Doppelte Depression
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. August 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Das Wetter ist warm.
Was für ein schöner Tag für einen Kurseinbruch!
Haben wir jetzt Armageddon erreicht oder nicht? "Du weißt nicht, wie glücklich ich bin, so lange zu leben", sagte meine Mutter, deren 90. Geburtstag wir in wenigen Tagen feiern werden. "Ich habe zwei große wirtschaftliche Depressionen in meinem Leben gesehen."
Vor Jahren hatte ich geschätzt, dass der Preis von Gold und der Stand des Dow Jones gleichziehen könnten. Ich hatte auch geschätzt, dass das im Bereich "3.000" der Fall sein könnte.
Das schien verrückt, als ich das das erste Mal schrieb. Damals stand der Goldpreis bei 500 Dollar je Unze, und der Dow Jones bei über 10.000 - mit steigender Tendenz. Damals war also das Verhältnis von Dow Jones zu Gold bei rund 20 zu 1. Ende der 1990er hatte das Verhältnis im Topp bei 43 zu 1 gelegen.
Ich sagte, dass das Verhältnis auf 1 zu 1 fallen würde. Der Preis einer Feinunze Gold würde dem Wert der 30 im Dow Jones enthaltenen Aktien entsprechen. Genauso, wie es - sehr kurz - Ende der 1970er war. Wann würde das passieren?
Ich wusste es nicht. Aber ich würde mich "wie Armageddon" fühlen, wenn es passieren würde. Nun, jetzt sieht das gar nicht mehr so verrückt aus. Um ein Tief im Bärenmarkt zu erreichen, muss sich der Dow Jones halbieren...oder noch stärker fallen. Alles, was wir dafür brauchen, ist eine weitere Entwicklung wie Anfang August. Und der Preis des Goldes könnte sich leicht nochmal verdoppeln. Das alte Hoch des Jahres 1980 wäre inflationsbereinigt erst im Bereich 3.000 Dollar je Feinunze erreicht. Und dieses Mal sollte der Goldpreis erheblich höher steigen. Welches Problem der späten 1970er der damalige Goldpreis auch signalisierte - das heutige ist erheblich schlimmer.
Es gibt heute viel mehr Schulden. Und es gibt eine höhere Bereitschaft der Fed, die Schulden zu "monetarisieren". Und es gibt mehr wacklige Volkswirtschaften, die von wackligen Ökonomen geführt werden.
Das wirkliche Problem sind die Schulden. Die sind seit einem halben Jahrhundert gestiegen - dank der Ermunterung dazu von den selben Entscheidungsträgern, in deren Händen das Problem jetzt liegt.
Die Fed denkt...oder dachte...dass sie mit dieser Krise so umgehen kann, wie sie es mit jeder Nachkriegs-Rezession getan hatte - durch Bereitstellung weiterer und leicht zu erhaltender Kredite. Mit anderen Worten: Durch Erhöhung der Schulden im System.
Es wurde zudem eine Erhöhung der Staatsausgaben versucht - fiskalische Stimulierung. Und die Zinssätze wurden auf fast Null gesenkt. Und jetzt sagt Bernanke, dass die Leitzinsen noch zwei weitere Jahre auf diesem Niedrigniveau bleiben werden! Die Fed hat es auch mit Gelddrucken probiert, die Programme QE I und QE II.
Nichts hat funktioniert.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (30.08. 2011 13:22 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, ich sehe es ähnlich wie Sie, dass nichts funktioniert. Kann es auch nicht, wie wir alle wissen: Die Schulden von ca. 15 Billionen US Dollar sind einfach zu hoch. Seit Vietnam bestehen die Amerikaner darauf, dass Kriege, wenn es sie schon gibt, schnell und entschieden ausgetragen werden. Heute kämpft die amerikanische politische Klasse mit einer Krise des Bundeshaushalts, die selbst zu einem langen Krieg wird - mit seinen ganz eigenen Verlusten. Die amerikanische Finanzkrise ist schwerwiegend, und es geht dabei nicht nur um Zahlen. Die Aversion gegen Steuererhöhungen sind bei vielen Amerikern höchst emotional; dabei haben sie sicher sogar weniger konkrete Sorgen etwa vor den Auswirkungen dieser Steuern auf das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigungssituation. Große Teile bei den Republikanern, sind bekanntlich der festen Überzeugung, dass Steuern für eine Regierung das sind, was eine Flasche Whisky für einen Alkaholiker ist. Im Haushaltskrieg von Washington gibt es keine Aussicht auf einen Konses für den Wiederaufbau der maroden amerikanischen Infrastruktur - das ist ja das Schlimme - aber langsam breitet sich die Ansicht auch aus, dass Afghanistan und Pakistan nicht zu den Kerninteressen der USA gehören. Warum, so fragt man sich mittlerweile, sind Schulen und Straßen in Afghanistan und in Irak wichtiger als die in Colorado oder Kalifornien? Aber auch viele Anlagenmanager sind meines Wissens enttäuscht, dass man die globale Bankenaristokratie nicht auf eine Größe zurechtstutzte, die der Finanzkraft der einzelnen Staaten entspricht. In der Arroganz der Global Player sind auch die Wurzeln der Krise zu sehen. Dass die Finanzkonzerne trotz des Schadens, den sie anrichten, nicht zerschlagen wurden, halten viele Investoren für falsch. Die Spitzenmanager sind extrem überbezahlt. Gegen gesunden Egoismus ist ja nichts einzuwenden, aber in den Vorstandszimmern der Finanzkonglomerate wird Egozentrik gelebt, und das ist schlecht. Und wir wissen doch alle, dass insbesondere in London Devisenhändler sitzen, also Charktere mit geringer Integrität in hohen Positionen, die teilweise die Verantwortung des Bankensektors für die Volkswirtschaft ingnorieren. Zusammengefasst: Die Börsen in Amerika, vor allem unser DAX ignoriert seit Wochen die bisher immer noch gute Verfassung der Realwirtschaft. Wir haben es derzeit mit dem Homo panicus zu tun, der sehr von den letzten Wochen der Krise in Anspruch genommen wird. Wann es Zeit wird, wieder den Homo euphoricus hervorzukehren, das weiß keiner - auch wenn Deutschland einen Aufschwung XL erlebt hat. Güße aus München, A.K.
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