Wiederauferstehung der griechischen Drachme?
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Für die Griechen ist Ostern das Fest aller Feste. Am Ostersamstag feiern die (orthodox) Gläubigen Anastasti", die Auferstehung Jesu Christi. Möglicherweise nimmt das griechische Euro-Drama gerade über Ostern eine neue, überraschende Wendung.
Befreiungsschlag über Ostern?
Aus der Gerüchteküche dringt in diesen Tagen hervor, dass in der Druckerei der griechischen Notenbank derzeit rund um die Uhr gearbeitet werde. Wird etwa ein Comeback der Drachme, eine Wiederauferstehung an Ostern heimlich, still und leise in die Wege geleitet? Wohl eher weniger, zumindest sah sich der Sprecher der griechischen Regierung dazu gezwungen, Gerüchte bzgl. der Wiedereinführung der Drachme zu dementieren. Die Druckerpressen laufen möglicherweise deswegen heiß, weil die Hellenen vielleicht gerade ihren ureignen Bank-Run durchziehen. Sprich ihr Erspartes abheben und zu Hause bunkern. Oder weil schlicht und ergreifend die neuen, fälschungssicheren Euro-Banknoten gedruckt werden?
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, im Meer der Gerüchte scheint nur sicher zu sein, dass es weiter äußerst spannend bleiben wird. Vielleicht, vielleicht wagen die Verantwortlichen ja tatsächlich eines Tages einen überraschenden Befreiungsschlag. Vielleicht noch nicht an Ostern 2010.
Einige Hinweise für die Praxis
Falls Sie indes ihren eigenen kleinen Bank Run" durchziehen wollen, denken Sie bitte bei den Euro-Banknoten an das landesspezifische Kennzeichen X (vor der Serien-Nr.) für Deutschland und meiden Sie - soweit möglich - die PIIGS (M für Portugal, T für Irland, S für Italien, V für Spanien). Ferner sei vielleicht noch ganz kurz erwähnt, dass es nicht unsinnvoll ist, weiter auf die 10-Euro-Silbermünzen zurückzugreifen. Seit 2002 gibt die Bundesrepublik Deutschland 10 Euro Gedenkmünzen aus, welche offizielles Zahlungsmittel sind. Diese bestehen aus 925er Sterlingsilber und haben ein Gewicht von 18 Gramm, enthalten sind also genau 16,65 Gramm Feinsilber Nur am Rande sei erwähnt, dass dieses Gewicht genau der Menge Feinsilber entspricht, die ein Vereinstaler aus dem Jahr 1857 enthielt.
Gegen höhere Inflation
Indes wagt sich das deutsche Bundesfinanzministerium in Person des Parlamentarischen Staatssekretärs, Steffen Kampeter, aus der Deckung und stellt klar, dass trotz weltweit historisch hoher Verschuldungsniveaus eine höhere Inflation strikt abgelehnt werde. Eine höhere Teuerungsrate sei zwar eine Versuchung, in Krisenzeiten öffentliche und private Schulden zu entwerten. Letztlich sei dies aber nur eine Flucht aus der Verantwortung.
Weg in den Niedergang
Kampeter weist vor unter anderem auch auf die Risiken der Inflationierung hin. Vorhandenes Geldvermögen wird vernichtet, die Reallöhne sinken, die Armut steigt. Alle Versuche, über höhere Inflation Arbeitslosigkeit abzubauen, scheiterten mittelfristig und führten in den ökonomischen Niedergang statt in den Aufschwung", schreibt der CDU-Politiker in einem Gastbeitrag für die Nachrichtenagentur Reuters. Daher gebe es keine Alternative zu einer Entschuldung über eine konsequente Konsolidierung.
Ja, die Botschaft liest sich zwar gut, doch allein es fehlt der Glaube, ob diese wohlfeilen Aussagen nichts anderes sind als schiere Beruhigungspillen für die beunruhigte Sparerschaft. Es ist fraglich, ob am Ende des Tages das Gemisch aus dramatischer Überschuldung der öffentlichen Haushalte (laut Prof. Raffelhüschen liegt die explizite und implizite deutsche Staatsschuld bei 6,2 Billionen Euro, sprich 249 Prozent des BIP) und extrem laxer Geldpolitik nicht doch zu höheren Teuerungsraten - in welchem Bereich auch immer - führen wird. Einzig fraglich bleibt, wann und in welchem Sektor die Preise zuerst gen Norden gehen werden. Letztlich wird dies auch ein Herr Kampeter kaum verhindern können...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Volker Gerull (23.03. 2010 09:23 Uhr):
Vom Autor dieses Berichtes wüßte ich gerne wie eigentlich die Gefahr einer zunächst kommenden Deflation einzuschätzen ist.Günter Hanich be schreibt dies ja in einer seiner Publikationen sehr anschaulich.Irgendwie hat man das Gefühl nicht genau zu wissen wo es letztlich eigentlich hingeht.Wann kommt was in etwa auf uns zu? Viele Grüße Volker Gerull
Antworten - Kommentar von Holger Lamberts (23.03. 2010 14:07 Uhr):
Hallo Mr.N.N. Alle Achtung vor dem Herrn Staatssekretär Steffen Kampeter, er hat nur alzu recht. Natürlich kann er allein die Inflation nicht verhindern, aber er betstätigt, dass „man“ das kann. Früher haben alle europäischen Regierungen ihre Inflation mit einer Vielzahl fiskalischer Maßnahmen genau auf ihre Neuverschuldung abgestimmt. Das durch Ableitungen in die „saueren Wiesen (siehe Kirchschläger )“ der Realwirschaft entfremdete Geld wurde so aus den Sparguthaben, Anleihen u.s.w. ergänzt. Seit den 90er Jahren kamen aber die ehemaligen Ostblockstaaten und emerging Markets mit niedrigen Preisen auf unsere globalisierten Märkte und vermasseln unseren Politikern damit die Chosse mit der schleichenden Inflation. Hat sich seit dem nicht eine bedrohliche Schuldenlawine angesammelt ? Haben bisher nicht haben alle Versuche eine Inflationslawine loszutreten versagt ? Wie lange halten die Stützen der globalisireten Märkte wohl noch ? Wieviel Liquidität kann noch auf die Lawinen-gefährdeten Hänge gepumpt werden ? Herr Kampeter hat Mut gegen die Inflationstreiberei aufzutreten und seine kampfbereiten Politiker-Kollegen vor ihrem eigenen Inflations-Krieg zu warnen. Diese Lawine würde alles zerstören wie eine A-Bombe. Halten Sie bitte durch Herr Kampeter ! bittet Holger Lamberts
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