Tech-Firmen legen durchwachsene Quartalsbilanzen vor

Inhaltsverzeichnis

In der vergangenen Woche haben die großen US-Technologiekonzerne einen Einblick in ihre Bücher gewährt und die Zahlen zum kalendarischen Auftaktquartal des laufenden Jahres vorgelegt. Die Ergebnisse fielen durchwachsen aus, was die US-Technologiebörse Nasdaq auf eine Berg-und-Tal-Fahrt schickte.

Letztendlich beendete der Auswahlindex Nasdaq 100 die Woche tiefrot mit einem Verlust von mehr als 4 Prozent. Auf Monatssicht gab das Barometer rund 15 Prozent nach, seit Jahresbeginn entwickelte sich der Technologieindex insgesamt schwach und gab um mehr als 20 Prozentpunkte nach.

Doch was bewegt die Anleger? Hier ein Überblick über die jüngsten Quartalsbilanzen – und wie Anleger und Analysten darauf reagiert haben.

Microsoft Aktie auf Richtungssuche – Cloudgeschäft weiterhin stark

Den Anfang im Zahlenreigen machte Microsoft.

Der Zeitraum von Januar bis Ende März ist in der Zeitrechnung von Microsoft das 3. Geschäftsquartal. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres steigerte der Software-Dino seinen Umsatz um 18 Prozent auf 49,4 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn stieg unterm Strich um 8 Prozent auf 16,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie fiel mit 2,22 Dollar etwas höher aus, als Analysten durchschnittlich erwartet hatten. Sie waren im Schnitt lediglich von 2,19 Dollar je Aktie ausgegangen.

Besonders gut entwickelte sich die Cloud-Sparte Azure, deren Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal um satte 46 Prozent zulegen konnten. Auch das berufliche Netzwerk LinkedIn, das Microsoft 2016 übernommen hat, verbuchte 34 Prozent höhere Erlöse.

Anleger wussten nicht so recht, ob sie sich über die Bilanz freuen sollten oder nicht, die weitgehend den Vorhersagen der Experten entsprach. Die Microsoft Aktie legte anfänglich zu, gab dann aber wieder nach und blieb auch im Anschluss auf Richtungssuche. Nach einigem Auf und Ab gab der Kurs auf Wochensicht um gut 5 Prozent nach.

Analysten sehen weiterhin Kurspotenzial und bekräftigten ihre Kaufempfehlungen, die Kursziele bewegten sich dabei überwiegend in einer Spanne zwischen 320 Dollar (JP Morgan) und 400 Dollar (Credit Suisse).

Alphabet Aktie abgestraft: Erwartungen verfehlt

Ebenfalls am vergangenen Dienstag legte Alphabet seine Quartalszahlen vor. Googles Mutterkonzern verbuchte im ersten Quartal einen Gesamtumsatz von gut 68 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 23 Prozent. Beim Nettogewinn musste das Unternehmen einen Dämpfer hinnehmen: Hier gab es binnen Jahresfrist einen Gewinnrückgang um 1,5 Milliarden auf nur noch 16,4 Milliarden Dollar.

Mit diesen Zahlen verfehlte Alphabet die Erwartungen der Analysten. Anleger reagierten enttäuscht und trennten sich von der Alphabet Aktie, die im Nachgang um mehr als 6 Prozentpunkte nachgab. Zusätzlich sorgten die Aussichten für miese Stimmung: Wegen des Ukrainekrieges und der zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten haben etliche Firmen ihre Werbebudgets gekürzt.

Mit Werbeanzeigen aber macht Alphabet den größten Anteil seiner Umsätze. Vor allem die Schaltung von Werbeanzeigen im Umfeld der Google-Suchmaschine und über das Videoportal YouTube generieren nach wie vor Milliardenumsätze, in Q1 waren es mit fast 55 Milliarden Dollar gut 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor allem bei YouTube hatten Analysten mehr erwartet: Anstelle der prognostizierten 7,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete YouTube lediglich 6,87 Milliarden Dollar.

Analysten bestätigten vor diesem Hintergrund zwar ihre Kaufempfehlungen, viele reduzierten aber die Kursziele. Diese liegen nunmehr überwiegend zwischen 3.000 Dollar (Goldman Sachs) und 3.850 Dollar (UBS).

Meta Aktie: Anleger atmen auf – Facebooks Nutzerzahlen steigen wieder

Am Mittwoch folgte Meta mit seinem Zahlenwerk. Der Facebook-Mutterkonzern stand unter besonderer Beobachtung, nachdem die Bilanz des vorangegangenen Quartals für Entsetzen und einen Ausverkauf der Meta Aktie Anfang Februar gesorgt hatte. Hintergrund waren damals leicht rückläufige Zahlen der täglich aktiven Nutzer bei Facebook.

Diese vielbeachtete Kennziffer stieg im Auftaktquartal jedoch wieder um 30 Millionen Nutzer, was bei Anlegern für Erleichterung sorgte. Binnen Jahresfrist stieg die Zahl der täglich aktiven Facebook-Nutzer um rund 82 Millionen.

Der Umsatz lag mit 27,9 Milliarden Dollar knapp 7 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Allerdings erwirtschaftet Meta – wie auch Alphabet – den Löwenanteil seiner Umsätze mit Werbeanzeigen und hat dementsprechend ebenfalls mit dem schwieriger werdenden Marktumfeld zu kämpfen. Der Nettogewinn des Unternehmens, zu dem neben Facebook auch Instagram und WhatsApp gehören, ging binnen Jahresfrist um rund ein Fünftel zurück auf 7,4 Milliarden Dollar.

Für das laufende Quartal stellte Meta einen möglichen erneuten Nutzerrückgang in Aussicht – wegen des Rückzugs aus Russland –, aber auch auf stagnierende oder leicht rückläufige Umsätze müssen sich die Anleger in Q2 einstellen.

Trotz der relativ schwachen Entwicklung bei Umsatz und Gewinn und ungeachtet der Sorgen im Werbegeschäft legte die Meta Aktie im Nachgang zeitweise rund 18 Prozentpunkte zu. Allzu groß war die Erleichterung über die Zahl der aktiven Facebook-Nutzer, die die Prognosen der Analysten sogar noch übertreffen konnte.

Analysten sprachen mehrheitlich Kaufempfehlungen für die Meta Aktie aus, korrigierten die Kursziele aber oftmals nach unten. Diese liegen nun überwiegend in einem Korridor zwischen 272 Dollar (Credit Suisse) und 330 Dollar (Jefferies).

Apple Aktie: Q2 besser als gedacht – Ausblick ungewiss

Auch für Apples Zählweise ist der Zeitraum von Januar bis Ende März nicht das erste, sondern das zweite Geschäftsquartal. Die Bilanz legte das Unternehmen am vergangenen Donnerstag vor und konnte mit überraschend starken Ergebnissen glänzen.

So stieg der Umsatz binnen Jahresfrist um 9 Prozent auf 97,2 Milliarden US-Dollar. Als Nettogewinn konnte der iPhone-Hersteller 25 Milliarden Dollar verbuchen, was einem Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht.

Obwohl die Erwartungen der Analysten übertroffen werden konnten, trennten sich Anleger im Anschluss von der Apple Aktie. Zu ungewiss ist der Ausblick: Auch Apple-Chef Tim Cook warnte davor, dass Apple „nicht immun“ sei gegen die Schwierigkeiten im globalen Marktumfeld. Materialengpässe, Lieferkettenprobleme, Chipkrise und Inflation sind dabei nur einige der zentralen Stichpunkte.

Auch etliche Analysten sahen sich zu einer Korrektur ihrer Kursziele für die Apple Aktie veranlasst, die sich nunmehr zwischen 157 Dollar (Goldman Sachs) und 200 Dollar (JP Morgan) bewegen.

Amazon Aktie tiefrot: Schwer getroffen von Inflationseffekten

Den Abschluss im Zahlenreigen der Tech-Giganten lieferte – ebenfalls am Donnerstag – der Onlinehändler Amazon, der seine Anleger jedoch auf ganzer Linie enttäuschte. Zwar konnte das Unternehmen seinen Quartalsumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 7 Prozent steigern auf 116,4 Milliarden US-Dollar.

Doch zugleich verbuchte Amazon Milliardenverluste. Diese wurden vor allem durch die Abschreibung der Beteiligung an Rivian verursacht, die allein mit 7,6 Milliarden Dollar zu Buche schlägt. Unterm Strich verbuchte das Unternehmen einen Gewinneinbruch auf 3,7 Milliarden Dollar (Vorjahreszeitraum: 8,9 Milliarden Dollar).

Doch auch die Inflation macht vor Amazon nicht Halt, ganz im Gegenteil – sie trifft den Händler gleich doppelt. Auf der einen Seite steigen die Betriebskosten, auf der anderen Seite schwindet die Kauflaune der Kunden. Höhere Ausgaben bei geringeren Einnahmen sind ein fataler Mix. Für das laufende Quartal hält das Management um CEO Andy Jassy auch einen Verlust von bis zu 1 Milliarde Dollar für möglich.

Anleger reagierten geschockt auf das Zahlenwerk und vor allem auf den schwachen Ausblick. Sie stießen die Amazon Aktie reihenweise ab, die im Nachgang um rund 10 Prozentpunkte an Wert verlor.

Analysten behielten zwar ihre Kaufempfehlungen bei, reduzierten aber mehrheitlich das Kursziel für die Amazon Aktie. Die Zielspanne bewegt sich danach nun zwischen 3.500 Dollar (Deutsche Bank) und 4.240 Dollar (Barclays).

Tech-Werte spiegeln schwierige Gesamtlage wider

Insgesamt spiegelt sich in den Quartalsbilanzen der Tech-Konzerne die allgemeine weltwirtschaftliche Lage wider: Auf der einen Seite war man gerade noch im Aufschwung begriffen, insbesondere die Technologieunternehmen zählten außerdem zu den Profiteuren der Pandemie, die nun allmählich in ihrer Wirkung auf Menschen und Wirtschaft nachlässt.

Doch inzwischen haben sich neue Krisen entwickelt, Inflation und Ukraine-Krieg sorgen für neue Unsicherheiten. So hat etwa Apple nicht einmal eine Jahresprognose abgegeben, obwohl das Geschäftsjahr schon zur Hälfte vorbei ist – zu unsicher sei die Gesamtlage zurzeit.