Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Devisen
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen
vom
Liebe Leser,
nun ist es passiert! Die Spekulationen auf eine weitere Zinsanhebung durch die EZB schmelzen wie Butter in der Sommersonne.
Was gegen eine Zinsanhebung spricht? Nun die europäische Wirtschaft zeigt Anzeichen einer nicht klimabedingten Abkühlung. Natürlich gab es solche Abkühlungserscheinungen schon zuvor. In nicht geringem Ausmaß, wenn man gerade Italien oder auch Spanien und Portugal betrachtet. Doch jetzt erzeugt es mehr Panik! Denn jetzt hat es die Stütze der EU-Volkswirtschaft in Zahlen getroffen - das Land, welches bis dato noch das höchste Wachstum innerhalb der EU generieren konnte. Deutschland!
Die Einzelhandelsumsätze sind in Deutschland nämlich seit Mai um 1,4 % gesunken. Zuvor waren sie noch um 0,5 % gestiegen. Nun ist die Angst vor der Wirtschaftsabschwächung also auch in Europa wirklich angekommen. Dementsprechend sinken die Wetten auf eine mögliche Zinsanhebung. Dagegen wird bereits sogar eine Zinssenkung diskutiert.
Dies halte ich allerdings für verfrüht, denn in meinen Augen ist der Rückgang der Einzelhandelsumsätze in Deutschland wohl eher auf die horrende Teuerungsrate zurückzuführen. In meinen Augen eigentlich noch kein Grund für Panik, denn deswegen bleibt die Wirtschaft noch lange nicht stehen. Inflationsbekämpfung wäre vielleicht eher angesagt. Für Deutschland könnte also vielleicht eine weitere Zinsanhebung gar nicht so verkehrt sein. Doch, wie immer, da die EU kein homogener Raum ist, sind Entscheidungen die den gesamten EU-Raum betreffen schwierig.
Und dann ist da noch etwas, dass den Weg zu einer weiteren Anhebung zunächst einmal verbaut. Die EZB hat nämlich, ebenso wie die FED und die Schweizer Nationalbank beschlossen die Liquidität - Entschuldigung, das Kreditprogramm für die Finanzinstitute -weiter auszuweiten. Seufz, wenn nur nicht auch noch diese Bankenkrise wäre....;-)
Nun, jedenfalls geriet der Euro weiter unter Druck. (Nicht verkehrt, in meinen Augen!) Dafür bleibt der bullische Trend für den US-Dollar zunächst weiter intakt. Ein unabhängiger Bericht zeigte, dass der US-Privatsektor offenbar unerwartet mehr Jobs hinzu gewonnen hat. Weitere Gewinne im USD könnten allerdings limitiert bleiben, im Angesicht des für heute anstehenden Regierungeberichts zu den Arbeitslosenzahlen.
Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,5562. USD könnte im Angesicht der Arbeitslosenstatistik noch einmal unter Druck geraten, so dass EUR/USD sich noch einmal Richtung 1,5617 bewegen könnte. Doch so lange nicht die 1,5760 durchbrochen werden, dürfte der EUR weiter unter Druck bleiben.
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