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Ölpreis: Droht jetzt ein deutlicher Kursrutsch?

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Haben Sie es auch bemerkt? Die Tankfüllung war Anfang des Monats plötzlich wieder deutlich teurer als man es seit dem freien Fall des Ölpreises vor rund 3 Jahren inzwischen gewohnt ist.

Der Grund lag – natürlich – beim Ölpreis, der Ende September nach bereits mehrwöchiger Rally plötzlich noch einmal deutlich in die Höhe geschossen war. Die Nordsee-Sorte Brent kratzte schon fast an der Marke von 60 Dollar je Barrel und erreichte den höchsten Kurs seit zwei Jahren.

Die Rally-Meldung

Was war passiert? Nun, Saudi Arabien – seines Zeichens einflussreichstes Mitglied der Opec und einer der größten Ölexporteure der Welt – hatte öffentlichkeitswirksam angekündigt, seine Lieferungen im November auf 7,15 Millionen Barrel am Tag zurückzuschrauben. Dies entspreche einer Reduzierung um 560.000 Barrel täglich.

Eine zusätzliche Verknappung der Öllieferungen, während die Opec ohnehin seit Anfang des Jahres einen Beschluss umsetzt, der die Fördermenge begrenzt, um die Preisentwicklung zu stabilisieren? Kein Wunder, dass der Ölpreis da erst einmal rauf ging.

Bei näherer Betrachtung allerdings entpuppt sich die Meldung eher als PR-Gag der Saudis, wie etwa Analysten der Commerzbank offenlegen: Setzt man die für November angekündigte Liefermenge nämlich in Relation zu den Exporten aus September, kann mitnichten von einer Reduzierung die Rede sein. Stattdessen erhöhen sich die Liefermengen sogar um bis zu 500.000 Barrel am Tag.

Saudi Arabien kam auf seine Angaben, indem nicht die vorherigen Exportzahlen, sondern die Nachfrage von Kundenseite als Referenz genommen wurde. Weil aber eben diese Meldung den Ölpreis noch einmal so sehr angetrieben hatte, besteht nun eine entsprechend hohe Wahrscheinlichkeit einer Kurskorrektur nach unten.

Ölpreis vor deutlichem Kursrutsch?

Hatten Ende September noch etliche Anleger auf weiter steigende Ölpreise gewettet, sieht es nun eher danach aus als könnte der Zenit – zumindest kurzfristig – schon wieder überschritten sein. Die Experten der Commerzbank rechnen für Ende des Jahres mit einem Preis je Barrel der Sorte Brent von gerade einmal 48 Euro – das wären fast 10 Euro weniger als zuletzt.

Völlig offen ist hingegen, wie sich der Ölpreis im kommenden Jahr entwickeln wird. Der Opec-Kompromiss läuft im Frühjahr aus. Ob sich die beteiligten Staaten auf eine weitere Verlängerung werden verständigen können, steht in den Sternen.

Sollte das Abkommen tatsächlich auslaufen, dürfte das den Ölpreis erneut massiv unter Druck bringen, denn dann wäre wohl ein ähnliches Überangebot vorhanden wie im vergangenen Jahr, als der Preis je Barrel zeitweise unter 30 Dollar abrutschte.

Das Anzapfen von Öllagerbeständen, etwa in den USA, das in den vergangenen Wochen ebenfalls zum Preisanstieg beigetragen hat, dürfte demgegenüber Experten zufolge in den kommenden Monaten wieder nachlassen.