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Brexit oder nicht Brexit? Noch mehr Trading-Chancen vor dem Referendum

Vor dem UK-Referendum in 24 Tagen sind die Märkte hoch nervös. Ich zeige Ihnen heute drei weitere Szenarien, wie Sie von der Unsicherheit im Vorfeld der Abstimmung profitieren können.

Letzte Woche schrieb ich Ihnen an dieser Stelle von den Zusammenhängen zwischen dem bevorstehenden Referendum im Vereinigten Königreich über den Verbleib des Landes in der EU und den Trading-Chancen im Pfund, die sich aus der aktuellen Situation im Vorfeld der Abstimmung ergeben. Diese Woche werfe ich für Sie den Blick auf drei weitere mögliche Szenarien und zeige Ihnen, wie Sie sich im jeweiligen Fall positionieren können, um vom EU-Verbleib oder -Austritt des Vereinigten Königreichs zu profitieren.

Szenario 1: Brexit und fallende Kurse

Szenario 1: Der Brexit kommt und die Aktienmärkte fallen. Mit einem Direktinvestment können Sie grundsätzlich nicht von fallenden Kursen profitieren. Schließlich machen Sie, wenn Sie einmal Aktien gekauft haben, nur dann Gewinne, wenn der Kurs der Aktien auch steigt. Fällt der Kurs hingegen, schlägt sich das in Ihrem Depot als Verlust nieder.

Hier helfen Derivate, also Finanzinstrumente, die aus anderen Anlageobjekten wie beispielsweise Aktien abgeleitet sind und die sich in ihrer Wertentwicklung an diesem Basiswert orientieren. Optionsscheine gehören zu den Derivaten, und es gibt sie auf Einzelaktien ebenso wie auf Indizes. Mit Optionsscheinen können Sie sowohl von steigenden als auch von fallenden Kursen profitieren. Und das unterscheidet sie schon einmal maßgeblich vom Direktinvestment. Denn mit einem Put-Optionsschein eröffnen Sie sich nämlich genau dann Gewinnchancen, wenn Sie mit einem Direktinvestment Verluste machen würden: bei fallenden Kursen.

Meine Empfehlung: Put-Optionsscheine auf FTSE100 und DAX

Ein Put-Optionsschein profitiert also vom fallenden Aktienmarkt. Außerdem profitiert er von einer steigenden Volatilität im Basiswert. Beides wäre gegeben, wenn die Briten sich am 23. Juni tatsächlich aus der EU wählen. Denn vom derzeitigen Standpunkt gibt es eine leichte Mehrheit für einen Verbleib des Landes in der EU. Laut der Financial Times würden derzeit rund 46% für einen EU-Verbleib wählen, während rund 41% für einen Brexit wären. Die verbleibenden rund 12% sind noch unentschieden.

Momentan sind die Märkte also eher auf einen Verbleib als auf einen Brexit eingestellt. Kommt es am 23. Juni allerdings anders, als alle denken, dann dürfte sich das sofort in fallenden Kursen und einer steigenden Volatilität auswirken, und zwar sowohl im britischen Leitindex Financial Times Stock Exchange (FTSE 100) als auch im DAX. Auf beide Indizes gibt es der Put-Optionsscheine viele, abgestimmt auf so gut wie jedes Chance-Risiko-Profil.

Szenario 2: Kein Brexit und die Märkte steigen

Szenario 2 ist, dass sich die Briten in gut drei Wochen für einen Verbleib in der EU entscheiden. In diesem Fall werden die Märkte mit hoher Wahrscheinlichkeit erleichtert reagieren und die Kurse steigen. Das gilt vor allem dann, wenn die Vorhersagen auf ein besonders knappes Wahlergebnis hindeuten. Je näher der 23. Juni rückt und je unklarer der Ausgang des Referendums wird, desto nervöser werden die Märkte. Und Nervosität wirkt sich grundsätzlich negativ auf die Kurse aus.

Bleibt das Vereinigte Königreich also Mitglied der EU, sind Kurssteigerungen direkt im Anschluss an die Auszählung sehr wahrscheinlich. Hierfür empfiehlt sich ein Call-Knock-Out-Zertifikat auf den FTSE 100 und/oder den DAX. Denn die Kurse steigen zwar, aber die Volatilität wird aufgrund der schlagartig abnehmenden Unsicherheit fallen.

Meine Empfehlung: Call-Knock-Out-Zertifikate

Eine fallende Vola wirkt sich grundsätzlich negativ auf die Wertentwicklung von Optionsscheinen aus. Daher ist es wichtig, bei Optionsscheinen nicht nur die Kursrichtung des Basiswertes im Auge zu haben, sondern auch die Volatilität. Idealerweise kaufen Sie Optionsscheine bei geringer Volatilität und profitieren dann von einer steigenden Volatilität. Kaufen Sie allerdings bei hoher Volatilität und fällt diese dann im Anschluss, kann es passieren, dass Sie mit dem Optionsschein Verluste machen, obwohl Sie in der richtigen Kursrichtung investiert sind.

Knock-Out-Zertifikate lassen sich in ihrer Gewinnentwicklung allerdings nicht von der Volatilität beeinflussen. Durch den eingebauten Hebel partizipieren Sie überproportional an den Bewegungen des Basiswertes, machen also im besten Fall deutlich höhere Gewinne im Vergleich zu einem Direktinvestment.

Szenario 3: Brexit, aber ohne Überraschungsfaktor

Szenario 3 ist ein Brexit, der im Vorfeld, und im Gegensatz zu Szenario 1, schon von den Märkten eingepreist ist. In diesem Fall dürfte sich wenig tun an den Kursen am Aktienmarkt, dafür allerdings umso mehr am Devisenmarkt. Die möglichen Auswirkungen auf das Pfund, die ein Brexit haben dürfte, zeigte ich Ihnen bereits vergangene Woche auf. Doch die Währungspaare EUR/GBP und GBP/USD sind die einzigen, in denen es im Falle eines Brexit zu großen Bewegungen kommen dürfte.

Auch im EUR/CHF dürfte es dramatisch abwärts gehen. Denn im Falle eines Brexit werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ausländische Investoren immense Summen aus dem Vereinigten Königreich abziehen. Die Schweiz und der Schweizer Franken gelten traditionell als „sicherer Hafen“ für Geld in Krisenzeiten. Der Brexit würde also nicht nur das Pfund schwächen, sondern auch noch den Franken stärken, und zwar so sehr, dass Analysten auch eine Parität im EUR/CHF nicht ausschließen.

Meine Empfehlung: Short im EUR/CHF

Nachdem sich der Franken und die schweizerische Wirtschaft gerade von der Kamikaze-Aktion der Schweizerischen Notenbank erholt haben, die im Januar 2015 den Mindestkurz zum Euro von 1,20CHF kappte und den Kurs des Franken damit stark steigen ließ, würde der Franken erneut enorm aufwerten und den jüngsten wirtschaftlichen Aufschwung der Schweiz im Keim ersticken.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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