Die Gefahr einer Stagflation
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. März 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Eine Reihe von Ablenkungen macht es schwieriger, das wirkliche Bild zu sehen.
Die Fed sieht die Preisentwicklung durch ihre eigenen, verbogenen Brillengläser. Sie filtern Dinge, die im Preis steigen, einfach aus - wie Nahrungsmittel und Energie. Dann veröffentlichen sie eine Kern"-Inflationsrate und gratulieren sich selbst zu den stabilen Preisen.
Was wirklich passiert, ist natürlich, dass sie nur einen Teil des Bildes zeigen. Wenn man die Kern-Komponenten raus nimmt, dann vergrößert man zwangsläufig die Komponenten, die übrig bleiben. So z.B. die Kosten für Wohnen, welche gefallen sind.
Die Konsumenten, die weder essen noch heizen noch reisen, die können stabile Preise genießen. Der Rest von uns - zumindest von uns Amerikanern, denn ich bin ja selber auch einer - sieht seine Kaufkraft schwinden, da die Preise für Benzin, Müsli, Brot und vieles weitere steigen.
Die andere Ablenkung kommt daher, wie viel die Konsumenten ausgeben können. Wenn man sich die Einkommens-Zuwächse in den USA in den letzten 10 Jahren anschaut, dann wird man sehen, dass die Leute im Durchschnitt reicher geworden sind. Aber der Reichtum, der in dieser Periode geschaffen wurde, wurde nicht breit gestreut verteilt. Stattdessen wurde er in den Händen der Reichen" konzentriert. Um es abzukürzen: Der Reichtum, der in den Jahren nach der Jahrtausendwende geschaffen wurde, war eher Schein - basierend auf unklugen Schuldensteigerungen. Viele Leute schafften es, hohe Summen Geld anzuhäufen - besonders Leute im Finanzsektor...oder Leute mit Finanzanlagen. Das führt zu dem Mythos, dass Leute" reicher sind als sie es vor 10 Jahren waren. Aber das sind sie nicht. Der durchschnittliche Amerikaner und auch Europäer hat vom Geldscheffeln der letzten Dekade nicht besonders profitiert. In den USA haben sich normale Amerikaner Häuser gekauft zu Preisen, die überhöht waren. Jetzt sinkt so ein Amerikaner tiefer in seinen Sessel, wenn er den Teil mit den Immobilienverkäufen in seiner Zeitung liest. Sein Netto-Vermögen sinkt.
Wenn man diese Ablenkungen berücksichtigt, dann ist das wahre Bild trübe. Niedrige Einkommen. Hohe Schulden. Fallende Immobilienpreise. Steigende Preise für fast alles andere.
Stagflation? Ja. Das ist die jüngste Evolution der "Großen Korrektur".
Der private Sektor baut weiter Schulden ab, soweit ich das sehen kann. Aber der öffentliche Sektor baut massiv Schulden auf. Ergebnis? Die Schuldenlast steigt netto weiter an. Weltweit.
Also was solls? Kyle Bass hat dazu diese Zeilen geschrieben. Ich habe sie zwei Mal gelesen:
Spielen Schulden überhaupt eine Rolle? Es waren zu hohe Schulden, welche die Weltwirtschaft auf die Knie gezwungen haben. Seit 2002 sind die Schulden Jahr für Jahr um rund 11% gewachsen, während das BIP im selben Zeitraum um rund 4% pro Jahr gewachsen ist. Das Wachstum der Schulden hat das Wirtschaftswachstum um rund 275% übertroffen.
Wir glauben, dass Schulden eine Rolle spielen - wie jedes Mal seit dem Aufkommen der Finanzgeschichte. Ohne eine Lösung der globalen Schuldenlast werden die systemischen Risiken weiter wachsen.