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Was ist die EUREX?

Die EUREX ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse AG und der Schweizer Börse SWX. Im Mai 1998 vereinigten diese beiden Unternehmen ihre TerminbörsenDTB (Deutsche Termin Börse) und SOFFEX (Swiss Options and Financial Futures Exchange) zur neu gegründeten EUREX.

Innerhalb weniger Jahre stieg diese Börse seither zur größten Terminbörse weltweit auf und überragte sogar die Konkurrenten in New York und Chicago in Bezug auf die Anzahl der dort gehandelten Kontrakte deutlich.

Da es sich bei der EUREX um eine so genannte Terminbörse handelt, werden dort keine Anleihen oder Aktien gehandelt, sondern ausschließlich Termingeschäfte. Die wichtigsten Termingeschäfte sind Optionen und Futures. Wie diese Produkte funktionieren, werden wir im Verlauf dieses Buches noch ausführlich beleuchten.

Eurex und Euwax

Die EUREX wird auch oft mit der EUWAX verwechselt, obwohl es sich hierbei um zwei völlig verschiedene Institutionen handelt: An der EUWAX, die zur Stuttgarter Börse gehört, werden hauptsächlich Optionsscheine und Zertifikate für Privatanleger gehandelt.

Auch diese Produkte beinhalten oft eine derivative Komponente wie zum Beispiel bei Discount- oder Bonuszertifikaten, und daher fällt eine Verwechselung von EUREX und EUWAX sehr leicht. Die EUREX jedoch richtet sich primär an professionelle und institutionelle Investoren.

Die Zugangsmöglichkeiten für Privatinvestoren haben sich allerdings in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, sodass auch diese Anleger immer öfter an der EUREX agieren. Grund dafür ist die Tatsache, dass an der EUREX gehandelte Optionen und Futures einige deutliche Vorteile gegenüber Optionsscheinen und Zertifikaten aufweisen, die wir im Verlauf des Buches noch näher erläutern werden.

Eurex: Abwicklung von Transaktionen

Die Tatsache, dass beim Kauf von Options- und Futures-Kontrakten oft nicht der volle Betrag, sondern nur ein Bruchteil davon gezahlt werden muss, macht es notwendig, dass sich die EUREX auch bei der Abwicklung von Transaktionen deutlich von herkömmlichen Börsen wie zum Beispiel der EUWAX unterscheidet.

Privaten Investoren ist der direkte Zugang zur EUREX grundsätzlich nicht möglich. Nur finanzstarken Banken oder anderen institutionellen Investoren ist die direkte Anbindung an das elektronische EUREX-System erlaubt. Diese wickeln dann sowohl ihre eigenen als auch die Orders ihrer Kunden unter eigenem Namen ab und bürgen der EUREX gegenüber für die Bonität ihrer Kunden.

Führt Ihre Bank als Mitglied der EUREX beispielsweise für Sie einen Auftrag aus, und Sie können den sich daraus ergebenden Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, so werden nicht Sie, sondern Ihre Bank von der EUREX zum Ausgleich der Verbindlichkeiten aufgefordert.

Darüber hinaus agiert die EUREX nicht nur als Abwickler der Transaktion, sondern tritt sowohl dem Käufer als auch dem Verkäufer eines Kontraktes gegenüber als Transaktionspartner auf. Verkauft Investor X beispielsweise einen Kontrakt an Investor Y, so sehen die zugrunde liegenden vertraglichen Zusammenhänge wie folgt aus: Investor X verkauft den Kontrakt an die EUREX, die wiederum den Kontrakt dann an Investor Y weiterverkauft.

Dieses Prinzip hat sich in der Vergangenheit aus mehreren Gründen bewährt: Zum einen ermöglicht es der EUREX jederzeit die volle Kontrolle über die Bonität ihrer Mitglieder. Nach Handelsschluss werden alle offenen Positionen an der EUREX automatisch bewertet und alle fälligen Gutschriften oder Belastungen vorgenommen.

Diese tägliche Bewertung wird auch als Mark-to-Market bezeichnet; sie setzt die so genannten Margins fest, auf die noch genauer eingegangen wird. Ist einer der angeschlossenen Teilnehmer nicht in der Lage, etwaige Belastungen seines Kontos bei der EUREX zu begleichen, werden alle seine Positionen von der EUREX zwangsweise geschlossen, um mögliche Zahlungsausfälle so gering wie möglich zu halten.

Dies führt dazu, dass Teilnehmer der EUREX jederzeit sicher sein können, ihnen zustehende Zahlungen auch zu erhalten, und dass eine Kettenreaktion durch die Insolvenz eines großen Handelspartners der EUREX weitestgehend ausgeschlossen ist.

Market Maker-Prinzip der Eurex

Eine weitere Besonderheit, die die EUREX von anderen Börsen unterscheidet, ist das so genannte Market-Maker-Prinzip. Eine Handelsplattform ist nur dann erfolgreich und zieht Handelsvolumen an, wenn ständige Liquidität gegeben ist. Um diese Liquidität zu allen Zeiten sicherzustellen, gibt es an der EUREX Market Maker.

Dies sind Händler, meist von internationalen Investmentbanken, die sich dazu verpflichten, auf Anfrage jederzeit An- und Verkaufskurse für eines oder mehrere an der EUREX gehandelten Produkte zu stellen. Möchten Sie als Anleger nun einen Kontrakt handeln, in dem Sie auf Anhieb keinen geeigneten Handelspartner finden, so wird der Händler, der Ihren Auftrag ausführt, einen so genannten Quote Request in das vollständig elektronische Handelssystem der EUREX eingeben.

Dieser Quote Request taucht dann bei allen als Market Maker für dieses Produkt registrierten Händlern auf dem Monitor auf, und diese sind dann dazu verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Zeit einen verbindlichen An- und Verkaufskurs für diesen Kontrakt in das System einzugeben, auf den Sie als Kunde dann handeln können. In der Regel werden Quote Requests heutzutage vollautomatisch von Computern beantwortet, die aufgrund diverser, von den Händlern eingegebener Parameter zu jedem Zeitpunkt den fairen Wert des Produktes errechnen und dementsprechende Kurse stellen.

Neben Optionen und Futures bietet die EUREX seit einiger Zeit auch eine Reihe von Spezialprodukten an, um den immer komplexer werdenden Anforderungen der Marktteilnehmer gerecht zu werden. Auf die Interessantesten dieser Produkte wird im Folgenden kurz eingegangen.

Exotische Eurex-Produkte

Low Excercise Price Options (LEPOs)

Für alle Aktien, auf die an der EUREX Optionen gehandelt werden, werden so genannte LEPOs angeboten. Der Begriff LEPO steht hier für Low-Excercise-Price-Option und beschreibt eine Call-Option mit einem sehr niedrigen Ausübungspreis. Als Ausübungspreis wird hier die kleinstmögliche Preisveränderung einer Option bezeichnet.

Bei Optionen, die auf zwei Nachkommastellen gehandelt werden, wäre der Ausübungspreis also 0,01 Euro. Sinn und Zweck dieser LEPOs ist es vor allem, dem Anleger das Leerverkaufen von Aktien zu ermöglichen. Aufgrund der Tatsache, das sich diese Optionen sehr stark im Geld befinden, verhält sich ihr Kurs exakt so wie der des Basiswertes, ohne von Restlaufzeit oder Volatilität beeinflusst zu werden.

Der einzige Unterschied zwischen einer Aktie und einem LEPO ist die Tatsache, dass Inhaber eines LEPOs weder ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung noch einen Anspruch auf Dividendenzahlungen haben. Diese LEPOs kann ein Investor, wie jede andere Option auch, verkaufen und erhält somit eine Position, die fast exakt dem Leerverkauf einer Aktie entspricht.

Futures auf Einzelaktien

Ähnlich wie die gerade angesprochenen LEPOs dienen auch Futures auf Einzelaktien hauptsächlich dazu, dem Anleger den Leerverkauf von Aktien zu ermöglichen. Darüber hinaus bieten sie aber, aufgrund desMarginprinzips, auch die Möglichkeit, mit einem vergleichsweise geringen Kapital ein großes Aktienvolumen zu kontrollieren.

Bei einem Einsatz aus diesem Motiv sollte sich der Anleger jedoch der enormen Hebelwirkung seines Investments bewusst sein und den Kurs des entsprechenden Aktien-Futures jederzeit überwachen. Auch die Risikokontrolle mit Stop Orders, auf die später noch eingegangen wird, ist in einem solchen Fall wärmstens zu empfehlen.

Optionen und Futures auf Exchange Traded Funds (ETFs)

Neben Aktien und Zinsinstrumenten gibt es noch eine dritte Gruppe von Basiswerten, auf die an der EUREX Futures und Optionen handelbar sind. Diese so genannten Exchange Traded Funds (ETF) sind börsengehandelte Investmentfonds, die in der Regel einen bestimmten Index 1 : 1 abbilden.

Als Basiswerte gibt es an der EUREX ETFs auf folgende Indizes: DAX, Dow Jones, EuroSTOXX 50 und den Schweizer Index SMI. Sinn und Zweck dieser Derivate sind fraglich, da es bei ETFs oft zu so genannten Tracking-Fehlern kommt, sie also den Verlauf des zugrunde liegenden Index doch nicht ganz exakt abbilden.

Da sie in der Regel mit einem Bezugsverhältnis gehandelt werden, ist die Kontraktgröße meist kleiner als bei einem reinen Index-Future. Diese Tatsache macht sie zwar für Privatanleger attraktiv, ändert jedoch nichts am Problem des Tracking Errors.

Volatilitäts-Futures

Wie bereits besprochen, stellt die implizite Volatilität eine der wichtigsten Einflussgrößen für die Bewertung von Optionen da. Mit Hilfe von so genannten Volatilitäts-Futures gibt die EUREX Anlegern die Möglichkeit, diese implizite Volatilität getrennt von allen anderen Einflussfaktoren des Optionstradings zu handeln. Einer dieser Vola-Futures ist der Future auf den VDAX-NEW-Index.

Dieser Index setzt sich aus den impliziten Volatilitäten von DAX-Optionen über mehrere Strikes und Laufzeiten zusammen. Geht der Markt von größeren künftigen Schwankungen des DAX aus, so steigen diese impliziten Volatilitäten und damit auch der Index.

Die tatsächliche Bewegung des DAX spielt in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle. Dieses Produkt ist prinzipiell sehr interessant, eröffnet es doch den Zugang zur Asset-Klasse Volatilität; andererseits sind Zusammensetzung und Berechnung dieses Index so komplex, dass nur sehr erfahrenen Investoren zu raten ist, sich in diesem Segment zu engagieren.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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