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Für die Deflation zahlen Sie

Nichts ist in Ordnung, wenn die Deflation Einzug hält.

Denn eine Weltwirtschaft in der ihre wichtigsten Verbrauchsgüter nicht mehr genug nachgefragt werden, um einen Preiscrash zu verhindern, ist nichts wert.

Deflation in der Eurozone

Deflation_Eurozone

Quelle: tradingeconomics.com

Wie Sie sehen, ist zuletzt die anämische Inflationsrate in eine Deflation gekippt. Das ist problematisch und dürfte die EZB nächste Woche beeinflussen.

Ob Draghi nun am Einlagensatz oder am Billionen Euro teuren Anleihenkaufprogramm drehen wird? Man wird sehen, aber eine Deflation, also sinkende Preise, sieht kein moderner Notenbanker gern. Zumal wenn man wie die EZB eigentlich 2% Inflation anstrebt.

Deflation führt (meistens) zu Problemen

Wir hier im deutschsprachigen Raum haben zumeist, insbesondere und vor allem Angst vor der Inflation. Das liegt vermutlich daran, dass man in Deutschland ja schon die Hyperinflation hinter sich gebracht hat.

Zumeist hat jede Familie ja noch eine Geschichte aus der Zeit der Hyperinflation in petto. Und auch ich werde meinem Sohn eines Tages erzählen wie seine Ur-Ur-Großmutter mit dem Bollerwagen voller Geldscheine Brot kaufen ging.

Doch, liebe Leser, auch das andere Extrem, die Deflation ist nicht zu unterschätzen. Die letzte große weltweite Deflation gab es während der Wirtschaftskrise in den 30er Jahren. Doch auch Japan befand sich in den 90er Jahren, ebenso wie nach der letzten Finanzkrise und ist auch jetzt wieder auf dem Weg zur nächsten Deflation.

Natürlich wirken im direkten Vergleich die 30er Jahre schlimmer als die 90er in Japan. Doch Japans Probleme sind keinesfalls zu unterschätzen. Mag es auch peu à peu gehen, Japan büßt seit Jahren an Wettbewerbskraft und wirtschaftlicher Stärke ein.

Anders sieht es im Grunde nur in der Schweiz aus. Dort ist die Teuerungsrate auch schon seit 1 Jahr negativ. Trotzdem und auch dem „Frankenschock“ zum Trotz wächst die Schweizer Wirtschaft weiter. Allerdings hat die Schweiz auch einige hochkalibrige Vorteile zu bieten, nach denen sich Volkswirtschaften wie die Zone, die USA oder Japan alle 10 Finger lecken würden.

Zum Beispiel mit 34% vom BIP eine der niedrigsten Staatsverschuldungen der Welt. Oder zig Marktführer aus der Chemie- und Pharmabranche, die für die Schweizer Wirtschaft einer der wichtigsten Antriebsmotoren sind.

Doch in der Regel läuft Deflation eher nicht so wie in der Schweiz ab, sondern eher so wie in Japan.

Wie man den Brand mit Feuer bekämpft

Und Japan steht nicht allein!

Fast weltweit pumpen die Notenbanken massiv Geld ins System. Geld, das offenkundig nirgendwo ankommt. Und weil es nirgends ankommt, bleiben die Inflationsraten niedrig. Paul Krugman glaubt deshalb, dass wir uns in einer Liquiditätsfalle befinden und plädiert als Lösung dafür einfach weiter massenhaft Geld ins System zu schütten.

Das ist zwar als ob man den Brand mit Feuer bekämpft, doch der hochgeschätzte Experte Krugman stößt in aller Regel mit solchen Forderungen auf offene Ohren. Schließlich betreiben derzeit mehr als 30 Notenbanken QE-Programme, allen voran die EZB mit dem Schlabber-Euro.

Lernen von Griechenland: Deflation tut weh

Doch der Knackpunkt liegt nicht nur im Verhalten der Notenbanken, sondern vor allem im Verhalten der Politik. Die kann weder hier, noch dort, noch drüben eine Deflation vertragen. Deflationen sind nämlich immer auch mit schmerzhaften Prozessen verbunden.

Siehe Griechenland, wo das jahrelange Leben über die eigenen Verhältnisse hinaus, dass der griechische Staat seit Einführung des Euro betrieben hat, über jene fetten Jahre zu übertrieben starken Lohn- und Preisanstiegen geführt hat, die nun schmerzlich über eine Deflation eine Anpassung nach unten erfahren.

Das ist ein natürlicher Prozess. Die Preise waren während der 00er Jahre zu schnell gestiegen und müssen nun runter auf ein Niveau, das tatsächlich der Wirtschaftskraft Griechenlands entspricht. Das tut weh und hat eine Gestalt wie Tsipras mit seiner Syriza an die Macht gebracht.

Was wir aus Griechenland lernen können ist deshalb vor allem eines: Deflation tut weh. Deshalb versuchen alle Regierungen weltweit eine solche zu verhindern, mindestens um nicht ebenfalls durch ihre eigenen Syrizas ersetzt zu werden.

Für die Deflation zahlen wir alle

Und deshalb werden nicht nur EZB und Co. (die von der Politik in etwa so unabhängig sind, wie ein 2-Monate alter Säugling von seiner Mama) weiterhin QE-Politik betreiben, sondern sich auch eine Zinsanhebung mehr als gut überlegen.

Ähnliches gilt für die Amis, die weiterhin einen Aktienmarktcrash im Hinterkopf behalten und sich ebenfalls klar machen müssen, dass sie vom Rest der Welt keinesfalls so unabhängig sind, wie sie gern glauben möchten.

Doch die anhaltende und ewige QE-Politik der Notenbanken wird ausschließlich durch einen Weg bezahlt: den anhaltenden Wertverlust des Papiergeldes. Deshalb gilt für mich auch weiterhin nur ein Resümee aus der aktuellen Situation: ich will auch weiterhin einen echten Wert in meiner Schublade wissen: Gold.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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