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Arbitrage

Arbitrage (von lat. arbitratus: Gutdünken, Willkür) bezeichnet eine Form des Handelns, wobei sog. Arbitrageurs gezielt nach Preisunterschieden für gleiche Waren an den verschiedensten Börsen suchen. Diese Waren werden dann an Börse A günstig gekauft und auf Börse B verkauft. Der Arbitrage-Handel trägt somit zu einer Preisangleichung gleicher Waren bei.

 

Der Arbitrageur bzw. Arbitrage-Trader

Arbitrage-Trader sind Spezialisten, die von den preislichen Diskrepanzen verschiedenster Waren an den Handelsplätzen dieser Welt zu profitieren zu wissen.

Dabei vergleichen diese Trader z.B. den Preis einer Aktie an mehreren, unterschiedlichen Handelsplätzen, und wenn der Geldkurs (Kurs, zu dem man verkaufen kann) an einer Börse über dem Briefkurs (Kurs, zu dem man kaufen kann) an einer anderen liegt – dann handeln sie blitzschnell.

Man kauft also zum günstigeren Kurs, und verkauft wenige Sekunden später an der anderen Börse zum höheren Kurs. Dies bringt in der Regel nur minimalen Gewinn, dafür aber in Sekundenschnelle. Und wenn man das einige Dutzend Male am Tag macht, kann man bzw. könnte man davon leben.

 

Arbitragemöglichkeiten

Kennen Sie noch Eurotech? Oder Cylink? Oder Creative Bio? In den Boomjahren um die Jahrtausendwende waren das richtig heiße Papiere. Heavy Trader und ambitionierte Privatanleger handelten die drei Aktien rauf und runter und kreuz und quer.

Ganz genau: Kreuz und quer. Denn die drei Aktien waren lange Zeit optimal für Arbitrage geeignet. Clevere Anleger konnten damit täglich locker fünf oder gar zehn Prozent verdienen. Die beste Geschäftszeit für Arbitrage mit kleinen US-Nebenwerten war und ist nämlich am Morgen, wenn in USA die Börsen noch geschlossen sind.

Um die drei Titel ist es allerdings schon längst still geworden. Sie sind nämlich vom Kurszettel verschwunden. Doch Arbitragemöglichkeiten gibt es immer noch. Sie müssen nur wissen wie es geht.

Sehen Sie sich einmal die Kurse von NASDAQ oder OTC Aktien an. Bei vielen Werten erkennen Sie sofort: Bereinigt um den Wechselkurs weicht der aktuelle Kurs in Deutschland oft deutlich vom Schlusskurs in den USA ab. Bei den Eurotech-, Cylink- und Creative Bio Aktien, deren Hauptbörse in den USA lag, war genau das zur Jahrtausendwende der Fall.

Natürlich könnte es dafür Gründe geben. Etwa eine Ad-hoc-Meldung nach US-Börsenschluss. Gibt es aber keine Meldung, bietet sich für Sie eine optimale Gelegenheit zur Arbitrage. Sie werden nämlich schnell feststellen, dass im US-Handel nach Börsenbeginn solche Preisunterschiede meist wieder verschwinden – die meisten Aktien erreichen ihren Vortages-Schlusskurs irgendwann im Handelsverlauf.

Solche „Spielchen“ können jedoch inzwischen auch von Privatanlegern betrieben werden, was dazu führt, dass es kaum noch richtig lohnende Arbitragemöglichkeiten gibt. Zumindest dann nicht, wenn sie relativ kleine Beträge traden und die Gebühren prozentual hoch ins Gewicht fallen.

Dazu kommt noch, dass Händler und viele ehemalige Börsenprofis, die nach dem Boom ihren Job verloren haben, sich auf Arbitrage spezialisiert haben und Kursunterschiede schnell ausgleichen. Sie nutzen dabei schon Minipreisdifferenzen im Bereich von zehntel Prozent – für den Privatanleger bleibt da nicht mehr viel übrig.

Übrigens: Arbitrage-Trader erfüllen durchaus eine gesamtwirtschaftlich sinnvolle Funktion. Sie sorgen für „effiziente Märkte“ – denn sie sorgen dafür, dass sich Preisunterschiede des selben Gutes an verschiedenen Börsen schnell angleichen.

Wenn Sie sich mit Arbitrage beschäftigen wollen, gibt es einige Aspekte die Sie vorher noch wissen sollten:

  1. Wenn Sie hunderte von Aktien auf Kursunterschiede prüfen wollen, brauchen Sie schon aus Zeitgründen Realtime Kurse die sich in Excel Tabellen exportieren lassen. Hier können Sie Arbitragemöglichkeiten auf einen Blick erkennen.
  2. Achten Sie bei OTC Aktien auf die Gebühren. Die Provisionen der Händler fressen sonst bei manchen Aktien Ihren Arbitragevorteil fast komplett auf.
  3. Sie brauchen in Deutschland eine Bank oder einen Broker, bei dem Cross Border Geschäfte intraday möglich sind.
  4. Bietet Ihr Broker sogar die Möglichkeit von Short Selling, also Leerverkäufe, dann können Sie Arbitrage mit Aktien machen, die in Deutschland billiger oder teurer sind, als am Vortag in den USA.

 

Beispiel: Eine Frage der Arbitrage

Bei einem Abendessen am Freitagabend hat mir eine Frau erklärt, warum es so viel Aktivität im Bereich „Private Equity“ (außerbörsliche Unternehmensbeteiligung) gibt.

„Das ist wirklich einfach“, begann die ehemalige Investmentbankerin, „die Kosten für Geld sind geringer als die Zinserträge, die es einbringt. Wenn man Geld für 6 % leihen kann und es dazu nutzt, ein Unternehmen zu kaufen, das 8 % einbringt … nun, bitte.“

Private Equity-Firmen sammeln das Geld von großen Anlegern und verwenden es entweder, um private Unternehmen zu kaufen und an die Öffentlichkeit zu bringen, oder um öffentliche Unternehmen zu kaufen und diese zu privatisieren. Bei derart niedrigen Zinssätzen und so hohen Profiten gibt es offensichtlich eine Menge Hin und Her am Markt.

„Stellen Sie sich vor, sie finden ein Unternehmen, dass am Markt 10 Millionen Dollar wert ist. Und das Unternehmen bringt im Jahr 1 Million Dollar ein. Man leiht sich 10 Millionen zu einem Satz von 6 % und kauft es. Ihre Zinsen kosten Sie im Jahr nur 600.000 Dollar. Aber die Firma bringt Gewinne von einer Million Dollar (und vergessen Sie nicht, sie kaufen auch die Vermögenswerte des Unternehmens). Also hat man am Ende 400.000 Dollar Gewinn im Jahr. Normalerweise ist es nicht ganz so leicht, aber das ist die Idee, die dahinter steckt.“

Und das ist der Grund, warum das „Modell Fed“ und viele Investmentanalysten Aktienpreise mit Zinssätzen vergleichen. Wenn die Zinssätze gering sind, sind die Aktien mehr „wert“, weil man dann mehr aus ihnen herausholen kann, als wenn man sein Geld einfach nur verleihen würde. Sie sind auch deshalb mehr „wert“, weil es viele Leute gibt, die, wie oben beschrieben, 400.000 Dollar einnehmen wollen. Es ist eine Art Arbitrage, die die Vermögenswerte auf das Basisniveau reduziert, angepasst an das Risiko. Es gibt keinen Grund, warum man bei einer Investition 5 % machen kann und bei einer anderen 10 % – solange die eine nicht riskanter ist als die andere. Normalerweise verschwinden diese Unterschiede; Investoren kaufen die „billigen“ Quellen der Einnahmen, bis die Preise nicht mehr günstig sind.

Dann, wenn die Aktien in dem Augenblick hoch geboten wurden, in dem sie nicht mehr günstig sind, erklären die Analysten, warum der Preis dennoch angemessen ist. Weil die Zinssätze so gering sind, sagen sie dann.

Aber hier mache ich eine Pause, um die eleganten Verdrehungen der Natur und ihrer Märkte zu bewundern. Die gleichen geringen Zinssätze, die die ganzen fahrenden Händler an den Aktienmarkt bringen, bringen auch die Lumpenkonsumenten in den Wal-Mart und die Lumpenhauskäufer in die Büros der Immobilienmakler.

Schon bald kommt es dann zu einem Boom – bei dem die Registrierkassen im ganzen Land klingen. Die Gewinnspannen steigen – besonders bei den Firmen, die ihr Geld eher mit „Finanzierungen“ machen, als durch die Herstellung von Dingen.

Ich will nebenbei anmerken, dass Ford vielleicht kein Geld mehr machen würde, wenn es nicht diese ganzen Finanzierungsgeschichten gäbe, die die Unternehmen immer noch wertvoll machen. Aber der Boom und die Werte der Vermögenswerte beruhen vollständig auf den geringen Zinssätzen.

Wenn die Zinsen steigen sollten, würden die Verkaufszahlen zurückgehen, die Profite würden schrumpfen und nicht nur die Erträge einer Firma würden den Aktienpreis nach unten ziehen, sondern auch das Umfeld der höheren Zinssätze (die Erträge würde man für weniger wert halten, sobald man mehr Geld verdienen kann, indem man sein Geld einfach verleiht).

Was würde dazu führen, dass die Zinssätze steigen? Die Leute würden anfangen zu glauben, dass der Dollar im nächsten Jahr vielleicht nicht mehr so viel kaufen kann, wie der Dollar in diesem Jahr. Aber wie kämen sie denn darauf? Weil so viele Dollars während des Booms, der durch die niedrigen Zinssätze entstand, in Umlauf gebracht wurden. Oh, es ist wirklich eine verrückte Welt, in der wir hier leben.

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Über den Autor Investor Verlag

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