MenüMenü

Die ganze Euro-Rally 2017 nur auf Sand gebaut?

Gestern hat die Europäische Zentralbank Ihnen als Aktien-Anleger ein großes Geschenk gemacht: Sie enttäuschte die überzogenen Markterwartungen an eine deutliche Straffung ihrer Geldpolitik, schickte den Euro auf Talfahrt – und ließ europäische Aktien durch die Decke gehen.

Bekanntermaßen knickte der DAX wegen der Eurostärke zur Jahresmitte um über 1000 Punkte ein. Doch das scheint jetzt Geschichte zu sein. Die Aktienparty kann also erst einmal fröhlich weitergehen!

Der Markt hatte bereits die gestern bekanntgegebene Verlängerung der EZB-Anleihenkäufe um 9 Monate erwartet (Mindestdauer nun also September 2018).

Auch die gleichzeitige Reduktion des Ankaufvolumens ab Januar 2018 auf 30 Mrd. Euro monatlich war im Grunde so erwartet worden, wobei die Spannen der einzelnen Bankanalysten zwischen 10 und 40 Mrd. Euro angesiedelt waren. Die Überraschung kam wohl von einer anderen Seite:

Die EZB windet sich wie ein Wurm

Zum einen will sich die EZB nicht auf ein festes Ende ihrer Anleihenkäufe festlegen lassen, sondern diese weiter von der Inflationsentwicklung abhängig machen. Die EZB wünscht sich bekanntlich 2 Prozent Inflation, was sie bisher nicht einmal ansatzweise erreicht hat.

Die Inflation ist der EZB immer noch viel zu niedrig. Der geneigte Konsument wird das angesichts zuletzt regelrecht explodierender Lebensmittelpreise anders sehen.

Zum anderen werden auch die Zinsen nicht so bald steigen. Denn die EZB erneuerte ihr Versprechen, die Leitzinsen in der Eurozone noch „weit über“ das Ende des Anleihekaufprogramms auf dem aktuellen Rekordtief zu belassen. Damit dürften Zinserhöhungen in der Eurozone frühestens ab dem Jahr 2019 anstehen.

Erstmals legte sich die EZB zudem fest, dass die Reinvestitionen aus den fällig werdenden Anleihen noch für längere Zeit nach dem Ende des Kaufprogramms fortgesetzt werden sollen.

Die ganze Euro-Rally 2017 nur auf Sand gebaut?

Kurzum: Der Markt spekulierte mit einer deutlichen Euro-Aufwertung das ganze Jahr 2017 hindurch auf eine baldige Straffung der Geldpolitik, die so gar nicht kommt! Jedenfalls nicht in diesem und höchstens minimal im kommenden Jahr.

Offenbar gibt’s jetzt die Quittung für diese eklatante Fehleinschätzung: Der Euro hat eine mehrmonatige Umkehrformation (fast) vollendet und dürfte weiter korrigieren.

Fällt die 1,17er Marke nachhaltig, sind Korrekturen in Richtung 1,12 möglich. Dann sehen wir weiter. Sollte es der Euro aber trotz dieser bärischen Ausgangslage doch wieder über 1,19 schaffen, dann ist mein Korrektur-Szenario vom Tisch und eine weitere Rally in Richtung 1,26 machbar.

DAX & Co. dürften in diesem Fall kräftig eines auf die Mütze bekommen. Für den Moment sieht es aber nicht danach aus. Ich behalte diese Entwicklung dennoch als mögliches Alternativ-Szenario im Hinterkopf.

EUR/USD Tageschart: Mehrmonatige Korrektur gestartet?

http://stockcharts.com/c-sc/sc?s=%24XEU&p=D&yr=0&mn=8&dy=0&i=t10945069075&a=552818448&r=1509024937614

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

Regelmäßig Analysen über Devisen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Henrik Voigt. Über 344.000 Leser können nicht irren.