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Intel-Aktie: Chip-Milliarden für Magdeburg – Achtung Risiko!

Inhaltsverzeichnis

„Es wird die größte Investition in der Geschichte Sachsen-Anhalts.“ Das Zitat stammt vom Ministerpräsidenten des ostdeutschen Bundeslandes, Reiner Haseloff (CDU). Doch jetzt gibt es offenbar Probleme.

Intel: 17 Milliarden Euro für Chipfabriken in Magdeburg

Zunächst für Sie zur Einordnung: Im März 2022 hatte der US-Chipkonzern Intel ein Mega-Engagement in Deutschland angekündigt. Genauer gesagt: in der Landeshauptstadt von  Sachsen-Anhalt, Magdeburg. Der Konzern will dort zwei hochmoderne Halbleiterfabriken hochziehen und veranschlagt dafür Investitionskosten von 17 Milliarden Euro.

In Magdeburg plant Intel die Herstellung von Prozessoren und Grafikchips unter der eigenen Marke. Zudem will der US-Konzern im Rahmen der Intel Foundry Services dort auch als Auftragsfertiger für Drittkunden aktiv werden.

Das geplante Engagement kommt jedenfalls nicht von ungefähr. Die deutsche Politik hat angesichts der Halbleiterengpässe in den letzten Jahren und der Abhängigkeit von Ostasien ein Interesse daran, Chipfertiger nach Deutschland zu locken. Entsprechend sollen die Intel-Fabriken in Magdeburg subventioniert werden.

Subventionsstreit? US-Konzern verschiebt Baubeginn

Jetzt hat der US-Konzern in dieser Sache eine Warnung ausgesprochen. Und die hat es durchaus in sich. Gegenüber der „Welt am Sonntag“ konstatierte ein Intel-Sprecher, dass noch kein Termin für den Baustart der Fabriken festgelegt worden sei. Ursprünglich hatte die Landesregierung von Sachsen-Anhalt mit einem Baubeginn im ersten Quartal 2023 gerechnet. Jener Zeitplan dürfte nun nicht mehr eingehalten werden können.

Der Grund: Offenbar hat sich Intel mit der Politik noch nicht über die konkreten Fördergelder geeinigt. Solange die Subventionen nicht rechtssicher seien, werde man nicht beginnen, sagte der Konzernsprecher im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“.

Der Bund hatte im letzten Juni eine Förderung in Höhe von 6,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Beobachter gehen nun davon aus, dass Intel diese Summe nicht ausreicht und der Konzern eine höhere Beteiligung des Bundes fordert. Der Intel-Sprecher jedenfalls setzt der Politik die Pistole auf die Brust und betonte, dass das Unternehmen die geplante Investition in ihrem Umfang verringern oder in die Länge ziehen könnte.

Intel verweist auf makroökonomische Risiken

Ohnehin hatte der US-Chipkonzern in den letzten Monaten auf die Risikofaktoren des Projekts hingewiesen. Nun hat der Konzernsprecher diese noch einmal akzentuiert. Seit der Bekanntgabe der Investition im März 2022 habe sich vieles verändert. Die geopolitischen Herausforderungen seien größer geworden, Inflation sowie Rezession belasteten die Wirtschaft und die Nachfrage nach Halbleitern sei zurückgegangen. Der Konzern beobachte diese Entwicklungen und passe das Tempo seiner Investments daran an, so der Sprecher.

Tatsächlich prognostizieren viele Branchenkenner für den Halbleitermarkt eine Trendwende. Schauen Sie: In den letzten Jahren hatte es prekäre Engpässe bei den Mikrochips gegeben, während die Nachfrage hoch blieb. Doch die konjunkturellen Probleme und die Zurückhaltung der Verbraucher bei Elektronikprodukten könnten 2023 dafür sorgen, dass das Angebot zum ersten Mal seit einiger Zeit der Nachfrage davoneilt.

Laut einer Ende November veröffentlichten Prognose des Marktforschers Gartner wird der weltweite Umsatz mit Halbleitern im angelaufenen Jahr voraussichtlich um 3,6 Prozent auf 596 Milliarden Dollar zurückgehen. Im Juni hatte Gartner noch ein Marktvolumen von 623 Milliarden Dollar prognostiziert.

Aber das ist nicht alles: Intel hatte vor dem Jahreswechsel auch auf die gestiegenen Energie- und Materialkosten in Deutschland hingewiesen. Dadurch erhöhten sich die Baukosten für die Fabriken, so der US-Konzern. Gut möglich, dass Intel diesen Fakt in den Verhandlungen mit der Politik als Argument für weitere Subventionen nutzt.

Mein Fazit für Sie

Noch im März 2022 hatten Intel und viele deutsche Politiker von dem Engagement in Magdeburg geschwärmt. Doch jetzt trifft das Ganze auf die Realität. Und die sieht aktuell – gerade wenn es um größere Investitionsprojekte in Deutschland geht – nicht gerade rosig aus.

Klar: Beide Seiten haben ein großes Interesse an dem Projekt. Intel könnte dadurch zu den mächtigen Chipkonkurrenten Samsung sowie TSMC aufschließen und seine Marktanteile erhöhen. Ohnehin forciert der US-Konzern derzeit einen Expansionskurs in Europa. Neben Magdeburg plant Intel Investitionen zum Beispiel in Irland, Italien, Frankreich oder Spanien. Intel will in Europa nahezu die gesamte Wertschöpfungskette rund um Halbleiter etablieren: von der Forschung und Entwicklung über das Design bis hin zur Produktion und Montage.

Das wiederum würde zum Beispiel Deutschland zugutekommen. Schauen Sie: Durch die zunehmende Vernetzung von Produkten und Dienstleistungen braucht die deutsche Volkswirtschaft perspektivisch immer mehr Chips, auch wenn es 2023 wegen der Rezession zu einer vorübergehenden Flaute kommen sollte.

Bislang ist Deutschland hier vor allem von der ausländischen Produktion abhängig, deren Zuverlässigkeit wegen der geopolitischen Konflikte allerdings auf der Kippe steht. Stichwort: Taiwan (TSMC).

Es bleibt nun abzuwarten, ob die deutsche Politik gegenüber Intel weitere Zugeständnisse machen wird. Mit Blick auf die extrem hohen Steuerausgaben zur Bewältigung der Energiekrise dürfte der Spielraum hierfür nicht gerade umfangreich sein.

Intel und dessen Aktionären steht somit eine Hängepartie bevor. Als Anleger sollten Sie jetzt viel Geduld mitbringen.