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Was ist ein Derivat? Definition und Erklärung

Derivate sind Finanzprodukte, die überwiegend an Börsen notiert sind.

Damit kann jeder Anleger diese Wertpapiere, ähnlich wie eine Aktie oder eine Anleihe, börsentäglich kaufen und verkaufen. Allerdings weisen diese Produkte auch einige Besonderheiten auf.

Derivate: Wie unterscheiden sie sich von Aktien oder Anleihen?

Aktionäre sind Anteilseigner an einem Unternehmen. Anleihenbesitzer sind Gläubiger einer Firma beziehungsweise eines Staates oder einer Kommune.

Inhaber eines Derivats auf einen Anteilschein wie etwa von Daimler sind hingegen weder Anteilseigner noch Gläubiger des Automobilkonzerns. Bei Derivaten besteht also keine direkte Verbindung zu dem Unternehmen, das als Bezugsgröße dient.

Rechtlich gesehen sind Derivate Inhaberschuldverschreibungen ähnlich einer Anleihe; sie werden von nationalen oder internationalen Finanzinstituten auf den Markt gebracht. Der Wert des Papiers hängt allerdings nicht vom Emittenten ab, sondern von einem ausgewählten Basiswert.

Ein Beispiel: Die HypoVereinsbank bringt ein XY-Derivat auf die Aktie von Daimler. Der Käufer dieses Papiers ist somit rechtlich betrachtet Gläubiger der HypoVereinsbank. Die Kursentwicklung des DAX-Wertes entscheidet über den Wert des Zertifikats während der Laufzeit und über den Rückzahlungskurs am Laufzeitende.

Wie bei den meisten Inhaberschuldverschreibungen üblich, werden bei der Emission eines Papiers sowohl die Laufzeit als auch die Rückzahlungsmodalitäten genau festgelegt. Der Großteil der Derivate hat eine beschränkte Laufzeit von bis zu vier Jahren. Zahlreiche Papiere hingegen werden ohne eine Laufzeitbeschränkung begeben. In dem Beispiel fungiert die Daimler Aktie als Basiswert. Es gibt inzwischen allerdings mehrere hundert verschiedene Bezugsgrößen.

Im Fachjargon werden Derivate deshalb als Produkte bezeichnet, deren Marktwert von klassischen Basisinstrumenten, wie beispielsweise einer Aktie, einem Devisenkurs, einem Index oder einem Rohstoff, abhängig ist. Dabei umfasst die Welt der Derivate unter anderem Finanzprodukte wie Futures, Optionen, Optionsscheine und Zertifikate. Für den Privatanleger besonders interessant sind dabei Optionsscheine und Zertifikate.

Anlagestrategien und Besteuerung von Derivaten

Mit Derivaten lassen sich die verschiedensten Anlagestrategien umsetzen. Manche Anleger sind gar dazu übergegangen, ihr ganzes Portfolio aus solchen Produkte zusammenzusetzen. Die Bedeutung dieser Papiere ist unter anderem auch daran abzulesen, dass selbst die Fondsindustrie diese Produkte immer häufiger ins Portfolio nimmt und sogar spezielle – nur mit Derivaten zusammengestellte – Fonds anbietet.

Seit 2009 gilt bei Derivaten ebenso wie bei zahlreichen anderen Finanzprodukten die Pauschalbesteuerung. Um auf Nummer sicher zu gehen und genau zu wissen, welches Produkt wie besteuert wird, sollten Anleger ihren Steuerberater befragen.

Nicht in jedem der Papiere findet allerdings kontinierlich Handel statt. Dennoch ist es möglich, diese Wertpapiere zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Findet sich kein Handelspartner an der Börse, springt der Emittent als Partner ein. Ein- und Ausstieg sind somit auch dann möglich, wenn zuvor keine Umsätze stattfanden.

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