Von Zentralbanken...
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 30. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Gingen die Märkte eigentlich noch ganz fröhlich ins Wochenende, so ist heute schon wieder irgendwie die Luft raus. Man könnte auch sagen, auf die optimistische Reaktion auf des FED-Chefs Kommentare, folgte heute dann doch wieder die Ernüchterung.
Ach ja, der Sommer neigt sich bald dem Ende zu und eine gewisse Schläfrigkeit oder Langeweile macht sich breit. Fühlen Sie sich heute auch so japanisch, liebe Leser?! Nein, ich spiele hier nicht auf die japanische Kultur an, sondern auf das berühmte "Verlorene Jahrzehnt". Per Definition (wenn man so sagen will) eine Zeit, die für schwaches Wachstum, Deflation, Viel-Geld-ausgeben in Form von Konjunkturkrücken und eine wachsende Staatsverschuldung steht. Etwas, das man gefühlsmäßig am besten so umschreiben kann: Herumkrebsen oder irgendwie so dahinvegetieren !
Das gleiche Gefühl überkommt mich, wenn ich so über die Zentralbanksheinis, die sich am Wochenende in den USA getroffen haben, nachdenke!
Quo vadis Ben?
Nehmen wir uns zunächst einmal FED-Chef Ben Bernankes an...
Ben glaubt, dass die US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wachsen wird...aber nur moderat. Im nächsten Jahr soll es schon wieder besser werden mit der Produktion...aber die Arbeitslosigkeit wird wohl nur sehr langsam sinken.
Doch Ben hat die Antwort schon parat: falls erforderlich (also wenn die Wachstumsaussichten noch schlechter werden, als sie es jetzt schon sind), werde die FED schon mit weiteren Stützungsmaßnahmen bereit stehen. Was auch sonst?!
Man könnte es auch anders formulieren: Ben will jetzt einfach mal ganz stur davon ausgehen, dass schon alles wieder ins Lot kommt. Und wenn nicht, dann sorgt er eben irgendwie dafür...
Allein...wie er das machen will, wer weiß?! (mal abgesehen davon, dass Ben auch versäumt hat zu erwähnen, unter welchen Bedingungen, denn dieses "irgendwie" eingesetzt werden soll)
Festgefahren, Ben?
Der Ausdruck "festgefahren" kommt meinem Eindruck schon sehr nahe, denn viele Möglichkeiten haben Ben und seine FED-Mannen ja eigentlich nicht mehr um alles gravierend zu ändern (vielleicht auch gar keine mehr). Die Zinsschraube ist schon fast rausgedreht, die Liquidität versickert, aber fließt nicht in die Wirtschaft und die Stützungskäufe können sowieso nur von überbrückender Natur sein.
Kein Wunder also, dass die FED-Mannen sich noch nicht mal einig sind, wie denn weiter zu verfahren sein könnte. Allerdings liegt das nicht nur daran, dass die Möglichkeiten irgendwie so beschränkt wirken, sondern auch daran, dass keiner realistisch abschätzen kann, was denn da noch alles kommen mag.
Ben mag zwar davon überzeugt sein, dass es keinen Double Dip geben wird, wie er aber angesichts der nach wie vor unschönen Aussichten in Bezug auf den US-Arbeitsmarkt dann doch so optimistisch auf die Konjunkturaussichten blicken kann...tja, jeder hat eben so seine Vorstellungen!
FED-Mann Hoenig aus Kansas City würden dagegen gerne die Zinsen anheben...seine Vorstellung: andernfalls drohe die Inflation.
Witziger Weise will FED-Mann Kocherlakota die Zinsen ebenfalls anheben. Seine Vorstellung allerdings ist, dass sonst die Deflation drohe.
Na ja, man erwarte bitte nicht zu viel von den Notenbankern...schließlich sind sich auch sämtliche Wirtschaftswissenschaftler, Ökonomen und Koryphäen nicht darüber einig, was die Zukunft bringt und wie man in der Gegenwart angemessen zu reagieren hätte.
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