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Wirtschaftstheorien Teil 20: Wicksell und „Geldzins und Güterpreise“

Heute wollen wir uns im Rahmen der Wirtschaftstheorien-Reihe erneut mit dem schwedischen Ökonomen Knut Wicksell beschäftigen. Sie erinnern sich: In der letzten Ausgabe hatten wir darüber gesprochen, weshalb Wicksell auch Ökonom der Synthese genannt wurde und über seine Beiträge zu den Grenznutzentheorien und dem Steuerwesen.

Heute wollen wir uns mit Wicksells Hauptwerk beschäftigen: „Geldzins und Güterpreise“ (1898)

Wicksell als Vater der Warenkorbdefinition

Wicksell war einer der ersten Ökonomen, der für die Messung der Kaufkraft des Geldes einen Warenkorb vorschlug. Dieser sollte sich je nach den Verbrauchsgewohnheiten der Menschen verändern und auch Dienstleistungen beinhalten.

Sie wissen, heute ist der Warenkorb der absolute Standard zur Messung der Teuerung. Somit könnte man Wicksell getrost als den Vater der Warenkorbdefinition bezeichnen.

Normaler und natürlicher Zins

In Geldzins und Güterpreise beschäftigt sich Wicksell u.a. mit der Stabilität der Preise und definiert erstmals den Unterschied zwischen dem normalen und dem natürlichen Zins. Der normale Zins ist für Wicksell hauptsächlich der Geldzins, der in den Kapitalmärkten beobachtet werden kann. Der natürliche Zins dagegen ist der Zinssatz der gegenüber den Preisen im realen Markt neutral ist. Oder anders: Der Zinssatz bei dem Angebot und Nachfrage im realen Markt im Ausgleich sind. Der natürliche Zins entspricht unserem realen Zins.

In Wicksells Theorie spielt der natürliche Zins eine besondere Rolle. Denn Wicksell wollte beweisen, dass in einer Volkswirtschaft nicht nur die Geldmenge alleine Inflation und Deflation bestimmt, sondern auch der Gütermarkt die Stabilität der Preise beeinflusst.

Wicksell bezeichnet den natürlichen Zins als das, „was man mit Geld in der Hand verdienen kann oder verdienen zu können hofft“.

Grafik: Langfristige Trendentwicklung

Preisindex: VerkettungNun ist das aber natürlich noch längst nicht alles. Nein, heutzutage berechnet so ein Statistikamt ja nicht einfach nur eine Preisindex nach Laspeyres, Paasche oder Fisher. Heute werden die Preise… › mehr lesen

Wenn ein Unternehmen höhere Gewinne erhofft, als die Zinsen, die er an die Bank leisten muss, dann nimmt er einen Kredit auf und investiert. Durch die Investitionen, also die Ausweitung der Produktion und die höhere Anzahl Arbeitskräfte, steigt insgesamt die Nachfrage.

Dadurch wiederum steigen allerdings auch die Preise und weil schließlich auch die Nachfrage nach Geld steigt, steigen wiederum die Zinsen, welche die Banken verlangen. Das geht so lange weiter, bis der natürliche Zins (die dahinter stehende Erwartung) gleich dem normalen Zins (dem Geldzins, den die Banken verlangen) ist. Ab jetzt erwartet der Unternehmer keine zusätzlichen Gewinne mehr durch eine Kreditaufnahme. Folglich wird er die Produktion nicht mehr weiter ausweiten.

Von diesen Überlegungen ausgehend entsteht der Wicksellsche Prozess, der Ihnen sicher bekannt vorkommen wird, da sich diese Theorie bei einem sehr bekannten Ökonomen wiederfindet. Dazu beim nächsten Mal mehr.

 


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Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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