Heiß umstritten: das Thema Griechenland
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. Februar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
nach wie vor erhitzt ein Thema ganz besonders die Gemüter: das Thema Griechenland! Natürlich kommt die Wirtschaftspresse an Griechenlands finanziellen Defiziten nicht vorbei, aber mittlerweile tobt sogar ein richtiger Zeitungskrieg.
Vielleicht haben Sie es schon gelesen: nachdem das deutsche Nachrichtenmagazin Focus sein Titelbild mit der Statue einer Aphrodite schmückte, die gekonnt den "Stinkefinger" in die Kamera hält, feuerte die griechische Presse sogleich zurück und zielte dabei deutlich unter die Gürtellinie. So veröffentlichte die griechische Zeitung Eleftheros Typos eine Fotomontage, welche ein Hakenkreuz auf dem Brandenburger Tor zeigt. Dazu schreibt das Blatt: Finanz-Nazitum bedroht Europa!
Keine Sorge, es geht noch weiter: einige Abgeordnete der Linksallianz Syriza fordern neuerdings die griechische Regierung dazu auf, von Deutschland Reparationszahlungen einzufordern. Im Übrigen glauben sie Deutschland sei einer der Hauptverantwortlichen für die griechische Schuldenkrise. Sogar eine konservative Abgeordnete zeterte: "Wie kann Deutschland die Frechheit besitzen, uns wegen unserer Finanzen anzuklagen, während es immer noch keine Entschädigung für die griechischen Opfer des 2. Weltkrieges gezahlt hat?"
Liebe Leser, ich kann an dieser Stelle nur raten: regen Sie sich nicht auf! (obwohl das zugegebenermaßen so manches Mal leichter gesagt ist, als getan). Aber um es mal realistisch zu betrachten: Zeitungskriege gehen uns nichts an und Oppositionspolitiker können sowieso nichts anderes, als anderen die Schuld für die eigene Misere in die Schuhe zu schieben. Außerdem steht Griechenland das Mittelmeer bis zum Hals - da greift man eben nach jedem Paddel und packt notfalls auch die 70 Jahre alte Keule aus. (Hauptsache ist, wir reagieren nicht darauf!)
Trotzdem muss ich den Griechen jetzt wirklich zur Mäßigung raten, wenn sie nicht (1.) noch mehr europäische Bürger gegen sich aufbringen wollen und (2.) wenigstens ein klein wenig Vertrauen des Marktes zurückgewinnen wollen.
Anhaltende Streiks untergraben das Vertrauen
Mir tut eigentlich noch immer die sozialistische Regierungspartei leid, welche die ganze Suppe jetzt auslöffeln muss. Auf der einen Seite muss man die Sparzwänge und Forderungen der EU erfüllen, auf der anderen Seite macht einem das eigene Volk die Hölle heiß deswegen.
Der arme Papandreou scheint die Griechen jedenfalls nicht ganz im Griff zu haben: wie ich las haben Demonstranten heute den Zugang zur Börse in Athen blockiert. Der dickste Hund aber ist der: eigentlich hätten die Griechen bis letzten Freitag neu Infos über ihren Schuldenstand an die Europäer liefern müssen. Weil aber die Beamten streiken und Papaconstantinou alleine die Rechnungen nicht schafft, ist die Frist ergebnislos verstrichen.
Dazu fällt mir nur ein Stichwort ein: Bananenrepublik! Herrje, die Hellenen geben ja nicht nur sich selbst, sondern ganz Europa der Lächerlichkeit preis.
EZB will zahlen
Während sich die europäischen Länder (und auch Deutschland) noch bedeckt geben, wagt EZB-Mann Bini Smaghi den Vorstoß und stellt Griechenland EU-Gelder in Aussicht. Aber natürlich unter den vom Spiegel angenommenen 25 Milliarden Euro. Ob das helfen wird, den Markt zu beruhigen?! Man wird sehen...
Jedenfalls wächst der Widerstand gegen einen Griechenland-Bailout massiv! Vielleicht erinnern Sie sich noch an die 4 Ökonomen die 1998 mit ihrer Klage gegen die Einführung des Euro vor dem Bundesverfassungsgericht scheiterten?! Nun stehen sie wieder in den Startlöchern um bei einem möglichen Bailout durch einen anderen europäischen Staat notfalls Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zu erheben.
Tja, was kann ich zum Abschluss sagen?!
Griechen ihr habt euch selbst da rein geritten, jetzt müsst ich euch auch selbst wieder rausziehen! So bitter das sein mag, aber es ist der einzige Weg um wieder zu Stabilität und Vernunft zurückzukehren. Ihr braucht das Vertrauen des Marktes, aber dieses müsst ihr euch jetzt erst wieder verdienen. Also ran an den Speck, hört endlich auf zu streiken und fangt an zu sparen. Erst wenn ihr beweisen könnt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, wird man euch auch wieder ein bisschen Ruhe gönnen. Ach, was rede ich da eigentlich? Ich fasse zusammen: werdet erwachsen!
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von John Groenen (23.02. 2010 22:04 Uhr):
Es ist aber richtig das der Sohn Papandreou (die Sozialisten) es ausbaden muss, weil Papa (der Vater) doch das Volk der Griechen die größten Geschenken gemacht hat(Pension nach 15 Jahren “harte” Arbeit) USW. Besser ist nach den Ganzen Betrug das die Griechen ihren Drachmen zurück bekommen.
Antworten - Kommentar von Alexis Zorbas (24.02. 2010 03:13 Uhr):
»Gerade das Griechen-Bashing angloamerikanischer Marktakteure steht in kuriosem Kontrast dazu, daß Amerikaner und Briten ein ebenso hohes laufendes Staatsdefizit von mehr als zehn Prozent haben – mit dem Unterschied, daß sie, anders als die Griechen, nicht einmal versuchen, das Defizit bald in die Nähe von drei Prozent zu bringen« (Financial Times Deutschland, 12.2.2010) Tja, was kann ich zum Abschluss sagen?! Ja, wir haben uns "selbst reingeritten" Frau Kraus - und wie es um unsere Reitkünste bestellt ist, können Sie sich selbst ein Urteil bilden - zum Beispiel, indem Sie Ihren nächsten Urlaub in Griechenland buchen, vorausgesetzt Sie können einen Sommerurlaub auf Mallorca entbehren - Bananen inclusive!
Antworten - Kommentar von Holger Lamberts (24.02. 2010 14:42 Uhr):
Hallo . . Wenn eine Land unvermögend arm und gleichzeitig hoch verschuldet ist, dann wurde das geborgte Geld gestohlen ! soweit kann es keine zweifel geben. Die Frage ist: Wer hat es gestohlen und wo ist es jetzt. Vermutlich sitzen oder saßen diese Diebe in der Regierung, und verfügen über Milliarden gegen die kein Rechtsmittel greift. Man kann nicht einfach alle Greichen pauschal verurteilen, es gibt ja doch viele arme Griechen, die von disem großen Kuchen wohl kaum ein stück abbekommen haben. Diese Griechen brauchen Hilfe aus dem Ausland, Hilfe bei der bekämpfung des Verbrechens. Uns Deutschen hat man Bomben auf den Kopf geworfen, als Verbrecher bei uns regierten, wir sollten gelernt haben, dass man verbrechen nicht bekämpfen kann, indem man die Opfer bekämpft. Was da momentan passiert sieht nicht nach Bomben aus, aber auch nicht nach differentierter Suche nach den Krimminellen und deren Beute, eher so, als wenn unsere und andere EU-Politiker ohnehin wissen wo die Beute ist und ein Stück abhaben wollen. Zahlen müssen dann weiter "die Griechen". Müssen erst radikale Verbrecher kommen um den subtielen Verbrechern das Handwerk zu legen, oder gibt es noch irgendwo in Europa Recht und Ordnung ? Das wäre meine Frage in diesem Zusammenhang. Holger Lamberts
Antworten - Kommentar von rkrei (24.02. 2010 18:00 Uhr):
...vielleicht sollte man bezüglich dieser verbalen Angriffe auf Deutschland seinen Urlaub in Griechenland überdenken ...!?
Antworten - Kommentar von Karina (25.02. 2010 18:03 Uhr):
Ich bin in den 90ern oft durch Griechenland in die Türkei gefahren und zurück. Die Türkei hatte unter Turgut Özal und Nachfolger einen marktwirtschaftlichen Schub. Die relativ armen aber dynamischen Türken hockten gern im Tee Haus im Schatten und tranken billigen einheimischen Tee. Die Griechen dito, aber es war dreimal so teurer Nesskaffee. Wer hat den bezahlt, und die Rente mit 55 und so weiter? Natürlich die EU...Deutschen. Merke: Sozialismus = Umverteilung von den Produktiven zu den Unproduktiven. Was ist der Einbruch in ein Haus im Vergleich zur Gründung eine (Zwangs-)Gemeinschaft?
Antworten
ENL5462
- Kommentar von Das Wachauge (26.02. 2010 14:53 Uhr):
Das ganze Eurogebilde ist eh ein Quatsch! Das hätte man gar nie anzetteln dürfen. Es hat ja vorher viel besser funktioniert als heute!!! Die südlichen Länder waren alle Nutzniesser dieses Gebildes und die nördlichen inklusive Frankreich, Deutschland und Oesterreich sind die Verlierer. Also lässt diese Länder ihrem Problem, das sie sich selbst eingefleischt haben, selbst überlassen und ausbaden. Die sollen zuerst lernen zu arbeiten oder krampfen, nicht nur aus dem Topf der anderen zu schöpfen, sprich siesta und syrtaki...
Antworten
weitere Ausgaben von
Rohstoff Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
Montag, 06. Februar 2012
alle AusgabenFort Knox für Privatanleger
Die besten physischen Edelmetallstrategien. Dieses Buch ist dem Leser dabei eine praxisnahe Hilfestellung für die Umsetzung seiner Edelmetall-Strategien.
Artikel weiterempfehlen