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Keil: Das gilt es bei diesem Chartmuster zu beachten

Der Keil als Chartmuster führt gerade bei Neueinsteigern oft zu Verwirrung und Missverständnissen. Es zählt zum Phänomen der „False Friends“, die man auch aus den Sprachwissenschaften kennt, also zu einer Gruppe von Mustern, die intuitiv leicht falsch angewendet werden. In der Literatur wird die Keilformation als Fortsetzungs-, aber auch als Trendumkehrformation beschrieben.

Der steigende Keil bedarf etwas an Übung, um ihn zu identifizieren und die richtigen Schlüssen auf eine Korrektur bzw. Trendwende zu ziehen. Er ist deshalb schwierig aufzuspüren, weil er den Investor mit steigenden Hochs und steigenden Lows suggeriert, dass er sich noch in einem Aufwärtstrend befindet. Wenn der Kurs dann aus dem Keil herausfällt, ist die Überraschung meist groß.

Ebenso bietet der fallende Keil dem ungeübten Chartisten einen Überraschungseffekt. In dessen Kurvenverlauf bilden sich tiefere Tiefs und tiefere Hochs, was eher für einen Abwärtstrend und somit für einen Durchbruch nach unten sprechen dürfte, aber nicht für eine im Anschluss folgende Gegenbewegung. Thomas Bulkowski schreibt in seiner Enzyklopädie der Chartmuster über den steigenden Keil:

„Was die Performance betrifft gehört der steigende Keil zu den schwächeren Formationen. Die Fehlerquote beträgt 24 Prozent, sinkt aber auf sechs Prozent, wenn man den Ausbruch nach unten abwartet. Der durchschnittliche Kursrückgang liegt dann bei 19 Prozent.“

Zum fallenden Keil schreibt er: „Was die Performance betrifft gehört der fallende Keil zu den stärkeren Formationen. Die Fehlerquote beträgt hier nur 10 Prozent. Der durchschnittliche Kursanstieg liegt sogar bei 43 Prozent, sodass es sich lohnen dürfte nach dieser Formation zu suchen.“

Chartmuster Keil: Erkennungsmerkmale steigender Keil

Wichtig: Der steigende Keil gehört zu den Trendwendeformationen mit fallenden Kursen. Das besonders Tückische an dieser Formation ist, dass sie von Einsteigern oft mit einer trendfortführenden Formation verwechselt wird. Wir haben es hier nämlich mit steigenden Tiefs und steigenden Kursen mit neuen Hochs zu tun.

Wie am Beispiel der Aktie von Anntaylor Corp. zu sehen ist, hat sich im Frühjahr 1999 ein steigender Keil gebildet, aus dem der Kurs – bildlich gesprochen – im Mai nach unten herausgefallen ist. Wie aber lassen sich Keile von Trends unterscheiden? John Murphy hat in seinen Büchern dazu einige Checkpunkte herausgestellt, die ich Ihnen vorstellen möchte.

Steigender Keil im Chart der Anntaylor Stores Corp. vom September 1999

  1. Da es sich um eine Trendwendeformation handelt, muss es vorher einen steigenden Trend gegeben haben.
  2. Die obere Widerstandslinie konvergiert gegen die unten verlaufende Unterstützungslinie (blau).
  3. Idealerweise lässt sich beobachten, dass die Handelsvolumen den steigenden Kursen nicht mehr folgen, was zu einer Divergenz führt.
  4. Der Ausbruch kann, muss aber nicht mit steigendem Volumen erfolgen. Viel wichtiger ist das fallende Volumen innerhalb des Keils, was zu einer Ermüdung des Kursanstiegs führt.

Erkennungsmerkmale fallender Keil

Der fallende Keil (Falling Wedge) ist schwer auszumachen, aber gerade deshalb lohnt es sich, mit dieser Keilformation zu arbeiten und sich mit ihr auseinander zu setzen. Gerade das ist es doch, was ein Trader sucht. Denn Trading-Gelegenheiten, die für die breite Masse eine Überraschung bieten, sind für den Kenner der Materie zumeist hoch profitabel.

Fallender Keil im Chart der Rowan Companies Inc. vom April 1999

  1. Beim fallenden Keil sollte eine mehrmonatige fallende Trendbewegung vorausgegangen sein, die nun drehen könnte.
  2. Die obere Widerstandslinie ist fallend und wird durch mindestens 2 Zwischenhochpunkte gebildet.
  3. Die Unterstützungslinie ist ebenfalls fallend, aber nicht so stark, beide Linien konvergieren und bilden einen Keil.
  4. Das erste Handelsignal, der Durchbruch nach oben, sollte noch nicht gehandelt werden, denn oftmals kommt der Kurs noch einmal auf die Ausbruchslinie zurück.
  5. Der Ausbruch aus dem fallenden Keil muss mit hohem Volumen erfolgen.

Ein praktisches Beispiel: Steigender Keil

Wir wollen Ihnen heute anhand einiger Beispiele die Schlüsselfaktoren beschreiben, auf die geachtet werden sollte, damit Sie sich gegen unliebsame Überraschungen schützen können. Zu Anfang aber stelle ich Ihnen einen neuen Momentum-Indikator vor, den Percentage-Price Oscillator (PPO).

Hierbei handelt es sich um einen Indikator, der den Abstand zwischen zwei gleitenden Durchschnitten misst. Von der Konstruktion her ähnelt er sehr dem MACD, dem Moving Average Convergence Divergence Indicator. Auf die Details wie Vor- und Nachteile gehen wir später noch einmal genauer ein, für heute reicht uns die Funktion des PPO Divergenzen anzuzeigen. Aber kommen wir zurück zum steigenden Keil (Rising Wedge).

Timing Optimierung auf einfache Art und Weise

Wie sich am Beispiel der Aktie Dell gut ablesen lässt, steigen beide Trendlinien (blau) an. Allerdings weist ein nachlassendes Momentum im oberen Chartfenster (PPO) bereits im Mai darauf hin, dass sich eine Divergenz ausbildet und damit eine Korrektur anbahnt.

Divergenzen haben einerseits den Vorteil, eine hohe Trefferquote zu haben, andererseits kommen sie häufig so früh, dass es für den unerfahrenen Investor schwer einzuschätzen ist, wann er den Markt verlassen sollte. Die Keilformation kann helfen, das Timing zu optimieren. In unserem Beispiel hätte es gereicht, den Markt erst mit Durchbruch der unteren Trendlinie Mitte August zu verlassen und den Kursanstieg vorher noch weiter auszureizen.

Kurios, aber statistisch relevant: Umsatzrückgang erhöht die Wahrscheinlichkeit an der Baisse zu verdienen

An den grünen Umsatzsäulen ist auffällig, dass der Umsatz zu dem Zeitpunkt, als der Kurs aus dem Keil herausfällt, rückläufig ist. Das ist ein Phänomen, das Thomas Bulkowski auch als statistisch relevant bezeichnet.

Er stellte bei seinen umfangreichen Untersuchungen fest, dass ein Keil-Ausbruch nach einem Umsatzrückgang Kursverluste von durchschnittlich 21 Prozent zur Folge hat und damit höher ausfällt, als wenn dem Ausbruch ein Umsatzanstieg vorausgeht. In diesem Fall fallen die Kurse nur um durchschnittlich 15 Prozent. Damit haben wir einige brauchbare Parameter, mit denen wir uns jetzt dem Dow Jones zuwenden können.

Steigender Keil im Tageschart der Dell Aktie vom Januar 2002

Dell im Tageschart von Februar 2001 bis Januar 2002 (Schlusskurs am 02.01.2001: 27,50. Fassen wir am Beispiel Dell zusammen: Anfang August geht der Umsatz zurück und Dell fällt durch seine Unterstützungslinie bis auf 16 Dollar. Die Divergenzentwicklung im PPO gab bereits im Mai ein Frühwarnsignal.

Ein praktisches Beispiel: fallender Keil

Wenn wir das am Beispielchart des Rohstoffproduzenten Freeport McMoran aus dem Jahr 1999 einmal durchgehen, dann haben wir das augenfällige Falling Wedge vor uns (blau). Innerhalb des Keils bilden sich mindestens 4, in unserem Beispiel sogar 8 Kurspunkte, die den Keil bilden (4 an der fallenden Widerstandslinie und 4 an der fallenden Unterstützungslinie).

Die Umsätze sind mit dem ersten Ausbruch (Kreis) über den Durchschnitt gestiegen. Der Kurs kommt nach dem Durchbruch noch einmal bis an die blaue Linie unterhalb von 10 US-Dollar zurück, um dann mit einem erneuten Anstieg die Trendumkehr bei 11 US-Dollar zu bestätigen – ein handelbares Kaufsignal mit großer Trefferquote.

Fallender Keil im Chart der Freeport McMoran Aktie vom April 1999

Ein Markt, der alle Anzeichen dafür aufweist, dass er sich wie im Chartbeispiel im mehrmonatigen Abwärtstrend befindet und neue Tiefs ausbildet, hat den Medien nicht viel mitzuteilen. Das heißt, der Ausbruch kommt für viele Markteilnehmer überraschend, und das ist für Chartisten ein sog. „Free Lunch“.

Der Analyst Thomas Bulkowski hat in seinen jahrelangen Untersuchungen festgestellt, dass die Fehlerquote lediglich bei 10 Prozent liegt, sofern man den Ausbruch und die Bestätigung abwartet. Leider gibt es dieses Signal nicht allzu häufig, aber wenn es dann da ist, lohnt es sich hellwach zu sein.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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