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Vom Gewinn-König zum Sorgenkind: So schnell kann’s gehen!

Inhaltsverzeichnis

Kaum ein anderes deutsches Börsenunternehmen hat im letzten Jahr so glänzend verdient wie Hapag-Lloyd. Unterm Strich belief sich der Gewinn der Hamburger Reederei auf rund 17 Milliarden Euro. In der folgenden Grafik sehen Sie die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Container-Giganten:

Quelle: www.aktienscreener.com

Deutlich wird der massive Wachstumsschub ab 2021, nachdem der Konzern in den Jahren zuvor eher auf dem Zahnfleisch gegangen war. Wie Sie sicherlich ahnen, hatte die Mega-Reederei in 2021 und 2022 von den Effekten der Corona-Pandemie im Logistiksektor profitiert.

Hapag-Lloyd als Corona-Profiteur

Schauen Sie: Durch Lockdowns und Personalmangel waren die Lieferketten enorm unter Druck geraten. Die wirtschaftlichen Akteure waren deshalb dazu bereit, für Containertransporte auf See deutlich höhere Preise zu bezahlen. In der Folge schoss der Profit von Hapag-Lloyd durch die Decke. 2022 hatte die Reederei eine Gewinnmarge von rund 50 Prozent erzielt. Das ist astronomisch hoch, gerade für die Seefrachtbranche.

Die Anleger jedenfalls durften sich freuen. Hapag-Lloyd schraubte die Ausschüttungen eklatant nach oben und bescherte den Aktionären eine Dividendenrendite von mehr als 20 Prozent. Die Reederei war laut einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zuletzt der deutsche Börsenkonzern mit der höchsten Ausschüttungssumme. Hapag-Lloyd stellte damit gar die traditionell spendierfreudigen Autounternehmen in den Schatten.

Q1 2023: Alles Glück ist irgendwann vorbei

Doch jetzt neigt sich das Freudenfest seinem Ende zu. Konzernboss Ralf Habben Jansen hatte bereits bei der Veröffentlichung der 2022er-Jahresbilanz betont, dass der Gewinn in 2023 bei weitem nicht an das Niveau des Vorjahres anknüpfen könne.

Kein Wunder also, dass die Zahlen zum ersten Quartal 2023 von erheblichen Abstrichen geprägt waren. Schauen Sie: In den ersten drei Monaten verdiente der Hamburger Traditionskonzern unterm Strich nur noch 1,89 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,17 Milliarden Euro gewesen. Der Umsatz fiel indes um 32 Prozent auf 6,0 Milliarden Euro.

Weniger Transporte – niedrigere Gewinnmargen

Nachdem die Corona-Sonderkonjunktur abgeflaut ist, sorgen nun Konjunkturprobleme und die hohen Lagerbestände für eine eher verhaltene Nachfrage aus der Wirtschaft. So sank die Transportmenge im ersten Quartal 2023 um knapp 5 Prozent auf 2.842 TTEU. TTEU (Thousand Twenty Foot Equivalent Unit) ist eine international anerkannte Kennzahl zur Zählung von verschifften Standardcontainern.

Die niedrigere Transportmenge ist aber nur die eine Seite. Problematisch ist vor allem der massive Rückgang der Frachtraten – um knapp 28 Prozent auf durchschnittlich 1.999 US-Dollar je 20-Fuß-Standardcontainer (TEU). Die Frachtrate ist der Preis, den Hapag-Lloyd im Schnitt für den Transport verlangen kann und ist damit ausschlaggebend für den Profit.

Gleichzeitig, und hier liegt die Crux, stiegen die Kosten für die Containertransporte zuletzt deutlich. Hapag-Lloyd konnte die höheren Aufwendungen also nicht mehr mit höheren Preisen kompensieren, weshalb der Gewinn in Q1 absackte.

Prognose für 2023 bestätigt

Wie erwähnt macht der Konzern hierfür die schwächelnde Konjunktur verantwortlich. Diese führt dazu, dass die Lagerbestände in der Wirtschaft tendenziell steigen, weshalb zusätzliche Seetransporte derzeit schlicht nicht mehr in großem Umfang nötig sind. Dadurch fällt die Nachfrage und somit die Bereitschaft der Unternehmen, für die Containerverschiffung viel Geld zu bezahlen.

Immerhin: Das Management hat die im März veröffentlichte Prognose für das Gesamtjahr 2023 nun bestätigt. Demnach erwartet Hapag-Lloyd nach wie vor ein operatives Ergebnis (EBIT) von 2 bis 4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2022 hatte die Reederei hier noch einen Rekordwert von 17,47 Milliarden Euro erzielt.

Mein Fazit für Sie

Klar: Der Profiteinbruch ist eklatant. Auf der anderen Seite sind die Vergleichswerte aus 2022 von erheblichen Sondereffekten geprägt. Schaut man sich die Gewinnzahlen aus den vorherigen Auftaktquartalen an, lief es zumindest in Q1 2023 (1,89 Mrd. €) gar nicht so schlecht:

  • Konzernergebnis in Q1 2021: 1,20 Mrd. €
  • Konzernergebnis in Q1 2020: 0,02 Mrd. €
  • Konzernergebnis in Q1 2019: 0,09 Mrd. €

Allerdings sollten Sie als Anleger damit rechnen, dass sich der Profitrückgang der Reederei im laufenden Jahr und wahrscheinlich auch 2024 eher intensivieren wird. Das könnte die Aktie und nicht zuletzt auch die Dividenden weiter unter Druck setzen.

Der Titel hatte 2021 eine beachtliche Rallye aufs Parkett gelegt, war im letzten Jahr jedoch trotz der massiven Gewinnschübe unter die Räder geraten. Im Herbst 2022 setzte die Hapag-Lloyd-Aktie dann zu einer Gegenbewegung an, die nun im Mai weitestgehend wieder abverkauft wurde.

Die meisten Analysten jedenfalls sehen den neuerlichen Kursverfall noch nicht an seinem Ende angekommen. Laut Marketscreener liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten bei rund 163 Euro. Das wäre ein weiteres Minus gegenüber dem Kursniveau von Montagvormittag in Höhe von 13 Prozent (Stand: 15.05.2023, 11:00 Uhr).

Die unklare konjunkturelle Entwicklung, die gestiegenen Leitzinsen und die geopolitischen Risiken lasten auf der Perspektive der Hamburger Reederei. Als Anleger sollten Sie deshalb jetzt erst mal besser keine neuen Wunder erwarten und das Papier meiner Meinung nach höchstens mit einem langfristigen Anlagehorizont in Erwägung ziehen.