MenüMenü

Wirtschaftstheorien-Reihe Teil 21: Der Wicksellsche Prozess

Wir beschäftigen uns bei der Wirtschaftstheorien-Reihe erneut mit dem schwedischen Ökonom Knut Wicksell.

In der letzten Ausgabe haben wir uns über Wicksells Hauptwerk „Geldzins und Güterpreise“ unterhalten und uns angesehen wie Wicksell zwischen dem normalen und dem natürlichen Zins unterscheidet.

Danach hatte ich Ihnen in groben Zügen den Investitionskreislauf dargelegt, der entsteht, wenn der natürliche Zins (nach Wicksell „das was man mit Geld in der Hand verdienen kann oder verdienen zu können hofft“) im Grunde höher ist als der normale Zins, wie er von der Bank vorgegeben wird.

Der Wicksellsche Prozess

Eigentlich hätte ich auch sagen können: Nach Wicksell beginnen die Unternehmen zu investieren, wenn der Nominalzins niedriger ist als der Realzins. Denn nichts anderes steckt hinter der Aussage vom höheren natürlichen Zins gegenüber dem normalen Zins.

Davon ausgehend kann folglich die Geldpolitik mit Entscheidungen die den Nominalzins betreffen die Konjunktur leiten.

Das funktioniert so: Die Geldpolitik senkt den Nominalzins unter den Realzins. Unternehmer fragen mehr Kredite für Investitionen nach und es wird generell mehr konsumiert. Schließlich wird die Kreditnachfrage durch Kreditschöpfung bedient. Durch steigende Löhne und wachsenden Konsum entstehen steigende Güterpreise. Umgekehrt funktioniert das Ganze auch: Beschränkt die Geldpolitik durch eine Anhebung der Leitzinsen die Nachfrage, sinken auch die Preise.

Nun ist Ihnen die Brisanz hinter dieser These sicher aufgefallen. Wir kennen die Grundzüge dieser Theorie allerdings von einem anderen höchst bekannten Ökonomen: John Maynard Keynes. Es ist sicher unzweifelhaft, dass Keynes Wicksells Arbeiten nicht nur gelesen und geschätzt, sondern auch darauf aufgebaut hat. Insbesondere die These wie Zyklen gebildet werden, nach Wicksell und eben auch Keynes, nämlich durch Veränderungen in realen Faktoren, wie Leitzinsen und Ausgaben für Investitionen.

Auch Wicksell sieht es als notwendig an, dass die Geldwirtschaft durch die Geldpolitik mit Hilfe von Geld (Liquidität) und Zinsen gesteuert wird, (Nichts anderes macht die FED in den USA und eigentlich inzwischen die meisten Notenbanken weltweit noch heute.)

Fazit des Wicksellschen Prozesses

Wer heute über die Politik der Notenbanken spricht, nimmt oft genug auch den Keynesianismus in den Mund. Eigentlich aber sollten wir mindestens genauso oft über Wicksell sprechen, der lange vor Keynes fast die gleichen Ideen vertrat. Doch Wicksell legte deutlich mehr Wert auf die Preisstabilität. Soll heißen: Auch wenn zu seiner Zeit die Deflation das große Thema war, klammerte Wicksell die Inflation nicht aus.

Zum Abschluss habe ich dieses schöne Zitat ausgegraben: „Dann aber möchte ich in aller Bescheidenheit daran erinnern, dass die Banken doch nicht in erster Linie dazu da sind, um recht viel Geld zu verdienen, sondern die Aufgabe haben, dem Publikum mit Umsatzmitteln zu dienen und zwar in genügender Menge d. h. zu möglichster Erhaltung der Güterpreise.“ (Dr. Knut Wicksell. Geldzins und Güterpreise (1898), S. 173 f.).

Nächstes Mal geht es weiter mit der Reihe und dann beschäftigen wir uns mit dem großen Keynes.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.