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Teil 22 : Keynes Grundsätze I

Die letzte Ausgabe handelte vom Wickellschen Prozess. Dieses mal wollen wir uns ausführlich mit dem wohl bekanntesten, aber nicht minder umstrittenen Ökonomen unserer Zeit beschäftigen. Bekannt vor allem deshalb, weil weltweit Staaten ihre Politik nach seinen Theorien entwickeln. Ab heute sprechen wir über John Maynard Keynes (1883-1946).

Ich bin sicher, inzwischen hat fast jeder (ob interessiert oder nicht) von dem britischen Ökonomen gehört, denn seine Wirtschaftstheorien und die zahlreichen Weiterentwicklungen nach seinem Tod haben einen Großteil der Wirtschaftspolitik des 20. Jahrhunderts mitbestimmt. Keynes war auch der Ideengeber für das System fester Wechselkurse, wie es für das internationale Währungssystem 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods bestimmt wurde (die Idee den US-Dollar als Leitwährung mit Golddeckung zu nutzen stammte vom US-Amerikaner Harry Dexter White).

Keynes wichtigstes Werk, in dem er seine Theorien darlegt, lautet „Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes“ und erschien 1936.

Grundsätze von Keynes Wirtschaftstheorie

Keynes, dessen wichtigstes Werk 1936 erschien, betrachte ich immer als ein gezeichnetes Kind seiner Zeit. So verwundert es mich nicht, dass er in einer Zeit der anhaltenden Wirtschaftsflaute die damals gängigen Wirtschaftstheorien grundlegend angriff.

Keynes spricht dem Markt, entgegen der klassischen Theorien, jegliche Selbstheilungskräfte ab.

Kernpunkt seiner Thesen ist die Vollbeschäftigung. Er geht davon aus, dass in keiner Wirtschaft automatische Kräfte bestehen die eine Rezession überwinden könnten.

Stattdessen stellt er den Staat zur Lösung der Probleme an die erste Stelle. Seinen Theorien zufolge kann nur der Staat durch Eingriffe wie Steuersenkungen und die Erhöhung der Staatsausgaben die Vollbeschäftigung zurückbringen. Hierbei kann der Staat auch ein Haushaltsdefizit in Kauf nehmen.

Ziel ist es, die nachlassende private Nachfrage in Zeiten der Rezession durch ein Wachstum der öffentlichen Nachfrage auszugleichen, bis die private Nachfrage wieder anzieht und die Rezession überwunden wird. (Arbeitnehmer würden wieder verstärkt Wirtschaftsgüter nachfragen; Unternehmen würden wieder mehr produzieren und mehr Arbeitnehmer einstellen; schließlich würden Unternehmen wieder mehr Steuern zahlen, was wiederum dem Staat zugute kommt).

Übergeordnetes Ziel ist ein stetiges Wachstum der Gesamtnachfrage, durch die Garantie der Vollbeschäftigung.

So viel für den Anfang. Aber zu Keynes und dem Keynesianismus gibt es noch viel mehr zu sagen und zwar in der kommenden Ausgabe dieser Reihe.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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