Die PKW-Industrie fordert neue Werkstoffe
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 11. Juli 2011, 16:00 Uhr
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Nicht nur im Geschäft mit Luxusautos setzen die Hersteller verstärkt auf Carbonfasern. Nachdem in der Formel 1 hervorragende Eigenschaften bei dem leichten und verwindungssteifen Material festgestellt wurden, hat sich BMW-Großaktionärin Klatten über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion GmbH mit knapp 29 Prozent beim deutschen Hersteller SGL Carbon eingekauft. Vor allem die schweren Hybridautos und Pkws mit Batterieantrieb müssen das Mehrgewicht der komplexen Antriebsaggregate an anderer Stelle einsparen. Und hier kommen Verbundwerkstoffe wie Carbonfasern ins Spiel. BMW hat unter dem Projektnamen Megacity Vehicle ein Pkw-Elektro-Leichtmobil in der Planung, das 2013 in Leipzig serienmäßig in Produktion gehen soll.
Einzelheiten, so BMW-Chef Norbert Reithofer, teile man mit, wenn es soweit sei. Klar ist bislang, dass sich die Münchner für das Kohlefaserauto mit SGL Carbon zu einem Joint Venture zusammengeschlossen haben. SGL soll die Kohlenstofffasern liefern, aus denen später dann die Komponenten für das Megacity Vehicle (MCV) gepresst werden. Ein geeigneter Standort für das Joint Venture wurde in Nordamerika gefunden.
Da der Prozess der Carbonfaserproduktion energieaufwendig ist, hat man sich für den Standort Moses Lake im US-Bundesstaat Washington mit seinen zahlreichen Wasserkraftwerken entschieden, was die Produktion besonders nachhaltig macht. Die Fasern werden dann in Wackersdorf und Landshut weiterverarbeitet, bevor sie im Werk Leipzig zum Bau der Modelle BMW i3 und BMW i8 verwendet werden. Mit diesen beiden Fahrzeugen startet BMW 2013 respektive 2014 den Großserieneinsatz von Carbon im Automobilbau.
Über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion GmbH kaufte BMW-Großaktionärin und Quandt-Erbin Susanne Klatten zwischen 11. Mai und 1. Juli mehr als 3,7 Millionen SGL-Carbon-Aktien zum Durchschnittskurs von ca. 32 Euro (Schlusskurs am 8. Juli 39,76 EUR).
Durch die Ausübung einer Wandelanleihe sei ihre Beteiligung an dem Wiesbadener Unternehmen auf knapp 29 Prozent geklettert, sagte ein Sprecher ihrer SKion-Holding am Mittwoch, dem 6. Juli gegenüber Reuters. Die Schwelle von 30 Prozent, die ein Pflichtangebot zur Übernahme von SGL zur Folge hätte, wolle SKion allerdings nicht überspringen, sagte der Sprecher. Es gibt keine Übernahmepläne".
Das strategische Investment der BMW-Erbin in SGL-Carbon scheint vor dem geschilderten Hintergrund, die starke Nachfrage nach leichten und verwindungssteifen Verbundmaterialien abzudecken, eine logische Konsequenz gewesen zu sein. Synergieeffekte nutzen, die dem Kerngeschäft im Automobilbau nutzen, ist das vordergründige Ziel der Beteiligungen. Was aber die Weitsicht angeht, stellt sich jetzt die Frage, was Frau Klatten darüber hinaus mit dem Windenergieproduzenten Nordex anfangen will. Dieser Frage werden wir morgen für Sie auf den Grund gehen. Target-Trader-Leser sind in Carbon-und Windenergie-Produzenten engagiert.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki
Coach Trading & Sales
Zum ersten Teil von: WAS WILL FAMILIE QUANT/KLATTEN WOHL MIT SGL-CARBON ANFANGEN?