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Ölpreis-Boost dank China? Die OPEC ist davon überzeugt!

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Es ist die Frage der Fragen im Rohstoffsektor: Wie geht es mit dem Ölpreis im nächsten Jahr weiter? 2022 jedenfalls war ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs war der Ölpreis massiv nach oben geschossen, nur um dann im Sommer und Herbst wieder deutlich nachzugeben.

Einer der wichtigsten Faktoren, auf den Sie im Zusammenhang mit dem Ölpreis achten sollten, ist China. Die Volksrepublik ist nach den USA nämlich der zweitgrößte Ölverbraucher der Welt. Entsprechend wirkt sich die wirtschaftliche Entwicklung des ostasiatischen Riesenlandes massiv auf die globale Nachfrage nach dem fossilen Brennstoff und dessen Marktpreis aus.

Corona-Lockerungen im Reich der Mitte

Zuletzt hatte die chinesische Wirtschaft unter den harten Corona-Lockdowns gelitten. Das war ein Grund, warum der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte 2022 eine erhebliche Schwächephase durchmachen musste.

Doch nun hat die Kommunistische Partei Lockerungen angekündigt, wohl auch wegen der ungewöhnlich lautstarken, öffentlichen Proteste. Die Organisation erdölexportierender Länder, die OPEC, zeigt sich deshalb zuversichtlich.

Auch wegen China: OPEC sieht globale Ölnachfrage 2023 im Plus

Das mächtige Ölkartell rechnet damit, dass die globale Ölnachfrage im kommenden Jahr auch wegen der neuen Corona-Lockerungen in China wieder zunehmen wird. Konkret prognostiziert die OPEC ein Wachstum der weltweiten Nachfrage um 2,25 Millionen Barrel pro Tag (bpd). Das wäre ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber 2022.

Obwohl die globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten hoch seien und die Wachstumsrisiken in wichtigen Volkswirtschaften nach unten tendierten, seien auch Aufwärtsfaktoren aufgetreten, die aktuelle und bevorstehende Herausforderungen ausgleichen könnten, schreibt die OPEC in ihrem neuen Monatsbericht mit Blick auf China.

Nach Angaben des Kartells ist die chinesische Ölnachfrage wegen der scharfen Corona-Lockdowns im Jahr 2022 durchschnittlich um 180.000 Barrel pro Tag im Vergleich zu 2021 zurückgegangen. Im nächsten Jahr könnte die Nachfrage demnach um mehr als 1 Million Barrel pro Tag zulegen.

Ölkartell drückt auf Produktionsbremse

Die OPEC selbst hat zuletzt vor allem auf die Risikofaktoren reagiert. So hatte das Kartell Produktionskürzungen versprochen, um das Angebot angesichts der weltweiten konjunkturellen Probleme der niedrigeren Nachfrage anzupassen. Ein Hebel, mit dem die OPEC den Marktpreis möglichst stabil halten will, natürlich zum eigenen Vorteil.

Nun gab das Ölkartell bekannt, dass dessen Produktion im November tatsächlich um 744.000 bpd auf 28,82 Millionen bpd gesunken sei. Vor allem Saudi-Arabien und der Irak haben demnach ordentlich auf die Bremse gedrückt.

Mein Fazit für Sie

Klar: China ist in Sachen Ölpreis nur ein Faktor. Eine wichtige Rolle spielt auch die wirtschaftliche Entwicklung in anderen großen Industrieregionen wie Nordamerika, Europa oder Indien. Hinzu kommen aktuell vor allem die Geldpolitik der USA und Europa sowie deren Auswirkungen auf die Konjunktur. Und nicht zuletzt wirken sich auch die geopolitischen Konflikte des Westens insbesondere mit Russland auf den Ölpreis aus.

Unterm Strich bleiben meiner Meinung nach erhebliche Unsicherheiten – auch mit Blick auf China. Schauen Sie: Die harten Lockdowns und die weniger wirksamen Impfstoffe haben in der Volksrepublik dazu geführt, dass die Bevölkerung als Ganzes kaum Resistenzen gegen das Virus aufbauen konnte. Die Lockerungen könnten also eine gigantische Corona-Welle in China auslösen. Diese wiederum würde die wirtschaftliche Entwicklung, den Reiseverkehr und damit auch den Ölverbrauch abermals ausbremsen.

Experten warnen, dass ein solcher Effekt in den Monaten Januar und Februar eintreten könnte. Je nach Intensität der möglichen Corona-Ausbreitung könnte die Flaute demnach auch im März und April nachwirken. Anschließend allerdings könnte die chinesische Wirtschaft im besten Falle zu einem Boost ansetzen und in einer „J“-Kurve rasant zulegen.

Es gibt also noch viele Fragezeichen rund um den Ölpreis und die davon abhängigen Konzerne wie Shell, BP, Total, Chevron und Exxon Mobil. Was Sie allerdings nicht vergessen sollten: Trotz der Abwärtsbewegung seit Sommer 2022 notiert der Ölpreis immer noch auf einem hohen Niveau.

Am 15. Dezember war ein Barrel der US-Sorte WTI knapp 76 Dollar wert (Stand: 15.12.2022, 18:00 Uhr). Zum Vergleich: Mitte Dezember 2019 hatte der Preis bei nur 61 Dollar gelegen, Mitte Dezember 2018 gar nur bei 46 Dollar.

Das spricht dafür, dass die Ölkonzerne weiterhin gute Gewinne einfahren können, wenngleich nicht auf dem astronomisch hohen Niveau wie in der ersten Jahreshälfte 2022.