MenüMenü

Ölpreis: Wohin geht die Reise 2018?

Sie haben es geschafft: Die Opec-Staaten haben gemeinsam mit weiteren wichtigen Ölförderländern, darunter Russland, Ende 2016 einen Pakt geschlossen, der es in sich hat. Gemeinsam legten sie eine Begrenzung ihrer täglichen Ölfördermenge fest – und schafften damit eine Trendwende beim Ölpreis.

Nach jahrelangem freiem Fall hat sich der Ölpreis von unter 30 Dollar je Barrel Anfang 2016 auf inzwischen wieder über 60 Dollar vorgekämpft. Das hat in erster Linie mit der Disziplin zu tun, mit der die beteiligten Förderländer den Beschluss umsetzen. Um 1,8 Millionen Barrel pro Tag wurde die Ölproduktion seit Jahresbeginn 2017 gekürzt, und der Beschluss wurde gerade erst verlängert bis Ende 2018.

Doch was bedeutet das nun für die Preisentwicklung im kommenden Jahr? Ziehen die Preise beim Heizöl und an der Zapfsäule immer weiter an? Oder pendelt sich der Ölpreis auf seinem aktuellen Niveau um die 60 Dollar ein?

Ölpreis von vielen Faktoren abhängig

Klar ist: Der Ölpreis ist äußerst labil und von zahlreichen Faktoren abhängig. Die Produktionsmenge allein hat zwar stabilisierenden Einfluss, doch können Ereignisse wie etwa unerwartete geopolitische Eskalationen zu empfindlichen Ausschlägen führen.

Zu beobachten war das beispielsweise Anfang November, als sich die Krise in Saudi Arabien zuspitzte. Eine Verhaftungswelle ging durch das Land, der Kronprinz ließ seine Kritiker aus dem Weg schaffen. Binnen kürzester Zeit schoss der Ölpreis nach oben. Eine Eskalation der Lage hätte womöglich zu Lieferengpässen geführt.

Für perspektivisch steigende Ölpreise spricht zudem die starke Konjunkturentwicklung. Die Opec geht davon aus, dass der weltweite Bedarf im Jahr 2020 erstmals bei mehr als 100 Millionen Barrel pro Tag liegen dürfte.

Wie geht’s weiter mit dem Fracking?

Relativ unklar ist unterdessen, welche Rolle die US-Frackingfirmen in den kommenden Jahren spielen werden. In der jüngeren Vergangenheit haben sie für ein massives Überangebot und hohe Reserven gesorgt, was den Preisverfall beschleunigt hatte, der wiederum das Fracking weniger attraktiv machte. Die ebenso umstrittene wie teure Fördermethode lohnt sich erst ab einem höheren Durchschnittspreis als konventionelle Förderanlagen.

Die Öllagerbestände wurden immer weiter aufgefüllt, erst vor wenigen Monaten meldeten die USA einen Rückgang. Inzwischen wird allerdings deutlich, dass die Ölvorkommen schneller ausgebeutet sind und immer schneller immer mehr Bohrungen erfordern. Andererseits werden die Geschäfte wieder attraktiver, sollte die von US-Präsident Donald Trump geplante Steuerreform in Kraft treten, die die Körperschaftssteuer für Unternehmen von derzeit 35 auf dann 20 Prozent absenken würde.

Profiteure der aktuellen Entwicklung sind vor allem die alten Energieriesen. Sie waren während der Flautephase gezwungen, ihre Kosten drastisch zu reduzieren – umso höher fällt nun bei höheren Ölpreisen erst einmal der Profit aus, der wiederum neue Spielräume für Investitionen eröffnet.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

Regelmäßig Analysen über Rohstoffe erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Felix Reinecke. Über 344.000 Leser können nicht irren.