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Wirtschaftstheorien Teil 25: Keynes Scheitern an der Stagflation

Fahren wir mit unserer Wirtschaftstheorien-Reihe weiter fort. Noch immer beschäftigen wir uns mit dem großen John Maynard Keynes. Genauer gesagt, setzen wir uns aktuell mit Keynes‘ Gedanken zur Inflation auseinander.

In der letzten Ausgabe hatte ich Ihnen geschrieben, dass für Keynes ein wichtiger Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation besteht. Eine Darstellung dieses Zusammenhangs gelang dem Ökonom Alban Phillips 1958 mit der nach ihm benannten Phillips-Kurve.

Die dahinter stehende Aussage ist vereinfacht: Je stärker die Arbeitslosigkeit steigt, desto tiefer sinkt die Inflationsrate.

Folglich kann man sagen, dass nach Keynes, in einer Rezession und also bei dadurch wachsender Arbeitslosigkeit die Inflation gegen Null geht.

So zeigt es auch die Phillips-Kurve in der Theorie, doch die Praxis zeigt, dass es manchmal auch anders laufen kann.

Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Inflationsrate in den USA

Betrachten Sie das folgende Diagramm in das ich den Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Inflationsrate in den USA eingezeichnet habe. Und zwar sehen wir hier einmal die Jahre von 1950 bis 1971 in blau und einmal die Jahre von 1971 bis 1984 in rot:

Philllips Kurve Stagflation: Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Inflationsrate in den USA

Quelle der Daten: Economic Report of the President 1985

Sie sehen, bis zum Beginn der 70er Jahre haben Keynes (und Phillips) durchaus Recht. In Phasen mit hoher Arbeitslosigkeit findet sich dafür eine niedrigere Inflationsrate. Die Phillipskurve (ich habe in schwarz eine eingezeichnet) funktioniert.

Doch dann kamen die 70er Jahre. Und mit ihnen ein bis dahin unbekanntes Phänomen: Die Stagflation (Stagnation und Inflation). Diese sprengt gewissermaßen die Phillipskurve und damit auch die Theorie Keynes‘. Allein das Auftreten der Stagflation, mit wachsenden Inflationsraten und zugleich wachsenden Arbeitslosenzahlen, widerlegt somit die Annahme, Keynes Theorie könne in jeder Lage angewendet werden, da sie eben jenes Phänomen nicht erklären kann.

Die Theorie kann nur insofern Geltung haben, wie äußere Einflüsse keine Rolle spielen (in den 70ern stiegen vor allem die Rohstoffpreise [Stichwort Ölkrise], was die Inflationsraten hoch hielt) und wenn allgemein gesprochen ein deflationäres Szenario auftritt.

Nachdem das Scheitern der Keynes’schen Theorie in der Phase der Stagflation zu Tage trat, haben die Keynesianer natürlich versucht die Theorien weiter zu entwickeln, um neue Erklärungsversuche zu finden. Ein Beispiel ist die Theorie der Anbieterinflation, die davon ausgeht, dass Anbieter von Gütern und Arbeit grundsätzlich über eine Marktmacht verfügen, welche sie dazu nutzen um über Preis- und Lohnsteigerungen ihre Verteilungsanprüche zu vergrößern (Stichwort Kartelle). Doch davon ein anderes Mal mehr.

In der kommenden Ausgabe beschäftigen wir uns mit Keynes Gedanken zu den Investitionen und kommen dann auf das deficit spending zu sprechen.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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