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Kaufman´s Adaptive Moving Average

Der Kaufman´s Adaptive Moving Average (KAMA-Indikator) stellt eine verbesserte Variante eines Gleitenden Durchschnitts dar. Der Indikator wurde 1998 von Perry J. Kaufmann entwickelt. Er versucht, gegen die Inflexibilität der GDs mithilfe seines »adaptiven Ansatzes« anzukämpfen. Der Kaufman´s Adaptive Moving Average (KAMA) konzentriert sich mehr auf die Trendeffizienz als auf die zugrunde liegende Volatilität des Finanzinstruments.

Die Trendphase wird durch den Steigungswinkel der Linie angezeigt. Fällt die Linie, herrscht ein Abwärtstrend vor. Steigt die Linie, handelt es sich um einen Aufwärtstrend. Verläuft die Linie horizontal, liegt eine trendlose Phase vor.

Der KAMA liefert Signale, sobald die Kurse diesen durchstoßen. Zusätzlich ist der KAMA ein gutes Unterstützungs- und Widerstandsniveau in Trendphasen.

Abbildung 6.6 zeigt einen Tages-Chart des Xetra-DAX mit einem 21er-KAMA. Anhand der Kreise erkennen Sie, dass der KAMA gut die Unterstützungsbereiche im Aufwärtstrend aufzeigt. Im Rechteck rechts oben im Bild sehen Sie, dass der KAMA in einem Seitwärtstrend beinahe horizontal verläuft. Ignorieren Sie in diesem Fall jegliche Art von Trendfolge-Signalen (insbesondere Gleitende Durchschnitte) und setzen Sie antizyklische Methoden ein.

KAMA im Chart des XETRA vom Oktober 2003 bis März 2004

Abbildung 6.6 Xetra-DAX-Tages-Chart mit KAMA

Kaufman´s Adaptive Moving Average (KAMA) und seine Funktionsweise

Der KAMA beruht auf einem exponentiellen Durchschnitt, bei dem die Gewichtung des hinzukommenden Kurses über eine Trendeffizienz-Kennzahl, der Efficiency Ratio, gesteuert wird.

Die Efficiency Ratio habe ich Ihnen bereits im Kapitel über die Trendbestimmung vorgestellt, da diese Kennzahl auch eigenständig gute Dienste leistet. Die Trendeffizienz ist definiert als das Verhältnis der absoluten Kursänderung, von Anfang bis zum Ende des Betrachtungszeitraums, und der Summe der absoluten täglichen Kursänderungen.

Bei hoher Trendeffizienz, also bei einer geradlinigen Bewegung ohne starke Schwankungen, wird dem hinzukommenden Kurs ein hohes Gewicht eingeräumt, was einer kurzen Einstellung in Tagen entspricht. Bei geringer Trendeffizienz, also bei einer stark schwankenden Bewegung, wird dem hinzukommenden Kurs ein geringes Gewicht eingeräumt, dies entspricht einer langen Einstellung in Tagen.

Berechnung des KAMA

Perry Kaufman definiert noch einen Maximal- und einen Minimalwert für die Berechnung der jeweiligen Glättungskomponente. Die Efficiency Ratio wird mit Hilfe des definierten Maximal- und Minimalwerts in den Faktor umgerechnet, mit dem ein neu zum exponentiellen Durchschnitt hinzugefügter Kurs gewichtet wird.

Als Minimalwert werden 2 und als Maximalwert 30 Tage von Perry Kaufman verwendet. Die Tageanzahl für die Ermittlung der Efficiency Ratio ist der wichtigste Parameter beim KAMA.

Für kurzfristige Strategien hält Perry Kaufman einen Wert um die 10 Tage für empfehlenswert. Ein Wert von kleiner 5 sorgt dafür, das die Efficiency Ratio zu schnell zwischen 0 und 1 hin und her springt.

Für langfristiges Positionstrading kann auch ein viel längerer Zeitraum attraktiv sein, da dies zu stabilerem Verhalten bei Nebengeräuschen im Trend führt. Für mathematisch interessierte Leser ist die komplette Formel des KAMA im Anhang angegeben.

Perry Kaufman sieht ein grundlegendes Signal für steigende Kurse, wenn der KAMA nach oben dreht und ein grundlegendes Signal für fallende Kurse, wenn der KAMA nach unten dreht.

Ein Filter zur Vermeidung von Fehlsignalen des KAMA

Um Fehlsignale in Seitwärtsphasen zu vermeiden setzt Perry Kaufman einen Filter bei der Signalerzeugung ein. Auch beim Filter setzt Perry Kaufman auf die Selbstanpassung und definiert den Filter als Prozentanteil von einer Standardabweichung der Differenz des aktuellen Werts zum Vortagswert des KAMA.

Für Forex- und Futures-Märkte empfiehlt Perry Kaufman kleine prozentuale Filter von 1 Prozent der Standardabweichung und für Aktien- und Zins-Märkte hält er größere prozentuale Filter von 100 Prozent für sinn- voll. Normalerweise werden für die Berechnung der Standardabweichung 20 Tage verwendet.

Ein Signal für steigende Kurse wird nun gegeben, wenn die Differenz aus dem aktuellen KAMA-Wert und dem tiefsten Wert des KAMA der letzten n-Tage größer als der Wert des Filters ist. Umgekehrt erfolgt ein Signal für fallende Kurse, wenn die Differenz aus dem höchsten KAMA-Werts der letzten n-Tage und dem aktuellen KAMAWert größer als der Wert des Filters ist.

Die Tageanzahl über die der tiefste beziehungsweise höchste Wert gesucht wird, gibt Perry Kaufman nicht explizit an, er verwendet in einem Programmierbeispiel allerdings 3 Tage.

In ausgeprägten Trendphasen mit einer hohen Trendeffizienz reagiert der KAMA schneller auf Richtungswechsel, als in volatilen Seitwärtsmärkten. Durch die Verwendung des Filters wird das Problem gemildert, das bei einem seitwärts verlaufenden KAMA häufige kleine Richtungswechsel viele Fehlsignale erzeugen. Dieser Filteransatz lässt sich natürlich auch auf herkömmliche Durchschnitte übertragen.

KAMA im Chart des DAX für den Zeitraum von 2002 bis 2006

Im mittleren Bereich befindet sich der KAMA und im unteren Bereich ist die 1-Tage-Rate-of-Change des KAMA zu sehen. Ein Kreuzen der Nulllinie signalisiert Wendepunkte im KAMA.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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