Stratec-Aktie: Wie es nach dem Kursrutsch weitergeht

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Deutlich abwärts ging es zuletzt mit dem Kurs der Stratec-Aktie. Der Diagnostikspezialist musste im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz- und Ergebnisrückgang ausweisen. Die Anleger nehmen reiß aus und schickten die Aktie auf Talfahrt. Im aktuellen Börsenjahr liegen die Stratec-Papiere inzwischen rund 18% in der Verlustzone. Gestern ging die Aktie mit 37 Euro aus dem Handel. Zum Vergleich: Im September 2021 mussten Anleger für einen Anteilschein noch über 140 Euro auf den Tisch legen.

Marktführer bei Diagnostik-Automatisierungs-Lösungen

Bevor wir auf die Details der gekürzten Prognose kommen, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell erst einmal näher vorstellen: Typisch für viele Familienunternehmen hat sich auch Stratec in einer gewinnträchtigen Nische positioniert. Das 1979 gegründete Unternehmen ist mittlerweile weltweit führender Anbieter von Automatisierungs-Lösungen im Diagnostik-Bereich. Darunter verbergen sich: vollautomatische Analyse-Systeme, Software für das Labordaten-Management und Lösungen zur Proben-Vorbereitung und -stabilisierung in der molekularen Diagnostik.

Die Analyse-Systeme des Konzerns werden zumeist in Zusammenarbeit mit Partner-Firmen wie Abbott Diagnostics, DiaSorin oder Siemens entwickelt. Zur Anwendung kommen die Geräte in Laboratorien, Blutbanken und Forschungs-Einrichtungen.

Hohe Wettbewerbs-Qualität

Der Wettbewerbs-Vorteil des Familien-Unternehmens ergibt sich aus der führenden technischen Expertise und umfangreichem Prozess- und Anwendungs-Know-how. Stratec nutzt dies für die Lieferung von effizienten und benutzerfreundlichen Analysen-Systemen. Zugleich verfügt die Firma über langfristige Erfahrungen und ausgezeichnete Beziehungen zu allen wichtigen In Vitro Diagonostik-Betrieben – eine nur schwer replizierbare Position.

In diesem regulierten Markt sind die Markteintritts-Barrieren hoch. Stratec erleichtert den Kunden den Zulassungs-Prozess aufgrund seiner Erfahrung und umfangreichen Dokumentation. Eine schnellere und günstigere Entwicklung von Geräten gegenüber den eigenen Lösungen der Diagnostik-Unternehmen fördert unverändert den Trend zur Auslagerung.

Umsatz- und Ergebnisrückgang in 2023

Zuletzt stockte es aber im Getriebe: Im Geschäftsjahr 2023 verzeichnete Stratec einen Umsatzrückgang von 3,8% auf 261,9 Millionen Euro. Der Diagnostikspezialist kämpft weiter mit Lagerbestandsabbau bei Kunden. Zum Hintergrund: Bedingt durch die Covid-Pandemie hatten die Kunden zusätzliche Laborkapazitäten geschaffen und die Lagerbestände hochgefahren. Zudem gibt es laut Firmenangaben Entwicklungsverzögerungen bei einer neuen Gerätegeneration im Bereich der Veterinärdiagnostik. Diese Bremseffekte konnten nicht vollständig durch positive Entwicklungen in anderen Bereichen, wie der Immunhämatologie, ausgeglichen werden.

Einen noch deutlicheren Rückgang musste Stratec beim Ergebnis ausweisen. Die Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen (EBIT) fiel um 6,1 Prozentpunkte auf 10,3% und lag damit am unteren Ende der Erwartungen. Am Ende blieb ein Gewinn von 16,7 Millionen Euro übrig (-51,8% vs. 2022).

Belebung ab dem zweiten Quartal erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr stellt die Stratec-Konzernführung, trotz schwierigen Umfelds, eine Belebung der Geschäfte ab dem zweiten Quartal in Aussicht. Es wird ein stabil bis leicht steigendes Umsatzvolumen auf währungsbereinigter Basis erwartet. Unterdessen soll die EBIT-Marge zwischen 10% und 12% liegen.

Gleichzeitig müssen sich die Anleger auf eine niedrigere Dividende einstellen. Aktionäre sollen für das Geschäftsjahr 2023 je Aktie 0,55 Euro erhalten, was deutlich unter dem Vorjahresniveau von 0,97 Euro liegt.

Analysten sind zurückhaltend

Uneins sind indes die Analysten. Laut dem Finanzportal marketscreener raten alle sechs Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, nur zum Halten der Papiere. Auf Basis der Konsensschätzungen (Gewinn je Aktie 2024: 1,77 Euro) wird die Aktie derzeit mit dem 21-Fachen der für dieses Jahr erwarteten Gewinne bewertet. Das Durchschnittskursziel liegt mit 44,83 Euro aber rund 21% über dem Schlusskurs von gestern.