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Baubranche kämpft mit Stornierungen und Materialengpässen

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Ist das das Ende des Baubooms? Jahrelang konnte sich die Baubranche vor Aufträgen kaum retten, die Preise für Neubauten wie auch Bestandsimmobilien sind im vergangenen Jahrzehnt durch die Decke geschossen. Ein Eigenheim in Großstadtnähe war für Durchschnittsverdiener praktisch nicht mehr zu finanzieren.

EZB leitet Zinswende ein – schwere Zeiten für Häuslebauer

Befeuert wurde der Traum von den eigenen vier Wänden von den extrem niedrigen Zinsen. Kredite waren historisch günstig zu haben, dementsprechend leisteten sich viele den Kauf auch dann, wenn der Preis eigentlich oberhalb der eigenen Budgetgrenzen angesiedelt war.

Das könnte sich nun rächen. Die Europäische Zentralbank hat in dieser Woche die lang erwartete Zinswende eingeleitet und den Leitzins überraschend kräftig um 0,5 Prozent angehoben. Bei Privatkrediten hatte sich das bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet. Anschlussfinanzierungen für bestehende Kredite dürften nun noch einmal deutlich teurer werden.

Ganz so schlimm wie am US-Immobilienmarkt, der nach der Pleite der Bank Lehman Brothers und überlastet durch Hypotheken in sich zusammenbrach, dürfte es hierzulande zwar wohl nicht kommen. Doch die Krise der Häuslebauer schlägt sich schon jetzt in der Baubranche nieder.

Ifo-Erhebung: Baubranche klagt über Stornierungen

So weist eine aktuelle Erhebung des Münchener Ifo-Instituts eine ungewöhnlich hohe Zahl von Stornierungen in der Baubranche aus. Etwa jede zehnte Baufirma ist von gecancelten Projekten betroffen, sowohl im Hochbau wie auch im Tiefbau. Besonders drastisch ist der Rückgang der Umfrage zufolge im Wohnungsbau – also ausgerechnet dort, wo eigentlich hoher Bedarf herrscht.

Zwar scheint der Run auf die Großstädte allmählich abzuebben – zum zweiten Mal in Folge wuchsen die Metropolen im Schnitt nicht mehr –, doch das könnte auch nur ein Folgeeffekt der inzwischen extrem hohen Preise für Kaufobjekte wie auch Mietwohnungen sein, die dort inzwischen fällig werden.

Hohe Kosten werden weitergereicht

Zudem ist auch die Baubranche nicht vor Preissteigerungen gefeit: Weil die Ausgaben für Material, Transport und Energie gestiegen sind, wird es auch für die Bauherren unterm Strich spürbar teurer, da die Bauunternehmen ihre höheren Kosten zumindest teilweise an die Kunden weitergeben.

Die Materialengpässe gingen zuletzt zwar zurück: Laut Ifo-Erhebung waren im Juni noch rund 47 Prozent der Hochbauunternehmen betroffen, im Mai waren es noch etwa 10 Prozent mehr gewesen. Im Tiefbau sank der Anteil der betroffenen Unternehmen von 45 auf 40 Prozent.

Bauaktien hinken hinterher

Insgesamt aber ist die Branche weiterhin belastet und rechnet nur langsam mit einer Normalisierung beim Materialnachschub: Im Schnitt gehen die befragten Firmen davon aus, dass die Engpässe noch etwa neun Monate andauern werden.

Im Dax hinkt die Aktie von HeidelbergCement trotz der jüngsten Kursgewinne der Indexentwicklung hinterher: Während der Leitindex seit Jahresbeginn knapp 18 Prozentpunkte eingebüßt hat, ging es für die Anteilsscheine von HeidelbergCement um fast 22 Prozent bergab. Ähnliches gilt für die im SDax gelistete Aktie von Hochtief: Sie verzeichnet seit Beginn des Jahres ein Minus von gut 30 Prozent, für den SDax ging es im gleichen Zeitraum rund 25 Prozent abwärts.