Über die wirklichen Ursachen der Krise
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte
vom 25. Januar 2012, 07:30 Uhr
ENL5462
In der Financial Times geht die Serie "Kapitalismus in der Krise" weiter. Mich langweilt das inzwischen ein bisschen. Ich hatte gehofft, dass zumindest einer der Autoren uns mitteilen könnte, was die Krise war. Stattdessen haben wir viele Meinungen erhalten; keine erhellte die Natur der Krise deutlich, und viele boten nur mehr Dunkelheit und brachten somit kein Licht ins Dunkel.
So las ich zum Beispiel, dass 2008 "die Führer der reichen und aufstrebenden Nationen ihre Differenzen beiseite legten um einen weltweiten Abschwung zu verhindern."
Wirklich? Wenn der Autor den Kapitalismus wertschätzen würde, dann würde er wissen, dass die Politiker so eine Sache nicht getan haben. Stattdessen haben sie ihre Differenzen beiseite gelegt, um den Kapitalismus davon abzuhalten, seine Arbeit zu verrichten. 2008, nach dem Fall von Lehman Brohers, drohte der Kapitalismus auch die Bank of America, die Deutsche Bank und Goldman Sachs zu zerstören...und viele andere. Aber die Politiker traten auf den Plan und retteten die Banken.
Statt dem Kapitalismus zu erlauben, das Problem zu lösen, verschlimmerten die Politiker es. Sie gaben den Banken und Bankern mehr Geld, welche bewiesen hatten, dass ihnen mit Geld nicht getraut werden kann. Ich möchte die ganzen Ereignisse nicht hier wieder aufzählen. Aber es ist wichtig zu verstehen, was passiert ist.
Die Autoren der Financial Times - und praktisch jeder Finanzjournalist und jedes Großmaul - haben die Geschichte falsch verstanden. Sie scheinen zu denken, dass Lehman Brothers ein Fehler des Kapitalismus war. Symptomatisch für einen größeren Fehler, von dem fast alle glauben, dass er wegen fehlender effektiver Regulierung zustande kam.
"Zu viel Kapitalismus" sagten sie.
"Die Lektion daraus ist das Erkennen des Ausmaßes, in dem der globalisierte Kapitalismus die Fähigkeit der Regierungen, ihn zu managen, überstrapaziert hat", so die Financial Times.
Ihn managen? Die müssen träumen. Wenn die Männer, die Lehman Brothers führten, noch nicht einmal ihr eigenes Geschäft managen konnten, wie könnte dann eine Gruppe von Bürokraten den Kapitalismus managen? Offensichtlich hatten die Politiker noch weniger eine Idee davon, was vor sich ging, als die "Kapitalisten" selber.
Das wirkliche Problem war nicht zuviel Kapitalismus.
Stattdessen gab es zuwenig davon, besonders als Kapitalismus im Jahr 2008 benötigt wurde.
Die Finanzindustrie war durch die Regierung korrumpiert worden. Es gab staatliche Hilfsleistungen für die Immobilien-Industrie....zusammen mit künstlich niedrigen Zinsen der Fed...und das führte zu einer Blase in der Wirtschaft und zu Hochstimmung an der Wall Street.
Die Finanzindustrie war von schnellen Gewinnen besessen geworden. Bankmanager hatten gelernt, dass sie durch die Vergabe von Krediten Geld verdienen konnten, unabhängig von der Bonität der Schuldner - wer kümmerte sich dann also um die Sicherheit der Kredite?
Zum zweiten Teil von: Für wen arbeiten die Firmen an der Wall Street?
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von steffi (25.01. 2012 07:40 Uhr):
Wissenswert ,und nah am Geschehen der heutigen Politik und der Wirtschaft. Auch für Laien verständlich geschildert.
Antworten - Kommentar von Reinhard Drescher (25.01. 2012 08:04 Uhr):
Stimmt alles, wenn man mit die Konsequenzen will. Und sie werden kommen, in der einen oder anderen Form, sie sind unvermeidlich. Was Sie, werter Herr Bonner, wie fast alle "systemgläubigen" Autoren nicht sehen oder verschweigen, ist, dass es m.E. einen "funktionerenden" Kapitalismus und sicherer Geld auf Dauer nciht geben kann: Das nie bezweifelte System von Zins und Zinseszins führt zu einer Entkoppelung von Real- und Geldwirtschaft, wer die Zinsen direkt oder indirekt bezahlen muss, wird immer ärmer, Und wer davon profitiert, wird immer reicher. Und der Zwang zu immer neuen Schulden ist systemimmanent und nicht aufzuhalten. Fazit. Sie haben recht, doch die Wirkung ist im Endeffekt die gleiche: Wer den Pleite-Schrott billig aufkaufen kann, ist der Gewinner. Und das waren immer die, die beim Geld am längsten Hebel sitzen. Und das sind die, die ganz legal den größten Bankraub aller Zeiten (geklaute Phrase) mit Hilfe des Zinseszinssystems begangen haben, begehen und weiter begehen werden. Es wird Zeit, sich darauf zu besinnen, dass es in einigen großen Religionen ein Zinsverbot geben soll. Mit besten Grüßen Reinhard Drescher
Antworten- Antwort von Monetenmann (31.01. 2012 10:47 Uhr):
Senf und Popp verblöden das Volk mit ihrer Zinskritik. Wer klug handelt zahlt auch wenig Zinsen. Wer keine Schulden macht, der verhindert auch dass wenige unendlich reich werden. Der Zins zeigt nur dann seine hässliche Fratze, wenn die Menschen unverantwortlich mit Geld umgehen. "Und der Zwang zu immer neuen Schulden ist systemimmanent und nicht aufzuhalten." Schon richtig, aber wenn die Nachfrage nach neuen Krediten zusammenbricht, löst sich das Problem von selbst. Heute verhindern die Deflation alle Politiker und Zentralbanker. Die sind die wahre Ursache für die Ungerechtigkeit des Zinses und Zinseszins. Zinseszins stört keinen Mensch, wenn Einkommen aller mit den Preisen mitsteigen und regelmäßig sowohl bei Guthaben als auch Schulden Nullen weggestrichen werden. Dann gibt es damit kein Problem...
- Antwort von Monetenmann (31.01. 2012 10:47 Uhr):
- Kommentar von Jo Riedesel F z E (25.01. 2012 10:13 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, dieser "Brief" kommt bei mir heute zum ersten Mal an und enttäuscht! Sie kritisieren, wobei die Qualität der Kritik den Kern erfasst, aber es fehlt der Fingerzeig, wie "die Sache" besser zu machen ist. Sie haben sich der "Kapitalschutz Aktie" verschrieben, lassen aber zu diesem Thema kein Wort fallen. Wir Investoren wüßten gerne, wann und wie wir unser mehr oder weniger mühsam Erspartes sichern können. Immerhin klingt Ihr Beitrag ja danach, dass wir im Begriff sind, alles zu verlieren. Nun zeigen Sie bitte die Lösung des Problems auf. MfG. J. Riedesel F. z. E.
Antworten - Kommentar von Livia (25.01. 2012 10:49 Uhr):
Systeme und Reiche, die zu groß wurden, fallen irgendwann auseinander. Das "westliche" Wertesystem der Amerikaner paßt außerdem auf eine Menge Völker überhaupt nicht und das kann man auch nicht mit Brachialgewalt einführen, indem man die Völker durch Umerziehung oder Bastardisierung abzuschaffen versucht. Soetwas schafft höchstens Entwurzelung, Sittenverfall und Chaos. Zum Thema Zinseszins hat Drescher schon alles gesagt. Sobald der Kapitalismus Ländergrenzen überschreitet, ist er Mist; für eine Nation im inneren ist Planwirtschaft Mist. Vorschriften und Beschränkungen sollten im ganz großen gemacht, die maximalen Freiheiten im ganz kleinen gewährt werden.
Antworten - Kommentar von Wagner (25.01. 2012 12:37 Uhr):
Bravo! Obwohl nur im Ansatz, ist die Problematik der "Kritik des Kapitalismus" absolut richtig dargestellt. Im Land der Herren "Bofinger", mit der ganzen blabla-Keynesidelolgie als einzig richtig, mit Unmengen an sog. selbstgebackenen Marktkenner, die von freien Markt reden aber nicht wissen, was das ist - ein seltener Versuch die Dinge sinnvoll zu erklären. Financial Times Journalismus: Es ist Schande, wenn man von "freier" Meinung dort spricht. Es ist Schande, daß dieser Blatt durch seinen seriösen Namen uns eine Fachzeitschrift Kompetenz vortäuscht. Dort heißt, wenn "frei" dann bitte schön stark links und bloß keine anderen Meinungen zulassen. In eigener Soße der Unprofessionalität und "linker Meinungsfreiheit" geschwommen, war das Leben schon immer angenehmer, zumindest sicherer... Quo vadis, sozialistisches Deutschland? Und wie lange geht das noch gut??
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