Die beiden Seiten im Optionsgeschäft
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 10. Oktober 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
In der letzten Ausgabe begann ich an dieser Stelle, ein paar grundsätzliche Dinge zum Thema Optionen zu erläutern. Dies setze ich heute fort und wir werfen einen Blick auf die beiden Seiten beim Optionsgeschäft.
Wir erinnern uns: Es gibt Call-Optionen und Put-Optionen.
... aus der Sicht der Käufers
Bei einer Call-Option hat der Optionskäufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Aktie am Ende eines bestimmten Zeitraumes zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Ein hypothetisches Beispiel (weder Kaufempfehlung, noch aktuelle Preise der Option):
Beispiel: Mit dem 2009, Jan, $35 Call auf Microsoft haben Sie das Recht, bis zum Verfallstag im Januar 2009 100 Aktien von Microsoft für $35 zu kaufen. Nehmen wir an, für dieses Recht zahlen Sie $125. Steht Microsoft zu diesem Zeitpunkt bei $50, machen Sie pro Aktie $15 Gewinn. Da sich ein Optionskontrakt IMMER auf 100 Aktien bezieht, wären das $1500 Gewinn ($50-$35 = $15 x 100 = $1500) für einen einzigen Kontrakt (abzgl. der Optionsprämie).
Doch was machen Sie, wenn Microsoft am Verfallstag bei $30 steht? Würden Sie den Kontrakt ausüben? Ganz sicher nicht. Das wären ja $500 Verlust ($30 - $35 =-$5 x 100 = -$500). Aber keine Angst: Sie können nicht mehr als Ihren Einsatz verlieren. Da Sie den Kontrakt für $125 gekauft haben, ist das gleichzeitig Ihr Maximalverlust, denn Sie haben ja nicht die Pflicht, Ihre Option auszuüben.
Das Ausübungsrecht einer Option können Sie an der Börse übrigens vom Prinzip her handeln wie eine Aktie. Der Preis einer Option hängt jedoch nicht von Angebot und Nachfrage ab, sondern hauptsächlich von der Wertentwicklung des Basiswertes selbst.
Wie schon erwähnt gibt es neben der Call- auch die Put-Option.
Bei einer Put-Option hat der Optionskäufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Aktie am Ende eines bestimmten Zeitraumes zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen. Ein weiteres, hypothetisches Beispiel:
Beispiel: Mit dem 2010, Jan, 17.50 Put auf American Express haben Sie das Recht, bis zum Jan 2010 zu einem Zeitpunkt Ihrer Wahl 100 Aktien von American Express für $17.50 pro Stück zu verkaufen. Sagen wir, für dieses Recht zahlen Sie $380 (der Preis hängt von mehreren Faktoren ab - mehr dazu gleich). Steht American Express zu diesem Zeitpunkt bei $7.50, machen Sie pro Aktie $10 Gewinn. Kumuliert ergibt das stolze $1000 Gewinn ($17.50-$7.50 = $10 x 100 = $1000) für einen einzigen Kontrakt (abzüglich der Prämie). Steht American Express am Verfallstag über $17.50, so machen Sie Verlust. Auch hier können Sie maximal Ihren Einsatz verlieren.
... aus der Sicht der Verkäufers
Bei einer Call-Option muss der Optionsverkäufer die jeweilige Aktie bei Ausübung der Option durch den Käufer zu einem vorher festgelegten Preis verkaufen.
Bei einer Put-Option muss der Optionsverkäufer die jeweilige Aktie bei Ausübung der Option durch den Käufer zu einem vorher festgelegten Preis kaufen.
Hier noch einmal zur Verdeutlichung:
|
| CALL | PUT |
| Käufer | Recht zu kaufen | Recht zu verkaufen |
| Verkäufer | Pflicht zu verkaufen | Pflicht zu kaufen |
Das grundsätzliche Verständnis von Options-Basisprinzipien ist sehr wichtig, wenn Sie erfolgreich und sicher mit Optionen handeln möchten. Auf viele Leute wirkt das zunächst vielleicht etwas abschreckend und komplex, jedoch sind Optionen für die, welche sich einmal etwas ausführlicher mit dem Thema befasst haben, nicht selten schnell zu den absoluten Lieblingsinstrumenten an den Finanzmärkten geworden (ich zähle mich u.a. auch hierzu!). Kaum ein anderes Finanzinstrument bietet derart viele nützliche und spannende Möglichkeiten!
Option Chain - das sollten Sie wissen
Jede Option hat einen bestimmten Basiswert. Man spricht hier auch vom sog. „Underlying" einer Option. Eine „Option Chain" (dt. Optionskette) ist eine Liste, die die verfügbaren Optionen für einen Basiswert anzeigt.
Allgemein gibt es drei Punkte, auf die Sie achten müssen, bevor Sie eine Option kaufen:
1.) Will ich einen Call oder einen Put kaufen / verkaufen ?
2.) Welchen Basispreis möchten Sie (Man spricht hier auch oft vom „Strike" oder „Strike-Preis" oder der „Strike Schwelle")?
3.) Wann soll die Option auslaufen? Je länger die Laufzeit, desto teurer fällt in der Regel auch die Prämie aus.
Liste der verfügbaren Optionen für den Basiswert Microsoft
mit freundlicher Genehmigung von www.bigcharts.com
In dem Screenshot sehen Sie die verfügbaren Optionen zu Microsoft. In der Mitte steht der aktuelle US-Dollar-Kurs der Aktie. Die Call-Optionen auf Microsoft stehen auf der linken, die Put-Optionen auf der rechten Seite. Gelb umrandet sehen Sie die jeweiligen Verfallsmonate der Optionen. Vertikal in der Mitte finden Sie den zu der Option dazugehörigen Basispreis (= Strike Price). Was Sie jetzt noch brauchen, ist eine Art Wertpapierkennnummer für Ihre ausgesuchte Option. Die Amerikaner nennen diese „Ticker" oder Symbol. Das sind kurze Buchstabenkombinationen, die den gleichen Zweck wie unsere ISIN/WKN erfüllen.
Zwei Beispiele: Der Ticker der Call-Option, die im November 2007 verfällt und den Basispreis $40,00 hat, heißt MSQKH.
Das Verfallsdatum, der Basispreis und die Optionsart des Tickers: MQFWV lautet
Put-07NOV- $12.50.
"to open and to close"
Wenn Sie z.B. bei einem US-Broker eine Option kaufen wollen, müssen Sie in dem entsprechenden Feld „Buy to open" wählen. Sie kaufen hiermit eine Option, um eine neue Position zu eröffnen („Sell to open" = Eröffnung einer short-Position).
Zum Verkauf der Option müssen Sie das Feld „Sell to close" wählen. Hiermit schließen Sie eine bestehende Position durch einen Verkauf („Buy to close" = Schließen einer short-Position).
Nur zur Erinnerung: Wir können Optionen während ihrer gesamten Laufzeit verkaufen bzw. zurückkaufen. Es hängt jedoch von der jeweiligen Strategie ab, ob Sie die Optionen vor dem sogenannten „Expiration Date" (dem Verfallsdatum) (ver)kaufen oder diese tatsächlich ausüben sollten. Im Regelfall verzichten die meisten Anleger auf die Ausübung; es gibt jedoch auch Ausnahmen.
Preisfindung einer Option
Der Preis einer Option hängt - vereinfacht gesagt - von 2 Faktoren ab (korrekterweise wäre als dritter Faktor noch die implizite Volatilität zu nennen):
· dem inneren Wert
· dem Zeitwert
Der Einfachheit halber lasse ich aber hier die Preisbeeinflussung durch die Volatilität des Gesamtmarktes weitgehend außer Acht. Ich werde dies mit der Zeit in weiteren Artikeln nachholen.
Nächste Woche geht es hier weiter, u.a. mit dem sog. inneren Wert und dem Zeitwert einer Option!
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende, trotz Chaos-Börse...
Beste Grüße
Alexander Hahn