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Keynesianische Politik – Pro und Contra 1

Nun ist keynesianische Politik ja nun nicht etwas, das nur die Amerikaner durchführen. Schließlich hat die halbe Welt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise alle möglichen und unmöglichen Konjunkturprogramme aufgelegt und überhaupt versucht die zweite große Depression weg zu finanzieren. Während man jahrelang dem Markt den freien Willen ließ, versucht nun der Staat zu steuern so weit es geht. (je nachdem mal mehr, mal weniger) Aber, so ist das eben, wenn man die Geister, die man rief, nicht wieder los wird – nicht wahr, liebe gerettete Finanz-und Bankenbranche?! :-)

Mein Problem mit Keynes, ist grundsätzlich der übermäßige Fokus auf den Staat, aber das steht auf einem anderen Blatt Papier und soll heute wirklich nicht Gegenstand der Diskussion werden. Auch über Sinn und Unsinn der Konjunktur- und Rettungsprogramme wollen wir heute nicht sprechen. Obwohl ich von Konjunkturprogrammen, die wie in China auf Infrastruktur- und Nachfragewachstum ausgelegt sind, viel halte, während ich von deutscher Abwrackprämie recht wenig und von US-amerikanischer Unterstützung einer maroden Automobilindustrie noch viel weniger halte.

Pro

Nichts desto trotz, die Angst vor der zweiten Weltwirtschaftskrise hat die Staaten, mit keynesianischen Lösungen, auf den Plan gerufen. Und wenn wir uns heute umsehen, können wir zumindest im Moment sagen, die erste große Krise ist überstanden und die schwere Depression hat uns diesmal nicht erwischt. Ein Grund, weshalb die Amerikaner auch auf Keynes schwören.

Und natürlich gibt es auch weitere Beispiele in der Vergangenheit die bezeugen, dass keynesianische Politik, zumindest bis zu einem gewissen Grad und unter bestimmten Voraussetzungen, funktionieren kann. Wir haben uns ja schon mit Takahashi und dem ersten Versuch vor und während der letzten Weltwirtschaftskrise nach dem 29er Crash befasst. Damals war Takahashis „keynesianische Politik“ ein Erfolg. Falls Sie die Ausgabe verpasst haben sollten: hier können Sie im Archiv des Rohstoff-Daily noch einmal Japans Erfahrungen nachlesen.

Und auch in der Zeit nach dem II.Weltkrieg funktionierte die Politik – zumindest so lange, bis schließlich die Stagflation auf den Plan trat und das ganze Konzept über den Haufen warf.

Ich finde, Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff hat das letztes Jahr in einem Interview mit der FAZ sehr schön gesagt. Ich zitiere sinngemäß: Keynes funktioniert, aber nur in Extremsituationen!

So long liebe Leser…mit diesem Rogoff-Zitat möchte ich heute mal abschließen…in meinen Augen hat der Mann in vielen Punkten äußerst interessante Thesen, mit denen wir uns durchaus noch beschäftigen sollten…doch zuvor widmen wir uns morgen natürlich noch dem Contra der keynesianischen Politik…ich wünsche Ihnen noch einen schönen Fußballabend und bis morgen…

Liebe Grüße

Ihre Miriam Kraus

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Alte Kommentare
  • erik von forell schrieb am 01.07.2010, 00:54 Uhr

    Das Kernproblem mit Keynsianischer Politik scheint mir zu sein, dass in den letzten Jahrzehnten des Ueberflusses von der Keynschen Wiederaufbau-Politik auf eine Supplyside-politik umgeschwenkt wurde. Statt in den letzten Jahrzehnten Ueberschuesse aufzubauen fuer die zyklisch schwaecheren Zeiten, wurden selbst in guten Jahren Haushaltsdefizite eingefahren. Wer kennt denn noch die paar Laender die Haushalts- und Budgetueberschuesse haben? Statt mit einer Wirtschafts- und Finanzpolitik, die im zyklischen Auf und Ab eine Konstante setzen sollte, haben wir uns gestattet immer mehr zu 'verbraten' als Keynes empfohlen haette. Deshalb stehen wir fast alle vor leeren Koffern und haben nicht mehr die Ruecklagen um zu zeigen, dass Keynes langfristig durch die Zyklen die sinnvollsten Antworten hatte. Wir muessen wieder die Eichhoernchen in die Parlamente waehlen und Hausfrauen die Wirtschaftspolitik steuern lassen!

  • Holger Lamberts schrieb am 01.07.2010, 17:51 Uhr

    Hallo liebe Frau Kraus, sie schreiben vorgestern: Und auch in der Zeit nach dem II.Weltkrieg funktionierte die Politik - zumindest so lange, bis schließlich die Stagflation auf den Plan trat und das ganze Konzept über den Haufen warf. Wissen sie noch wie das damals war als die Stagfaltion geplant wurde ? Da, waren die Maßhalteappelle von Ludwig Erhard ungehört verhallt und die Frage der grösseren oder geringeren Konjunkturwirksamkeit war aus der Politik verbannt. Staatsschulden dienten nicht mehr dem konjukturwirksamen Wiederaufbau sondern der Finanzierung von negativ konjukturwirksamen, unter 100% ist negativ Privilegien. Stagflation war die Folge, und nachdem die Zinsen wegen der hohen Staatsschulden runter mussten blieb halt nur noch die Stagnation mit ständig sinkenden Beschäftigungszahlen. Als dann auch die Zahl der Arbeitslosen zu einem beachtlichen Wählerpotenzial angewachsen war, kamen die Konjukturprogramme mit einer negativen Konjukturwiksamkeit unter 100% auf den Plan, die uns, auch ohne USA, in das Schlamassel von heute geführt haben und wenn es so weitergeht immer tiefer in den Dreck fahren werden - global, weil die Herrschaften unterschidlieche Privilegien- und Vergeudungsstrukturen aufgebaut haben, die sie nicht aufgeben wollen - bis alle Räder stehen ? Gruß H.L.