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Kooperieren Russland und Saudi Arabien beim Erdöl?

Wird Erdöl bald wieder teurer? Möglicherweise – denn in letzter Zeit mehren sich die Anzeichen, dass große Ölproduzenten an stabilisierenden Maßnahmen interessiert sind.

Am Rande des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou verständigten sich Vertreter Russlands und Saudi Arabiens auf ein Abkommen zur Stabilisierung des Ölpreises. Zu diesem Zweck wollen beide Länder eine gemeinsame Arbeitsgruppe gründen, die sich bereits im Oktober erstmalig treffen soll.

Beide brauchen höheren Ölpreis

Die Motivation liegt auf der Hand: Sowohl die russische als auch die saudische Wirtschaft sind stark abhängig vom Geschäft mit dem Öl. Beide Länder spüren zunehmend die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises, der von Sommer 2014 an massiv gefallen war und Anfang 2016 einen Tiefstwert bei unter 30 US-Dollar je Barrel markierte.

Seither ging es zwar leicht aufwärts, doch die aktuelle Preisspanne zwischen 40 und 50 Dollar je Barrel, bei der sich der Ölpreis seit einigen Wochen eingependelt hat, reicht nicht aus, um profitabel zu wirtschaften.

Je länger die Phase des billigen Öls andauert, desto stärker geraten diejenigen Staaten unter Zugzwang, deren Wohlstand wesentlich auf der Ölförderung beruht. Venezuela steht deswegen schon kurz vor der Staatspleite. Saudi Arabien kann sich dagegen länger mit dem niedrigen Preisniveau arrangieren, doch auch hier steigt der Handlungsdruck allmählich.

Welche Maßnahmen jedoch konkret ergriffen werden sollen, um den Ölpreis zu erhöhen, darüber wird wohl noch gestritten. Eine Deckelung der Fördermenge liegt auf der Hand, mit entsprechenden Äußerungen wurde auch der russische Energieminister Alexander Nowak in China zitiert. Doch auf saudischer Seite sieht man hierfür bislang keinen Bedarf.

Saudi Arabien: Kein Bedarf zur Drosselung?

Die Zurückhaltung Saudi Arabiens begründet sich vor allem durch zwei Faktoren: Da ist zum einen der Iran, der seit der Aufhebung der westlichen Sanktionen seine Kapazitäten in Sachen Ölförderung wieder hochgefahren hat und die Zielmarke von 4 Millionen Barrel pro Tag wohl bald erreichen wird. Es ist kaum zu erwarten, dass Teheran sich freiwillig eine neue Obergrenze auferlegt, und eine von den Saudis diktierte schon gar nicht.

Auf der anderen Seite ist da aber auch die US-Frackingindustrie, die in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut wurde, um die USA unabhängiger zu machen von Ölimporten aus dem arabischen Raum. Das ist zeitweise auch geglückt, sehr zum Missfallen der Saudis.

Doch Fracking ist teuer, und angesichts der niedrigen Ölpreise kaum rentabel. Zahlreiche Frackingfirmen gingen bereits in die Knie. Ein Wiedererstarken der Industrie ist jedoch zu erwarten, sollte der Ölpreis nachhaltig wieder anziehen.

Aus Sicht Saudi Arabiens ein echtes Dilemma: Einerseits ist man selbst langfristig auf einen höheren Ölpreis angewiesen, andererseits schafft das unliebsame Konkurrenz. Es bleibt abzuwarten, worauf man sich letztlich verständigen wird in der saudisch-russischen Arbeitsgruppe.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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