Winnebago – Kalte Dusche bei Umsatz und Gewinn

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Bei vielen US-amerikanischen Outdoor-Fans haben Wohnmobile und Wohnwagen von Winnebago Kultstatus. Trotzdem hat Winnebago Industries im vorigen Geschäftsquartal deutlich weniger verdient als im Jahr zuvor – allerdings auch mehr, als Analysten erwartet hatten. Und das hatte seine Gründe.

Boom nach der Corona-Öffnung weicht Normalität

Das im Winnebago-County im Bundesstaat Ohio beheimatete Unternehmen ist nach dem Ende der Corona-Restriktionen in den USA auf einer Welle des Erfolgs geschwommen. Die wieder entdeckte Reiselust der Amerikaner ließ die Nachfrage nach Wohnmobilen und sonstigen Outdoor-Produkten  steil nach oben schießen.

Gleichzeitig bauten die Händler ihre niedrig gehaltenen Bestände wieder massiv auf – und dank dieses Doppeleffekts nahmen Verkäufe und Umsätze im vorigen Jahr massiv zu. Diese Sonderkonjunktur ist nun wieder einer Normalisierung gewichen. Im dritten Geschäftsquartal 2023, das am 27. Mai 2023 zu Ende gegangen ist, brachen die Umsätze von Winnebago Industries regelrecht ein.

Um 38,2% auf 900,8 Millionen Dollar fielen die Verkaufserlöse im Vergleich zum entsprechenden Geschäftsquartal 2022. Zum dicken Minus trugen nicht nur geringere Stückzahlen aufgrund der Zurückhaltung von Händlern bei, die ihre hoch gefahrenen Bestände abbauten, sondern auch erhebliche Rabatte nach dem Boom von 2022.  Der Umsatz war damit sogar niedriger als die Prognosen der Analysten.

Sie hatten im Durchschnitt nämlich rund 950 Millionen Dollar auf dem Zettel. Relativ gut hielt sich dabei noch der Bereich Wohnmobile, der „nur“ 27,5% weniger erlöste als ein Jahr zuvor und mit 374,4 Millionen Dollar fast das größte Segment Wohnwagen erreichte. Denn das büßte gleich 52,3% auf 384,1 Millionen Dollar Umsatz ein. Der jüngste und kleinste Bereich Boote und Schiffe legte sogar um 1,9% auf 129 Millionen Euro zu.

Gewinne übertreffen die Schätzungen

Während der Umsatz die Schätzungen der Analysten deutlich verfehlte, sah es bei den Erträgen umgekehrt aus: Winnebago meldete ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 2,13 Dollar und übertraf damit die Prognosen von durchschnittlich 1,80 Dollar recht deutlich. Hier half, dass das Unternehmen die gestiegenen Kosten zum Teil auf die Preise überwälzen konnte.

Im Vergleich zum Vorjahr verblieb dennoch ein  Gewinn-Minus von 48%.  Das ist sogar etwas höher als die Einbußen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs 2023. Da fiel der Gewinn je Aktie „nur“ um 44% auf 6,08 Dollar.

Aktie büßt nach den Zahlen rund 7 Prozent ein

Im vorbörslichen Handel an der Wall Street straften die Anleger die Winnebago-Aktie mit einem Minus von rund 7% auf Kurse knapp unter 60 Dollar ab. Im deutschen Nachmittagshandel pendelten sich die Verluste ebenfalls in einer Größenordnung von 5% auf Kurse um 55,50 Euro ein.

Die Aktie hatte allerdings in den sechs Monaten zuvor um rund 20% zugelegt. Anleger und Analysten hatten darauf gesetzt, dass die Amerikaner mittelfristig verstärkt mit Wohnmobil & Co. auf Achse gehen werden, so wie es Meinungsumfragen vermuten lassen. Vor den Quartalszahlen hatten fünf Analysten Winnebago Industries als Kauf eingestuft und  sieben als Halteposition. Verkaufsempfehlung gab es keine. Übrigens: In Deutschland gelten die Winnebago Wohnmobile und Wohnwagen eher als Exoten. Dies zeigt die nachfolgende Grafik mit den Marktanteilen (Quelle: womosuche.de)