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HeidelbergCement: Warum diese 2 News jetzt Hoffnung machen!

Inhaltsverzeichnis

Es ist gerade einmal rund drei Monate her, als sich der deutsche Traditionskonzern HeidelbergCement einen neuen Anstrich verpasst hat. Mit der Umbenennung in „Heidelberg Materials“ will der Baustoffgigant sein breites Leistungsspektrum verdeutlichen und vor allem das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda setzen.

Heidelberg Materials muss grüner werden

Schauen Sie: HeidelbergCement bzw. Heidelberg Materials versursacht pro Jahr rund 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Der Mega-Konzern aus Heidelberg ist damit einer der größten CO2-Emittenten des Dax. Mit Blick auf die immer strengeren politischen Vorgaben muss das Unternehmen also wohl oder übel die Öko-Karte spielen.

Im Bereich der Werkstoffherstellung ist das freilich alles andere als einfach. Trotzdem versuchen die Heidelberger alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen. Dabei geht es neben der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid auch um das Recycling von Rohstoffen.

Heidelberger wollen Berliner Recycling-Firma RWG übernehmen

In den letzten Wochen hat Heidelberg Materials nun entsprechend des neuen Markennamens eine Offensive in Sachen Kreislaufwirtschaft gestartet. Ende November gab der Konzern die Übernahme der Berliner Firma RWG bekannt. RWG bereitet Bauabfälle auf und verarbeitet sie zu zertifizierten Produkten weiter.

Die Firma gilt als Marktführer beim Baustoffrecycling im Großraum Berlin. Heidelberg Materials will dadurch sein Portfolio rund um zirkuläre Materialien verstärken. So kann durch die Aufbereitung des Betonabbruchs den recycelten Gesteinskörnungen Vorrang vor Primärrohstoffen eingeräumt werden. Die (geplante) Übernahme umfasst drei moderne Recyclinganlagen von RWG.

Heidelberg Materials will bis 2030 für die Hälfte seiner Betonprodukte zirkuläre, also kreislauffähige, Alternativen anbieten, die unterm Strich einen erheblichen Klimavorteil bewirken sollen. Doch allein mit RWG geben sich die Heidelberger nicht zufrieden.

Mick George: Baustoffkonzern will sich auch britischen Recycler einverleiben

Mitte Dezember hat der Traditionskonzern nun einen weiteren Zukauf angekündigt. Im Mittelpunkt: die Mick George Group. Das Unternehmen gilt als führender Baustoffrecycler in Großbritannien. Mick George hat sich auf Erdbaudienste, Massenaushübe, Abbrucharbeiten und die umweltschonende Abfallbeseitigung spezialisiert. Hinzu kommen Recycling-Dienstleistungen.

Laut Heidelberg Materials betreibt Mick George vier Recyclinganlagen, acht Abfallumschlagstationen, elf Abbaustätten für Zuschlagstoffe und zehn Transportbetonwerke. Die Heidelberger sehen in der Akquisition einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu dem oben erwähnten Recycling-Ziel.

Allerhöchste Eisenbahn

Finanzielle Details zu den geplanten Deals, die noch von den zuständigen Kartellbehörden abgesegnet werden müssen, legte Heidelberg Materials indes nicht vor. Nur so viel: RWG kommt mit 250 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro. Mick George schafft es mit 1.000 Beschäftigten auf jährliche Erlöse von umgerechnet 256 Millionen Euro.

Für Heidelberg Materials ist es jedenfalls allerhöchste Eisenbahn. Der deutsche Marktführer bei Zement und Transportbeton muss sich für die Nachhaltigkeit seiner Produkte einsetzen. Ansonsten droht dem Traditionskonzern langfristig der Gang in die Bedeutungslosigkeit.

Für die Aktie sind die geplanten Akquisitionen meiner Meinung nach unterm Strich also eine gute Nachricht, auch wenn der Konzern erst einmal Investitionen stemmen muss.

Wie hart wird die Rezession zuschlagen?

Immerhin: Zuletzt überraschte Heidelberg Materials die Börse positiv. Trotz des makroökonomischen Gegenwinds blieb das operative Ergebnis im dritten Quartal 2022 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Der Grund: Die Nachfrage aus der Baubranche war noch stark genug, sodass die Heidelberger die höheren Energiekosten an die Kunden weitergeben konnten. Und auch für das vierte Quartal zeigte sich das Management relativ zuversichtlich.

Doch 2023 bleibt die große Unbekannte. Eine tiefgreifende Rezession zum Beispiel in Deutschland würde Heidelberg Materials als Zulieferer der konjunkturanfälligen Baubranche schwer in Mitleidenschaft ziehen. Immerhin gibt es inzwischen positive Signale, wonach der Wirtschaftsrückgang nicht ganz so dramatisch ausfallen könnte.

HeidelbergCement-Aktie: Analysten uneins

Sie merken schon: Die aktuellen Unsicherheiten sind nicht von der Hand zu weisen. Das zeigt sich auch mit Blick auf die jüngsten Analysteneinschätzungen:

  • Elodie Rall von JPMorgan: 49 Euro Kursziel
  • Glynis Johnson von Jefferies: 56,70 Euro Kursziel
  • Nabil Ahmed  von Barclays: 43 Euro Kursziel
  • Gregor Kuglitsch von UBS: 67 Euro Kursziel

Zum Vergleich: Die HeidelbergCement-Aktie notierte am Nachmittag des 19. Dezembers bei 52,52 Euro (Stand: 19.12.2022, 15:30 Uhr). Entsprechend sehen zwei Analysten weiterhin Renditepotenzial, während zwei andere Experten den Mitte Oktober bis Mitte November erzielten Kursaufschwung als übertrieben einschätzen. Auch die HeidelbergCement-Aktie profitierte in diesem Zeitraum vom allgemeinen Optimismus an der Börse, nachdem das Papier im vorherigen Jahresverlauf ordentlich Federn gelassen hatte.

Für Sie zur Einordnung

Die Umbenennung in „Heidelberg Materials“ betrifft lediglich den Markenauftritt. Der dahinterstehende Konzern bleibt unverändert die HeidelbergCement AG. Entsprechend ist auch weiterhin von der „HeidelbergCement“-Aktie die Rede.