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Wie Sie richtig handeln

Wie Sie sehen, wird es jetzt noch konkreter. Aber ich erlebe es im Kontakt mit Privatanlegern immer wieder: Da werden Bücher und Magazine gelesen, aber die Anleger wissen am Ende nicht, wie man dieses Informationen dann im alltäglichen Börsengeschäft richtig umsetzt. Gerade dieser Bereich liegt mir jedoch besonders am Herzen. Denn was nützen Ihnen die schönsten Erläuterungen zu den wichtigsten Themen der Emerging Markets, wenn Sie danach immer noch nicht wissen, welche Besonderheiten Sie bei Kauforders für Emerging-Markets-Aktien beachten müssen oder wie Sie einen Stopp-Kurs richtig setzen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, in diesem Buch nicht nur Basisinformationen über Emerging Markets vorzustellen, sondern Sie auch in die richtige Art der Umsetzung einzuweihen. Dieses Kapitel soll die Lücke zwischen theoretischem Wissen und realer Umsetzung schließen, so dass Sie nach diesem Einführungsbuch in der Lage sind, Aktien aus der Welt der Emerging Markets richtig zu handeln.

Wie Sie richtig kaufen Beginnen wir mit der richtigen Art des Kaufes. Denn dies ist ein entscheidender Punkt, in dem sich das Anlegen in Emerging Markets von dem herkömmlichen Kauf deutscher Wertpapiere unterscheidet.

 

Fonds und Anleihen:

Die Anteile von Fonds können Sie grundsätzlich an allen deutschen Börsen kaufen oder verkaufen. Für die Anteile von Anleihen gilt das Gleiche wie für Fonds. Hier können Sie sämtliche großen Börsenplätze nutzen.

 

Zertifikate und Derivate:

Interessanter, aber auch komplizierter wird es da schon bei Zertifikaten, Optionsscheinen und Hebelzertifikaten. Grundsätzlich gibt es 2 Arten, wie Derivate gehandelt werden. Die erste ist ganz traditionell über die Börse. Heutzutage werden die Kurse für Derivate fortlaufend an fast allen großen deutschen Börsen gestellt. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren die EUWAX/Börse Stuttgart (ist beides das Gleiche) ganz klar als die Expertenbörse für Derivate und Zertifikate entwickelt. Hier ist das Umsatzvolumen am höchsten, da fast alle Orders von Privatanlegern an den Börsenplatz Stuttgart gestellt werden. Ein Tipp: Auf der Homepage der Euwax (www.euwax.de) erhalten Sie kostenlose Realtime-Kurse für alle Derivate, die dort gehandelt werden.

Sie können dort also jederzeit sehen, mit welcher Geld-Brief-Spanne ein Derivat in Echtzeit aktuell gehandelt wird. Die zweite Möglichkeit ist der so genannte außerbörsliche Handel. Dabei handeln Sie direkt mit dem Emittenten. Als Emittent für ein bestimmtes Zertifikat oder einen Warrant ist die jeweilige Bank verpflichtet, eine ausreichende Liquidität für die Investoren zur Verfügung zu stellen. Dafür bietet die Bank den Anlegern an, die Scheine direkt mit ihr zu handeln. Sie kaufen oder verkaufen ein Zertifikat oder einen Optionsschein also nicht über die Handelsplattform Börse (die ja nur dafür da ist, Käufer und Verkäufer zusammen zu bringen), sondern direkt an den Emittenten. Der außerbörsliche Handel (bei den Direktbanken mit dem Titel „Emittent“ aufgelistet) hat den Vorteil, dass es keine Öffnungszeiten wie an der Börse gibt. Sie können also schon vor Börsenbeginn und nach Börsenschluss handeln.

Allerdings gibt es dabei eine Einschränkung. Der Emittent stellt Ihnen einen Ankaufs- und einen Verkaufskurs, der zu diesem Zeitpunkt gültig ist. Der Emittent verpflichtet sich zwar, Orders zu diesem Kurs ausführen, aber Sie können keine Orders mit Limiten (Stop Loss oder Kauflimit) aufgeben. Neben den besseren Handelszeiten ist ein weiterer Vorteil des außerbörslichen Handels, dass keine Kosten für Maklercourtage anfallen. Während es beim außerbörslichen Handel nur 2 Handelspartner (Sie und die Bank) gibt, treffen an einer Börse zahlreiche Investoren aufeinander, die alle individuellen Preisvorstellungen haben und daher unterschiedliche Kauf- und Verkaufsangebote stellen. Daher kommt es sehr häufig vor, dass es Unterschiede bei den Kursen im außerbörslichen und im börslichen Handel gibt. Vergleichen Sie daher die Kurse an beiden Börsenplätzen, bevor Sie eine Order aufgeben, denn sehr häufig finden sich hier Preisunterschiede, die Sie zu Ihrem Vorteil nutzen können.

 

Aktien:

Richtig spannend wird es beim Handel mit Aktien. Als erstes müssen Sie wissen, dass nur ein kleiner Bruchteil der Aktien aller Emerging Markets in Deutschland und sogar in den USA notiert ist. Diese Aktien können Sie problemlos als ADR in Deutschland, London oder den USA handeln. Hier kaufen Sie die ADR des Emerging-Markets-Unternehmens, wie Sie auch eine ganz normale DAX-Aktie an einer deutschen Börse ordern würden. In Deutschland haben sich vor allem die Börse Berlin und die Börse München für den Handel der so genannten Exoten, also von kleinen Aktien, die nicht im Rampenlicht deutscher Wirtschaftsmedien und der Investmentbanken stehen, etabliert.

Wenn Sie aber eine der zahlreichen Aktien handeln wollen, die nicht an einer großen westlichen Börse notiert ist, dann bleibt Ihnen nur der Weg an die Heimatbörse. Eigentlich ist es in der heutigen Technologiezeit ein Klacks, Aktien an den Börsen der großen Emerging Markets zu kaufen. Die entscheidenden Fragen lauten also lediglich, ob Ihr Bankberater dazu fähig ist, und ob sich hohen Gebühren rentieren. Die 2 großen Vorteile eines Kaufes an der Heimatbörse sind, dass Sie hier einmal die größte Liquidität in den Aktien finden. Hier können Sie ihre Positionen problemlos kaufen und verkaufen. Zum Zweiten können Sie hier unbekannte Aktien erwerben, die sonst nirgendwo zu bekommen sind. Das sind 2 wirklich schlagkräftige Pluspunkte.

Aber auch die Minuspunkte sind sehr überzeugend. Der größte Nachteil ist, dass solche Orders teurer sind, als wenn Sie in Deutschland und den USA kaufen. Informieren Sie sich deshalb vor einem Kauf genau bei Ihrer Bank und wägen Sie dann ab, ob sich ein Kauf überhaupt lohnt. Dazu kommt an einigen Heimatbörsen noch ein nerviger Papier- und Dokumentenkrieg, bevor Sie zum dortigen Handel zugelassen werden. Überlegen Sie sich vorher genau, ob Auslandsorders an einer Heimatbörse den Zeit- und vor allem den Nervenaufwand rechtfertigen. In den meisten Fällen ist das für normale Anleger nämlich nicht der Fall. Allerdings gibt es gerade an den deutschen Börsen einen schweren Nachteil. Hierzulande sind zwar viele Emerging-Markets-Werte an den Börsen gelistet. Aber in vielen Werten findet kaum ein regelmäßiger Handel mit ausreichenden Umsätzen statt.

Das führt dazu, dass Sie hier absurd große Geld-Brief-Spannen vorfinden, die teilweise bis zu 7% betragen können. Das ist absolut inakzeptabel, denn das bedeutet nichts anderes als Folgendes: Wenn Sie die Aktie zum aktuellen Briefkurs zu kaufen und dann 1 Sekunde später zum Geldkurs verkaufen, erleiden Sie einen Verlust von 7%, obwohl sich die Aktie überhaupt nicht bewegt hat. Überprüfen Sie daher zuvor immer die Börsenplätze in New York oder London, ob diese Papiere dort nicht mit größeren Volumen gehandelt werden.

Es gilt: Je mehr Handelsvolumen eine Aktie besitzt, desto fairer wird ist die Geld-Brief-Spanne und damit der Kurs sein, die Sie erzielen können. Schrecken Sie nicht vor einem Kauf in London oder New York zurück, wenn Sie dort mehr Handelsvolumen vorfinden. Sollten Sie trotzdem einen Wert kaufen, in dem nur geringer oder sogar kein regelmäßiger Handel stattfindet, dann kaufen oder verkaufen Sie nur mit einem Limit. Geben Sie niemals, und ich betone niemals, eine „Market“-Order oder „Bestens-Order“ auf, denn dann werden Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen sehr schlechten Kurs bekommen.

 

Wie Sie richtig Stopp-Kurse setzen

Gut, ich gebe es zu. Mit diesem Titel habe ich mich so weit aus dem Fenster gelehnt, dass mir nur noch mein großer Zeh Halt gibt. Denn es gibt wohl kein Thema, das an den Börsen so kontrovers diskutiert wird wie das Setzen von Stopp-Kursen. Aber was versteht man an der Börse eigentlich unter einem Stopp-Kurs? Unter Stopp-Kursen, auch Stopp oder Stop Loss genannt, versteht man eine bestimmte, vorher definierte Kursmarke, bei deren Unterschreiten die Aktie, der Optionsschein oder selbst der Fonds konsequent zum nächsten gestellten Kurs verkauft wird. Durch den Verkauf schützen Sie Ihr Kapital vor weiter fallenden Kursen. Stopp-Kurse sind also dazu da, Ihre aufgelaufenen Gewinne zu sichern oder Ihre Verluste zu begrenzen, weil Sie davon ausgehen, dass der Basiswert nach dem Unterschreiten des Stopp-Kurses weiter fallen wird.

Daher bildet fast immer die charttechnische Situation des Basiswertes den Rahmen für das Platzieren eines Stopp-Kurses. Aber mit dem Stopp-Kurs ist es wie mit der Demokratie. Er ist alles andere als perfekt, aber es ist das Beste, was wir haben. Stopp-Kurse sind das notwendige Übel für die Einhaltung des wichtigsten Grundgesetzes des Kapitalmarktes überhaupt: Die Sicherung des Kapitals kommt an oberster Stelle. Nur wenn Sie Ihr Kapital sichern, haben Sie die Chance, langfristig an den Börsen mitzumischen und sich Ihr Stück vom Kuchen abzuschneiden. Das geht nur, wenn Sie das eingesetzte Kapital immer gegen übermäßige Verluste absichern. Denn einkalkulieren müssen Sie Verluste immer. Da will ich Ihnen gar nichts vom Märchenprinzen erzählen. Selbst die besten Börsianer der Welt liegen immer wieder daneben.

Der Grund: Die Börse basiert in erster Linie auf Psychologie und erst in zweiter Linie auf rationalen Fakten. Das führt dazu, dass es ständig zu irrationalen Ausschlägen kommt, die selbst die besten Analysten nicht prognostizieren können. Verluste und Positionen, die ins Minus rutschen, gehören also zum Alltag der Börse. Die Anlagekunst, welche die Gewinner von den Verlierern unterscheidet, besteht deshalb darin, wie Sie mit den Verlusten umgehen. Das ist der Dreh an der Sache. Das gilt umso mehr für Emerging Markets, die sehr volatile Kursschwankungen aufweisen.

Daher gilt: Wenn Sie also eine Aktie oder ein Zertifikat gekauft haben, setzen Sie sofort danach einen Stopp-Kurs. Damit sind wir bei der magischen Frage: Wo setzt man einen richtigen Stopp-Kurs? Leider muss ich Ihnen sagen, dass es auf diese Frage keine allgemeingültige, richtige Antwort gibt. Der Stopp-Kurs setzt sich primär aus 3 Bestandteilen zusammen: der Volatilität des Basiswertes, Ihrer individuelle Verlustbereitschaft, der Charttechnik. Fangen wir mit der Volatilität des Basiswertes an. Natürlich weisen Emerging Markets sehr hohe Kursschwankungen auf.

Aufgrund der höheren Kursschwankungen von Emerging Markets müssen Sie also zwangsläufig ein größeres Verlustrisiko eingehen und einen tiefen Stopp-Kurs setzen. Traditionell wird als Faustformel bei spekulativen Investments häufig eine Größenordung von 20% genannt. Sie setzen Ihren Stopp also ca. 20% unter Ihren Kaufkurs. Das ist der maximale Verlust, den Sie bereit sind einzugehen, wenn das Aktienengagement gegen Sie läuft. Die Größenordnung ist jedoch nicht mehr als ein weit verbreiteter Richtwert. Er hat keinerlei Allgemeingültigkeit und mir sind auch keine statistischen Modelle bekannt, die einen Stopp-Kurs von 20% unter dem Kaufkurs als optimal belegen konnten. Deshalb hängt es von Ihrer individuellen Verlustbereitschaft ab, wie tief Sie den Stopp-Kurs setzen.

Diese Verlustbereitschaft ist bei jedem Anleger unterschiedlich. Manche Anleger sind bereit, für entsprechende Chancen Verluste von 30 bis 40% in Kauf zu nehmen. Sie setzen ihren Stopp also 30 bis 40% unter den Kaufkurs. Erst darunter werden die Verluste für diese Anleger zu groß. Andererseits kenne ich viele Profi-Trader, für die schon Verluste über 2% inakzeptabel sind, und die daher mit ganzen engen Stopp-Kursen arbeiten. Gerade bei volatilen Märkten, wie es Emerging Markets nun einmal sind, müssen Sie jedoch ungewöhnlich hohe Kursschwankungen von teilweise über 10% am Tag erwarten und einkalkulieren. Daher machen enge Stopp-Kurse unter 10% kaum Sinn. Die Gefahr ist groß, dass Sie aus einer Aktie an einem schwachen Tag willkürlich ausgestoppt werden, ohne dass bei dem Unternehmen etwas Negatives passiert ist. Damit kommen wir zum 3. Punkt: der Charttechnik. Sie dient als Richtlinie, wo Stopp-Kurse platziert werden sollten. Dabei bieten Unterstützungszonen eine gute Orientierung. Hierbei handelt es sich um Kursniveaus, bei denen in der Vergangenheit immer wieder Käufer zugegriffen haben und der Aktienkurs danach gestiegen ist.

Ich verspreche Ihnen hier hoch und heilig: Sie werden Stopp-Kurse hassen. Denn es wird immer wieder passieren, dass Sie bei den hoch volatilen Emerging Markets aus Werten ausgestoppt werden, deren Aktienkurse just danach durch die Decke schießen. Aber das ändert nichts daran: Stopp-Kurse sind bei den risikoreichen Emerging Markets absolute Pflicht.

 

Wie Sie richtig verkaufen

Eine alte Börsenweisheit besagt, dass das Geheimnis der erfolgreichen Anlage nicht im Kauf, sondern im richtig getimten Verkauf liegt. Das gilt besonders für mittelfristige Anleger und Trader. Aber was ist die richtige Verkaufsstrategie? Grundsätzlich gibt es eine aktive und eine passive Verkaufsstrategie, die von Ihrem Anlegertyp abhängig ist. Die Börsenhistorie der Emerging Markets hat aber gezeigt, dass wie fast immer im Leben die Mischung beider Ansätze zu den größten Erfolgen führt. Fangen wir mit der passiven Strategie an. Bei der passiven Strategie lassen Sie den Markt entscheiden, wann und zu welchem Kurs die Aktie verkauft wird. Dafür setzen Sie einenStopp-Kurs und ziehen diesen bei steigenden Aktienkursen weiter nach.

 

Exkurs: Was bedeutet „den Stopp-Kurs nachziehen“?

„Den Stopp-Kurs nachziehen“ ist ein fest stehender Ausdruck aus dem Börsenvokabular. Diese Aktion ist von existenzieller Bedeutung für Ihren Börsenerfolg. Wie Sie ja bereits wissen, kaufen Sie eine Aktie und setzen dann darunter je nach charttechnischer Situation und persönlicher Verlustbereitschaft einen Stopp-Kurs. Wenn die Aktie dann anfängt zu steigen, und Sie Gewinne erzielen, müssen Sie den ursprünglichen Stopp-Kurs natürlich an die neue Kursentwicklung anpassen. Das heißt, Sie heben den Stopp-Kurs an, da die Aktie ja gestiegen ist. Dieses Anheben nennt man in der Fachsprache „den Stopp-Kurs nachziehen“, denn Sie ziehen den Stopp-Kurs hinter dem steigenden Aktienkurs nach. So sichern Sie Ihre Gewinne, wenn die Aktie weiter steigt. Ein Beispiel: Sie kaufen die Aktie des russischen Ölriesen Lukoil am 21.02.2005 für 25,00 Euro. Den Stopp-Kurs setzen Sie mutig 20% darunter, also bei 20,00 Euro. Würde die Aktie von Lukoil unter 20,00 Euro fallen, würden Sie den Wert konsequent sofort verkaufen.

Die Aktie schaltet in den 2.Gang und setzt den Blinker links. Im August ist die Aktie auf über 39,00 Euro gestiegen und Sie sind sagenhafte 56% im Gewinn. Da sich die charttechnische Situation seit Ihrem Kauf deutlich zu Ihren Gunsten verändert, ziehen den Stopp-Kurs auf 30,00 Euro nach. Damit sichern Sie Ihre Gewinne. Bei der aktiven Strategie sieht die Sache anders aus. Hier versuchen Sie, durch gezielte Verkäufe die Aktie im Bereich der Höchstkurse zu verkaufen und sich so den maximalen Gewinn zu sichern. Dafür bieten die euphorischen Übertreibungsphasen der Emerging Market exzellente Chancen. Denn wie Sie wissen, kommt es in Emerging Markets immer wieder zu kurzfristigen Börsenblasen, die irgendwann platzen.

Aktive Anleger nutzen solche Übertreibungen, um in Nähe der Höchstkurse auszusteigen. So können Sie die volatilen Schwankungen der Emerging Markets, die aufgrund von Euphoriephasen und Krisen in gesunder Regelmäßigkeit immer wieder vorkommen, optimal für ihre Gewinne ausnutzen. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Übertreibungsphase genau festzulegen. Exakt zu sagen, wann eine Aktie oder ein Emerging Market überbewertet ist und sein Kurshoch gefunden hat, ist fast unmöglich. Wie gehen Sie deshalb am besten vor? Als gute Maßstäbe haben sich in der Vergangenheit die Bewertungen von Einzelaktien oder ganzen Märkten sowie der Kontraindikator der euphorischen Marktstimmung erwiesen. Fangen wir mit dem ersten Punkt an: Wenn Sie feststellen, dass eine Aktie oder ein ganzer Markt (denn der kann ja auch bewertet werden) nach einem tollen Anstieg Bewertungskennziffern (wie KGV, KUV oder PEG) besitzen, die höher als das erwartete Gewinnwachstum sind, dann sind das ernst zu nehmende Warnzeichen.

Dazu sollten Sie diese Bewertung immer noch mit der Bewertung der Konkurrenz aus den Industrieländern vergleichen. Zeigen diese Vergleiche, dass die Emerging-Markets-Aktien ihren Risikoabschlag abgebaut haben oder inzwischen sogar teurer als DAX- oder Euro Stoxx 50-Werte sind, dann ist das eine klare Überbewertung und die Ampeln gehen auf „gelb“. Als zuverlässiger Kontraindikator hat sich in meine Recherchen auch die Börseneuphorie für einen Emerging Market erwiesen. Wenn über den Markt schon im Fernsehen berichtet wird, und Sie Werbungen für Fonds oder Zertifikate für dieses Land in sämtlichen Börsenmedien sehen, dann ist der Höhepunkt der Rallye meist nicht mehr weit. Hier bietet es sich dann an, die Positionen nach und nach in die steigenden Kurse hinein zu verkaufen. Wenn die Markt dann kippt, sind Sie schon draußen. Ganz wichtig ist, dass Sie sich an das oberste Grundgesetz der Kapitalanlage halte: „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“. Ja, den Satz haben Sie schon mal gehört, habe ich Recht? Ich persönlich kann diesen oberschlauen Satz nicht mehr hören. Dagegen war der alte Spruch meiner Großmutter „Daniel, du lernst nicht für die Schule, sondern für das Leben“ wie eine Weisheit des Dalai Lama. Aber das Schlimmste an dem Satz: Er stimmt. Genau wie der Spruch meiner Großmutter. Allerdings muss er für Emerging Markets heißen: „Gewinne und Seitwärtsphasen laufen lassen und Verluste begrenzen“. Aus 2 Gründen:

1. Da die Börsenbewegungen von Emerging Markets sehr durch die Rotation des ausländischen Großkapitals gesteuert werden, kommt es immer zu extremen Ausschlägen. Sprich: Wenn es abwärts geht, dann geht es richtig abwärts. Und zwar mit Höchstgeschwindigkeit und ohne angezogene Handbremse. Wenn Sie Ihre Verluste also nicht durch Stopp-Kurse begrenzen, kann aus einem zu verschmerzenden Minus von 10% schnell eine Kapitalvernichtung von 60% werden.

2. Besonders bei den Mid Caps und Penny-Stock-Aktien ist es sehr häufig so, dass diese lange Zeit unter geringen Schwankungen seitwärts laufen. Da passiert eine halbe Eiszeit lang nichts und plötzlich explodieren die Kurse. Manchmal sind diese raketenartigen Kurssprünge tatsächlich auf sensationelle Neuigkeiten zurückzuführen. In den allermeisten Fällen ist es jedoch so, dass internationale Anleger plötzlich diese Aktie entdeckt haben. Denn gerade kleinere Aktien aus Emerging Markets werden von Analysten und Fonds kaum beachtet und fliegen so unter dem Börsenradar westlicher Anleger. Daher kommen die langen Durststrecken. Bis die Aktie entdeckt wird. Aber dann verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der Finanzbranche. Es werden Analystenberichte erstellt, es kommen Kaufempfehlungen und die Aktien tauchen in den Börsenmedien auf. Dann geht der Anstieg so schnell, dass Sie nicht einmal mehr die Zeit haben, sich ein Wurstbrot zu schmieren. Deshalb müssen Sie als Emerging-Markets-Anleger immer einen langen Atem mitbringen. Ein klassisches Beispiel dafür waren die Kursexplosionen bei chinesischen Internetaktien im Jahr 2003.

Gerade bei unbekannten Emerging Market-Werten brauchen Anleger einen langen Atem. Aber der kann reich belohnt werden. Knapp 1 ½ Jahre dümpelten die chinesische Internetaktie Sina (schwarz) unerkannt um die Marke von 1,00 USD. Im Sommer 2001 wurde die Aktie dann plötzlich von internationalen Anlegern entdeckt und die Kurse explodierten.

Seitwärtsphasen können bei Emerging Markets locker über Monate, teilweise sogar Jahre andauern. Aber so lange die fundamentale Entwicklung stimmt, bleiben Sie investiert. Wenn Sie hier zu früh die Reißleine ziehen, werden Sie weinend vor Ihrem PC sitzen, wenn eine Aktie dann von der Masse der Anleger entdeckt wird. In der Realität gestaltet sich die Mischstrategie wie folgt: Sie setzen nach dem Kauf einer Aktie sofort einen Stopp. Fällt die Aktie, werden Sie mit akzeptablen Verlusten ausgestoppt. Steigt die Aktie, ziehen Sie den Stopp-Kurs nach. So kann Ihnen auf dem Weg nach oben gar nichts passieren. Kommt es bei der Aktie zu einem übertriebenen Anstieg, setzen aktive Anleger den Stopp-Kurs aus und verkaufen in die euphorische Kursblase. Wenn die Korrektur vorbei ist, können Sie dann unten in Seelenruhe in die gleiche Aktie zu günstigen Preisen wieder einsteigen.

 

Wie Sie sich richtig informieren

Genau für solche Szenarien brauchen Sie jedoch unbedingt die richtigen Informationen. Und noch viel wichtiger: Sie brauchen diese Informationen möglichst schnell. Beides ist bei Emerging Markets nicht so bequem und einfach, es sei denn Sie sprechen fließend sämtliche indischen Hindu-Dialekte und ziehen abends ab und zu mit den Parteibossen der chinesischen Regierung um die Häuser, dass es nur so kracht. Informationen sind an der Börse das A und O. Das gilt umso mehr für Emerging Markets, die sich auf der anderen Seite der Erdkugel befinden. Es ist ein absolutes Tabu, dass Sie ein Investment in einen Emerging Market oder einen Einzelwert eingehen, ohne dass Sie sich zuvor darüber ausführlich informiert haben.

Tagtäglich erlebe ich, wie Privatanleger ihr Geld ohne jeglichen Background-Check in Aktien von unbekannten Firmen investieren. Wenn Sie ein gebrauchtes Auto kaufen, dann fahren Sie es doch auch erst einmal Probe und lassen es von einem Automechaniker durchchecken. Aber ausgerechnet, wenn es um die Börse und Ihr teures Geld geht, höre ich dann von Privatanlegern, dass der Bruder der Schwester des Schwagers einen Penny Stock aus Kasachstan empfohlen hat, dessen Firmenzentrale auf den Bahamas sitzt und die „irgendwas mit Nanotech“ machen. Solche Anleger können ihr Geld auch direkt verbrennen oder verzechen, dann haben Sie zumindest noch eine gute Nacht davon gehabt.

Das wichtigste Medium für Emerging-Markets-Anleger ist das Internet. Dank des Internets haben Privatanleger heutzutage Zugang zu Informationen über Emerging Markets, die denen der Profis kaum noch nachstehen. Noch viel wichtiger: Sie erhalten die neuesten Nachrichten in Sekundenschnelle. Eine Liste guter Internetseiten, die sich mit dem Thema Emerging Markets beschäftigen, habe ich für Sie im Anhang zusammengestellt. Es gibt zahlreiche Internetseiten, auf denen Sie sich jeden Tag über die Entwicklungen in den einzelnen Emerging-Markets-Regionen hervorragend informieren können.

Zudem ist es heute bei seriösen, großen Emerging-Markets-Firmen zum erfreulichen Standard geworden, dass deren Internetseiten neben der Landessprache auch in Englisch verfügbar sind. So können Sie also schon mit einem einfachen Besuch auf der Homepage der Firma, die Sie interessiert, die Geschäftsberichte und Unternehmensmeldungen in englischer Sprache einsehen. Bei kleineren Unternehmen aus der 2. und 3. Reihe sehen die Informationsmöglichkeiten jedoch leider oft anders aus. Häufig finden Sie hier keine aktuellen Geschäftszahlen oder die Nachrichtenabteilung ist vollkommen veraltet. Manchmal besitzen solche kleinen Firmen noch nicht einmal eine englischsprachige Internetseite. Solche Werte sind für seriöse Investments inakzeptabel.

Ein Aktienengagement auf einer solchen Informationsbasis aufzubauen ist keine Anlage mehr, sondern nur noch Glücksspiel. Aber Sie merken schon, dass es eine entscheidende Bedingung gibt: Sie müssen Englisch sprechen. Es muss nicht für ein Oxford-Studium reichen, aber ohne Englisch, der Wirtschaftssprache Nummer 1, werden Sie Probleme bekommen. Wenn Sie kein Englisch sprechen, sollten Sie auf keinen Fall auf eigene Faust handeln und auf den berühmtberüchtigten „heißen“ Tipp des Arbeitskollegen hören. In diesem Fall gibt es für Sie nur 2 Alternativen:

1. Sie investieren in Fonds oder Zertifikate. Denn dann ist es Aufgabe des Fondsmanagers, sich über die Nachrichten und die Entwicklung der einzelnen Unternehmen zu kümmern. Das entbindet Sie jedoch keinesfalls davon, sich über die volkswirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der Länder, in die Sie über Fonds und Zertifikate investiert haben, zu informieren. Doch diese Informationen erhalten Sie heutzutage problemlos in deutscher Sprache.

2. Wenn Sie in Einzelaktien investieren wollen, bietet es sich für Sie an, fundierte und seriöse Börsendienste zu lesen, die sich auf das Thema Emerging Markets spezialisiert haben. Davon gibt es in deutscher Sprache einige sehr gute Magazine (aber leider auch einige weniger Gute). Diese Publikationen untersuchen sozusagen die Unternehmen für Sie und stellen Ihnen dann die Ergebnisse zu den Firmen in deutscher Sprache vor. So umschiffen Sie geschickt das Englisch-Problem und sparen sich gleichzeitig die Research-Zeit.

Aber: Bitte beachten Sie, dass Ihre Wahl auf qualitativ hochwertige Dienste fällt. Am besten testen Sie verschiedene Börsendienste. Heutzutage ist es Standard, dass Sie diese kostenpflichtigen Börsendienste für einige Ausgaben gratis testen können. Ihnen entstehen also so keine Kosten, und Sie können sich einen guten Überblick verschaffen. Tageszeitungen, TV-Nachrichten und selbst die allgemeinen Wirtschaftspresse sind hingegen nur bedingt nutzvoll. Denn es gibt ein großes Problem: Emerging Markets sind in der Öffentlichkeit einfach noch zu unbekannt. Das gilt übrigens für Deutschland wie die USA. Aufgrund dieses fehlenden Interesses spielen Emerging Markets in den täglichen Wirtschaftsnachrichten noch eine ungeordnete Rolle.

So gibt es selbst in der Wirtschaftsfachpresse kaum eigene Emerging-Markets-Teile. Wenn derartige Magazine oder TV-Sendungen sich daher mit Themen der Emerging Markets befassen, dann handelt es sich fast immer nur um Mode-Themen, die derzeit in Finanzkreisen herumgereicht werden. Aber Sie wissen: Wenn das der Fall ist, dann sind die leckersten Stücke am Buffet, sprich die größten Gewinne, schon längst vergeben. Die Qualität der Informationen ist meist einwandfrei, aber die Inhalte sind fast immer nur prozyklischer Mainstream. Den solche Medien greifen fast immer bei Zuschauern populäre Trends auf und befassen sich nur sehr selten mit neuen Entwicklungen. Stellen Sie sich daher einen Korb an informativen Internetseiten zusammen, die sich mit Emerging Markets im Allgemeinen oder mit einzelnen Ländern im Speziellen befassen.

Ein Tipp: Nutzen Sie das Wissen der Banken zu Ihren Vorteil. Viele Investmentbanken aus einzelnen Emerging Markets bieten inzwischen englischsprachiges Research und Marktberichte an, die Sie teilweise kostenlos auf den Internetseiten abrufen können. Für 0,00 Euro erhalten Sie hier also aktuelle Marktkommentare auf Analystenniveau. Vorsichtig sollten Sie hingegen mit den Verkaufsprospekten von Fonds und Zertifikaten zum Thema Emerging Markets sein. Denn wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Verkaufsprospekte. Mit objektiven Analysen, die Sie ja brauchen, hat das wenig zu tun. Noch mehr Vorsicht lassen Sie bitte unbedingt auch bei den beliebten Internet-Chatboards walten. Hin und wieder treffen Sie dort auf wirklich kompetente Menschen, die Ihnen wichtige Informationen liefern können. Meist handelt es sich jedoch um die Pusherei von kleinen Aktien, um deren Kurse in die Höhe zu treiben. Die dort immer wieder verbreiteten Gerüchte über angeblich bevorstehende „Hammermeldungen“ der „Penny Stock-Rakete“ gehören sofort in den Papierkorb.

 

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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