Wenn man für die Fehler der Staatswirtschaft zahlt
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Januar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Carmen Reinhardt und Ken Rogoff sagen, dass die höheren Schulden das Wirtschaftswachstum hemmen könnten. Vielleicht bin ich mit meinen Ansichten doch nicht allein.
Das ist das andere, worüber ich reden wollte. Weitestgehend gibt es überhaupt keine Erholung. Und die Erholung, die es gibt, die ist Betrug.
Man kann ein Problem mit zu hohen Schulden nicht lösen, indem man noch mehr leiht... selbst dann, wenn der Kreditnehmer die Bundesregierung ist. Als der Privatsektor zu viel geliehen hat, hat er Ressourcen verbraucht, die er sich nicht wirklich leisten konnte. Und davon abgesehen hat er auch die falschen Signale an die Produzenten gesendet, und sie in den Glauben versetzt, dass sie am anderen Ende der Leitung echte Kunden hätten. Aber sie hatten in Wahrheit nur Leute, die so taten, als hätten sie eine größere Kaufkraft als sie wirklich hatten. Und als der Kredithahn zugedreht wurde, verschwanden auch diese Kunden und ließen die Produktionsbrachen mit einer zu großen Kapazität und den Einzelhandel mit zu großen Ladenflächen zurück.
Und jetzt tut die Regierung das Gleiche - sie nimmt Ressourcen, die sie sich nicht wirklich leisten kann... und sie verwendet sie für Zwecke, die nicht wirklich haltbar sind. Mehr noch, diese Verwendungen führen zu einem trügerischen Bruttoinlandsprodukt... Produktion, für die es eine echte Nachfrage geben kann oder auch nicht. Es sieht aus Sicht der Wirtschaftswissenschaftler aus wie das echte Bruttoinlandsprodukt... schließlich verdienen die Menschen Geld und geben es auch aus. Aber steht irgendwer wirklich besser da, wenn man eine teure Maschine kauft, die man dann zu enormen Kosten nach Afghanistan verschifft, wo sie dann sich selbst überlassen wird? Und wie sieht es damit aus, dass man weitere 1000 Bürokraten einstellt, um den Papierkram für die Gesundheitsversorgung erledigen zu lassen? Ist die Welt deswegen heute ein besserer Ort?
In der Privatwirtschaft machen die Leute immer Fehler. Sie kaufen Dinge, die sie nicht wirklich brauchen mit Geld, das sie nicht wirklich haben. Und dann zahlen sie den Preis dafür.
In der Staatswirtschaft machen die Menschen auch Fehler. Aber weil die Leute, die hier die Fehler machen, nicht die gleichen sind, die den Preis zahlen, gibt es nur wenige Anreize, die Fehler jemals anzuerkennen oder sie zu beenden. Das Gegenteil ist der Fall. Bei der Staatswirtschaft werden die Leute für ihr Scheitern belohnt. Je schlimmer die Situation wird... desto mehr Geld wirft man in diese Richtung. Sehen Sie sich doch nur einmal Detroit an.
Die Fehler der Regierung werden unendlich... die Programme können nicht mehr aufgehalten werden, weil dann zu viele Stellen verloren gehen würden.... Nutzlose Gemeinschaftszentren, die nicht geschlossen werden können... Kriege, die auf ewig andauern... hier ein Büro... und da eine Abteilung.
Immer mehr Parasiten... immer weniger ehrliche Arbeiter. Aber die Parasiten bringen keinen ehrlichen Wohlstand hervor. Sie verschwenden einfach nur Ressourcen.
Als ich gestern auf dem Weg nach Hause war, sah ich eine Plakatwand mit einer seltsamen Botschaft:
Geburtsfehler? Rufen Sie John McClure an. Rechtsanwalt. Bekommen Sie das, was Ihnen zusteht."
Ja, sogar im Privatsektor - mit seiner großzügigen Hilfe durch das Gerichtssystem der Regierung - sind die Parasiten allgegenwärtig... und immer mit der gleichen Botschaft... Holt euch etwas von einem andere... ohne dass ihr dafür arbeiten müsst.
Es geht immer so weiter... bis es alles den Bach hinuntergeht.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von gerhardq (19.01. 2010 09:08 Uhr):
Das Schlimme an der Situation ist, daß alle davon ausgehen, daß alle gleich handeln - in diesem Falle Schulden machen. Es sehr schwer, sich der Schuldenmanie wirklich zu entziehen, wenn beispielsweise nicht besonders vermögend ist. Da unser Staat hemmungslos Schulden macht, geht er davon aus, daß seine Bürger genauso handeln. Schließlich ist das im Sinne einer "wachsenden" Wirtschaft, viel konsumieren, nach Möglichkeit mehr Geld auszugeben als man hat. Das hat für den Staat den großen Vorteil, daß die Menschen dann zu Sklaven ihrer Verpflichtungen werden - sie müssen einfach in die Tretmühle von Arbeiten -> Geld verdienen - Schulden bedienen - Schulden machen - Arbeiten.
Antworten - Kommentar von Peter Jaunecker (19.01. 2010 09:50 Uhr):
Sehr geehrter Herr Borner zum Beitrag bin ich ganz Ihrer Meinung. Nur wer definiert welche Jobs Parasiten und welche wirklich sinnvoll sind? Ist es wirklich notwendig, daß eine immer kleiner werdende Zahl von Superreichen immer mehr Resourcen der Menschheit besitzt/steuert? MfG Peter Jaunecker
Antworten - Kommentar von florian (19.01. 2010 10:58 Uhr):
gratulation zu diesen überaus gelungenen beitrag. diese darstellende information, sollte viel mehr menschen bewusst gemacht werden können. eine abwandlung könnte auch im unterricht eingebracht werden. erst wenn man die wirtschaft und deren gefüge versteht, könnten sich auch viele menschen vorstellen, anders zu handeln....
Antworten - Kommentar von Peter Woch (19.01. 2010 12:32 Uhr):
Sie sprechen mir mit Ihrem Artikel aus der Seele, aber leider werden wir das Paradies erst später erleben, evtl. Manchmal frage ich mich, ob die Menschen in der Steinzeit nicht viel weiter waren, als wir uns heute einbilden, zu sein.
Antworten - Kommentar von Dr Papp Ernoene (19.01. 2010 13:21 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, Ihren heutigen Beitrag habe ich ebenfalls mit großem Interesse verfolgt. Sie haben absolut recht. Interressant ist dabei nur eine Sache, was Tatsache ist, dass die Menschheit es seit Jahrtausenden so macht. Und die Menschheit hat bis jetzt doch alles überlebt. Was ist also die Wahrheit? Parasiten gab es ja schon immer, aber sind diese wirklich Parasiten? Das muss sich jeder selbst entscheiden. Wenn mir ein Rechtsanwalt dabei hilft, um meine Rechte geltend zu machen, so kann ich ihn doch nicht als Parasit abstempeln. Aber auch einen König nicht, der ja für das Wohl seines Landes arbeitet. Es gab in der Vergangenheit viele gute Könige, deren Wirken sehr bedeutend dazu beigetragen hat, dass das Volk besser leben konnte. Also war er ein Parasit? Nehmen wir als Beispiel einen Deutschen König, Friedrich, den großen. Ich habe alle Achtung vor Ihm. Er hat das Leben seiner Untertanen ökonomischer gestaltet, hat jenen geholfen, die in Not geraten sind, hat Kunst und Wissenschaft gefördert, hat verbannten Asyl gewährt (Hugenotten, Jesuiten, usw.), hat selbst philosofische Studien getrieben, er hat Schopenauer, Kant, usw. gefördert, und das alles hat er selber bezahlt. Solch einen kann ich keinen Parasiten nennen. Sollte ein Rechtsanwalt Parasit sein, dann warum nehmen die Leute seine Dienste in Anspruch? Sind wir also selbst daran Schuld, dass diese Parasiten alles überleben können? Aber wir überleben ja auch alles, aber auch alles. Ein Volk, oder die ganze Menschheit könnte sich ja auflehnen um diese Parasiten zu verjagen. Zum Beispiel solche, die sogar eine Weltmeisterschaft Ihres Landes an einen anderen Land sozusagen verkaufen, und somit die aufopferungsvolle Arbeit eines Sportteames zunichte machen. Ja, diese sind Parasiten. Aber ich habe nichts davon gehört, dass jene vom Volk vertrieben worden sind. Sie wurden sogar wieder gewählt!! Langer Rede kurzer Sinn, wir sind selber dran Schuld. Es stehen dem Volk viele Mittel zur Verfügung, wir machen davon nur keinen Gebrauch. Und deshalb können die Parasiten bis zum jüngsten Tag leben. Das Volk ist nicht dumm, nur will die Mehrheit die Wahrheit nicht wahrhaben, steckt den Kopf in den Sand. Es hat keinen Sinn auf solche Parasiten zu schimpfen. Alle sollten dagegen etwas unternehmen. Und bis nichts geschieht, bleiben diese Leute dort, wohin wir Sie selber demokratisch gewählt haben, oder die Dienste jener Leute in Anspruch nehmen. Mit freundlichen Grüßen:
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ENL5462
- Kommentar von Peter de Santis (19.01. 2010 18:42 Uhr):
Ja das ist schon komisch, diese Parasiten,Halunken und Rechtsver-dreher, welche alle unter einer Decke stecken bekommen zum Schluß auch noch recht. Und keiner getraut sich dies endlich einmal laut und deutlich zu sagen. In Rom z.B. gibt es mehr Rechts anwälte, wie in ganz Frankreich und dort gibt es schon genug. Mit freundlichen Grüßen Peterde Santis
Antworten - Kommentar von Albin EngelhardtFriebe (20.01. 2010 10:15 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, Ihrem Artikel \"Wenn man für die Fehler der Staatswirtschaft zahlt\" kann ich weitgehend zustimmen. Allerdings hat sich der Mechanismus, daß die Verursacher von Fehlern nicht für diese zahlen, längst augf sehr viele, vor allem große Firmen, genauso zutrifft. Zufällig habe ich eineigen Einbick in die Firma Siemens. Dort wird bis hinunter in die dritte Ebene jeder noch so schlechte sog. Manager im Zweifelsfall in sog. Elefantenfriedhöfen bis zur Pensionsgrenze durchgefüttert, manchmal totz fehlender Aufgaben sogar noch mit eigenem Sekretariat ausgestattet. Die Folgen von Fehlentscheidungen treffen fast ausnahmslos die Indianer, indem sie entlassen oder gezwungen werden, zu schlechteren Konditionen in ausgelagerten Firmenteilen weiterzuarbeiten. Nun könnte man einwende, sie würden ja nicht gezwungen. Aber die realistische Alternative ist keinen Job mehr zu haben. Ich bin mir sicher, daß es in anderen großen Firmen auch nicht wesentlich anders gehandhabt wird. Sie GM. mfg Albin Engelhardt-Friebe
Antworten - Kommentar von Holger Lamberts (21.01. 2010 01:34 Uhr):
hallo s.g.herr Bonner, "Aber die Parasiten bringen keinen ehrlichen Wohlstand hervor. Sie verschwenden einfach nur Ressourcen." und es wäre schön wenn es dabei bliebe. In österreich hat schon in den 198iger Jahren ein President Kirchschläger gemeint man müsse die saueren Wiesen (Koruption) trocken legen. In den 197iger Jahren hat Ludwig Erhard recht konkrete Maßhalteapelle ausgegeben. - und sind es den nicht die Saueren Wiesen die den Kapitalmarkt seit Jahrzehnten mit Liquidität überschwemmen, so daß jedes Vorsorgesparen der arbeitenden Bevölkerung an niedrigen zinsen und überhöhten KGVs ad absurdum geführt wird. Und ist die Kriese, die von den sauren Regierungen mit Liquidität bekämft wird ursächlich nicht eine Liquiditäts(-Überfluß)Krise, die erst durch eine kleine Dummheit der FED zu einer Banken-Vertrauenskatastrophe wurde ? Ich sehe und verspüre diese "Kriese" schon seit Jahrzehnten und frage mich nur wielange das noch so weiter geht und in welcher Kathastrophe das endet. Müssen hier die 193iger Jahre zum Vorbild werden ? Ich denke, dass auch besonnene Politiker jene notwendigen maßnahmen ergreifen könnten und müssen, mit denen sich radikale Regieme halt leichter tun. Wie sehen sie das ?? Danke Holger Lamberts
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