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HeidelbergCement geht mit der Zeit und benennt sich um

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Wer heutzutage in Deutschland einen Namen trägt wie Justin oder Jacqueline, dem ist das nicht selten unangenehm. Immerhin verbinden viele Menschen damit eher negative Assoziationen.

Wer als Unternehmen so heißt wie sein erfolgreiches Hauptprodukt, könnte darauf eigentlich stolz sein – sollte man meinen. Ganz so einfach ist es aber wohl nicht. Der Dax-Konzern HeidelbergCement schämt sich offenbar für den Zement im eigenen Namen – und ändert ihn kurzerhand. Intern ist der Wandel bereits vollzogen, im kommenden Jahr soll sich der neue Name dann auch weltweit durchsetzen: Aus HeidelbergCement wird Heidelberg Materials.

HeidelbergCement heißt fortan Heidelberg Materials

Damit will man auf der einen Seite hinweisen auf die vielen anderen Produkte, die man als Baustoffhersteller im Portfolio feilbietet. Doch auf der anderen Seite ist es wohl ein profanes Imageproblem, das den bisherigen Namen des Traditionsunternehmens belastet.

Zement gilt als Klimakiller, die Produktion sorgt für einen extrem hohen CO2-Ausstoß. Davon will man weg, nicht nur im Firmennamen, sondern auch ganz grundsätzlich. Erklärtes Ziel des Vorstands ist es demnach, das erste klimaneutrale Unternehmen innerhalb der eigenen Branche zu werden.

Es soll sich einiges ändern

Hehre Ziele, deren Erreichung noch in einigermaßen weiter Zukunft liegt. Voraussichtlich erst ab 2024 wird man im Bereich Zement soweit sein, das Produkt in großem Stil umweltschonend anbieten zu können. Da geht eine fixe Namensänderung doch deutlich schneller und sorgt außerdem für ein paar ungefährliche Schlagzeilen.

Ganz im Gegensatz zu „Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix“ erhofft sich der Konzern von seiner Namensänderung sehr wohl weitreichende Veränderungen in Sachen Leistungsspektrum und Klimafreundlichkeit. Damit ist Heidelberg Materials – der Name ist bereits beschlossen und mit sofortiger Wirkung im Konzern eingeführt – in guter Gesellschaft.

Nachhaltigkeitsversprechen als Messlatte für die Zukunft

Auch andere bekannte Firmen haben sich umbenannt. So firmierte etwa der US-Hersteller der bekannten Schokoladenmarke Milka mehr als 100 Jahre unter dem Namen Kraft Foods, wurde dann aber 2012 im Zuge einer Konzernaufspaltung umbenannt in Mondelez. Auch der deutsche Snackhersteller Bahlsen, zu dessen Produktpalette unter anderem bekannte Marken wie Saltletts, Crunchips oder Chipsletten gehören, hat eine Umbenennung vollzogen. Inzwischen ziert nicht mehr der Familienname Bahlsen, sondern der Vorname des Gründers, Lorenz, die Produkte.

Während sich die süßen wie salzigen Snacks auch nach erfolgter Umbenennung großer Beliebtheit bei den Kunden erfreuen, wird man sich bei Heidelberg Materials nun am eigenen Anspruch messen lassen müssen: Gelingt es dem Unternehmen tatsächlich in den kommenden Jahren, das Nachhaltigkeitsversprechen einzulösen? Oder sorgt der neue Name lediglich für eine glänzende Verpackung des gleichbleibend dreckigen Zementgeschäfts?

Analysten verweisen auf schwieriges Branchenumfeld

Man darf gespannt sein. Die im Dax gelistete Aktie jedenfalls hat seit Jahresbeginn etwa ein Drittel ihres Werts eingebüßt und kostete zuletzt noch rund 40 Euro. Die meisten Analysten sahen in den vergangenen Wochen eher mäßiges Kurspotenzial.

Eine Kaufempfehlung mit Kursziel 65 Euro gab es vor wenigen Tagen von der privaten Berenberg Bank. Das Kursziel deutlich von 56 auf 47 Euro abgesenkt hat zuvor die US-Großbank JP Morgan, die die Aktie weiterhin neutral einstufte. Goldman Sachs sieht die faire Bewertung bei 51 Euro, rät aktuell aber zum Verkauf.

Angesichts der Inflationsdynamik, schwindender Kaufkraft sowie steigender Zinsen fürchten viele Beobachter ein Ende des Immobilienbooms, der auch die Baubranche in den vergangenen Jahren beflügelt hatte.