt.

Langfristig hängt der Ölpreis vor allem an der Entwicklung der Weltwirtschaft. Und auch die OPEC+ wird weiterhin ihre Macht nutzen – bereits am 4. Dezember ist ein weiteres Treffen des Kartells geplant.