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Bargeldverbot: Erster Schritt zur Enteignung

Über das Verbot von Bargeld wird schon seit längerem diskutiert. Tatsächlich sind es große Namen, die ein Bargeldverbot fordern. Vom US-Star-Ökonomen Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Direktor des Internationalen Währungsfonds bis hin zu Peter Bofinger, dem deutschen Wirtschaftsweisen. Da könnte eine Obergrenze von 5.000 Euro, wie sie die Politik jetzt fordert, nur der Anfang sein.

Bargeldverbot macht extrem negative Zinsen möglich

Die salonfähig geäußerten Argumente für ein Bargeldverbot sind meistens ziemlich kurios. Zum Beispiel: „Ohne Bargeld würde der Drogenhandel ausgetrocknet“. Na klar und die Steuerhinterziehung wird am wirksamsten durch die Abschaffung der Steuern bekämpft.

Der eigentliche Grund für solche Forderungen ist, dass trotz der Nullzinspolitik der Notenbanken bislang keine ernsthaften Fortschritte im Schuldenabbau oder Wirtschaftswachstum zu erkennen sind. Nun sollen es die Sparer richten. Denn mit einem Bargeldverbot könnten auch extreme negative Zinsen durchgesetzt werden, ohne dass Bank-Runs das Finanzsystem zu Fall bringen würden.

Lage ist brisanter als Sie denken

Wenn sich eine Bank von einer anderen Geld leiht, dann bezahlt sie dieser dafür einen Zins. Wie hoch der ausfällt hängt vom allgemeinen Zinsumfeld ab, das vom Leitzins der Notenbanken bestimmt wird. Doch schon im letzten Jahr ist das eigentlich Undenkbare geschehen: In Europa mussten Banken erstmals ihre Konkurrenten dafür bezahlen, wenn sie bei diesen für 3 Monate Geld deponieren wollten. Inzwischen sind längst alle Zinssätze im Interbankenhandel negativ.

Und nicht nur, dass Bank A aus EU-Europa einen Zins bezahlen musste, wenn sie Geld bei einer Schweizer Bank deponieren wollte. Sogar Spanien, das vor ein paar Jahren noch kurz vor der Staatspleite stand, kassiert Geld von Investoren, die dem Land einen Kredit gewähren wollen. Das ist verrückt und ein Auswuchs der extremen Geldpolitik unserer Notenbanken.

Das Schlimme ist, dass diese Verrücktheit nicht nur auf den Banken lastet, sondern auch auf Pensionskassen, Versicherungen, Fonds usw. Es führt dazu, dass sämtliche verzinsten Anlagen keinen Cent mehr wert sind und stattdessen ein zunehmender Trend hin zur Bargeldhortung zu erkennen ist.

Über die Vorzüge des Bargelds

Der Ex-Chefvolkswirt der EZB, Professor Otmar Issing, betonte, dass inzwischen technische Innovationen das Bezahlen mit Bargeld „alt“ aussehen lassen würden. Es sei aber dahingestellt, ob es nur an seiner altmodischen Einstellung liegen würde, wenn es ihm nach wie vor merkwürdig vorkommen würde, etwa in Helsinki ein Cola-Getränk nur mit Kreditkarte bezahlen zu können.

Die anfängliche Hysterie um Bitcoin und der anschließende Kollaps legen Issing zufolge jedoch die Vermutung nahe, dass nicht jede technisch anspruchsvolle Innovation auch einen Fortschritt für den Bürger bedeuten müsse. Interessanterweise werde das Euro-Bargeld auch „von unten“ bedroht, nämlich durch lokale Zahlungsmittel. Man könne aber ziemlich sicher sein, dass solche Entwicklungen in Umfang und Dauer beschränkt bleiben werden.

Gefahren der bargeldlosen Welt

Es bedurfte schließlich nicht erst des NSA-Skandals, um Vorbehalte gegen die mit bargeldlosen Zahlungen verbundenen Gefahren der Überwachung und gegebenenfalls Manipulation auszulösen. Unter der Überschrift „Wehrt Euch“ hat kürzlich Hans Magnus Enzensberger in der FAZ vor den Gefahren der elektronischen Innovationen wie folgt gewarnt: „Online-Banking ist ein Segen, aber nur für Geheimdienste und für Kriminelle“.

Wirkliche Anonymität gewährt nur Bargeld

Genau deshalb sei es auch den Behörden ein Dorn im Auge. Seine Spuren lassen sich (von Ausnahmen abgesehen) kaum verfolgen. Deshalb sei es das Medium für illegale Transaktionen aller Art. Issing stellt hier die Frage, ob jemand schon einen Krimi gesehen habe, in dem ein Drogengeschäft per Scheck statt mit einem Koffer voll Bargeld abgewickelt werden würde? So könne es auch nicht überraschen, wenn der amerikanische Kriminologe Marcus Felson das Bargeld als die Muttermilch des Verbrechens bezeichnen würde.

SEPA ist Basis der Bargeldabschaffung

Die Grundlagen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) wurden mit der Umsetzung der Single Euro Payments Area (SEPA) gelegt.

Die derzeitigen Entwicklungen im Bereich der digitalen Währungen sind für mich vergleichbar mit den Anfängen des Internets. Aktuell werden die Grundlagen gelegt für das „Internet des Geldes“ in der Zukunft.

Bargeldhortung massiv verstärkt

In der gesamten Eurozone ist die Menge an Bargeld inzwischen um 400% gestiegen. Die Menschen in Europa ziehen verstärkt Bargeld von ihren Konten ab, um dieses zu Hause im Tresor oder wahlweise unter dem Kopfkissen zu lagern. Man weiß ja nie, was kommt. Da ist es immer besser etwas in der Hand zu haben.

Wenn jetzt unsere Politelite großspurig darüber diskutiert, dass man den Einsatz von Bargeld bei 5.000 Euro deckeln will, dann verschweigen die Politiker, dass diese Deckelung nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem komplett bargeldlosen neuen Finanzsystem ist. Eines, das aus unseren Vermögen im Grunde Staatseigentum macht, weil diese jederzeit und sofort zur Sanierung von Staaten und Banken herangezogen werden können. Sparen verkommt dann zur Makulatur.

Verbot der Hortung von Bargeld ist Diebstahl

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Ihrer Bank, wollen Ihr Erspartes abheben, weil es durch Negativzinsen aufgefressen wird. Und die Bank verweigert Ihnen die Herausgabe Ihres Bargelds – auf Anweisung der Notenbank. Diebstahl? Ja. Und bereits Realität in der Schweiz. Dort hantiert die SNB längst mit einem Negativzins, um der ungebremsten Franken-Nachfrage Herr zu werden. Auf Kosten der Schweizer Bankkunden, bislang allerdings nur bei sehr großen Guthaben.

Das trifft aber vor allem die Schweizer Pensionskassen. Die sind es, welche Hunderte von Milliarden Euro verwalten müssen, damit die Schweizer in den wohlverdienten Ruhestand gehen können. Doch weil es sich nun nicht mehr lohnt Geld einfach bei einer Bank zu sparen, dachten sich einige Schweizer Pensionskassen, könne man das Geld einfach abheben und bei der Bank im Tresor bunkern. Das wurde auf Weisung der Schweizer Nationalbank glatt verweigert. Entweder die Pensionsguthaben werden weiter durch negative Zinsen aufgefressen, oder die Kassen legen das Geld ihrer Kunden im Aktienmarkt an.

Auch in Eurozonen-Europa steigt die Umlaufmenge an Bargeld, obwohl die Bargeldzahlungen eher abnehmen. Das spricht dafür, dass auch die Zonen-Europäer Bargeld horten. Und so mehren sich auch hierzulande die Stimmen, die für eine Abschaffung des Bargelds sprechen, weil es so viel einfacher ist, wenn man elektronisch bezahlt.

Alternativen zum Bargeld

Es ist nichts dagegen einzuwenden, ein wenig Bargeld zu Hause zu haben, aber eines dürfen Sie nicht vergessen: Bargeld ist nichts anderes als eine Schuldverschreibung eines Staates. Angesichts horrender Schuldenberge langfristig vielleicht nicht einmal das Papier wert, auf dem es gedruckt ist.

Und wenn es in schwieriger Zeit wirklich zu einem kompletten Verbot von Bargeld kommen sollte, dann brauchen Sie unbedingt noch Alternativen. Solche die für den Werterhalt Ihres Vermögens sorgen (wie Sachanlagen) und auch solche die neben dem Werterhalt eine Tauschfunktion erfüllen.

Bargeldquelle Smartphone

Ihr Smartphone kann in Zukunft sowohl Ihre Geldbörse als auch der Geldautomat Ihrer Bank sein, ganz nach Ihren persönlichen Anforderungen. Es ist empfehlenswert, heute bereits alternative, elektronische Geldsysteme zu nutzen, die nicht auf Zentralbankgeld basieren.

In den USA etablieren derzeit vor allem die Unternehmen Apple und Google einen neuen Bezahlstandard, der auf kryptographischen Systemen und digitalen Währungen basiert. Das Handy wird dadurch immer mehr zur Bank- oder Kreditkarte und zu einem digitalen Bargeldersatz.

Bargeld weiterhin beliebtestes Zahlungsmittel

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, bekräftigte, dass Bargeld als Wertaufbewahrungs- und Zahlungsmittel von den Bürgern weiterhin geschätzt würde, nicht zuletzt, weil es schnell, anonym und kostengünstig verwendet werden könne. Wörtlich sagte Thiele: „Bargeld ist nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland und wird es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben.“

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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