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Deutsche Wirtschaft: Ernsthafter Abschwung droht

In meinem gestrigen Artikel hatte ich Sie auf den Umstand hingewiesen, dass Fundamentalentwicklung und Börsenentwicklung in den USA derzeit (gelinde gesagt) deutlich auseinander laufen, dass hinter den Kulissen aber bereits Kapital von den Börsen abgezogen wird.

Eine höchst bedenkliche Entwicklung, die über kurz oder lang zu einer scharfen Korrektur führen wird. Es wäre jedoch ein Fehler zu glauben, dass uns in Europa eine derart gravierende Negativentwicklung nicht tangieren wird.

Wenn der US-Dienstleistungssektor so dramatisch kollabiert wie im August (stärkster Einbruch seit der Finanzkrise 2008 und niedrigster Stand seit Februar 2010!), der inzwischen für 88% der Wirtschaftsleistung steht, dann hat dieser Einbruch deutliche Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft.

Auch die deutsche Wirtschaft hat schwer zu kämpfen

Diese Einflüsse spüren wir bereits in Europa, wo zusätzlich hausgemachte Probleme (falsche politische Entscheidungen, verschleppte Strukturreformen, fragwürdige Sanktionspolitik etc.) hinzukommen. Beispiele gefällig?

Die frisch veröffentlichte deutsche Industrieproduktion sank im Juli unerwartet im Monatsvergleich um 1,5% (Prognose  0,2%, größte negative Veränderungsrate seit August 2014! Ursache laut Bundeswirtschaftsministerium: Flaute der Weltwirtschaft).

Der vor einigen Tagen veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex zeigt ein noch dramatischeres Bild. Dieses wichtige Konjunkturbarometer brach im August deutlich von 108,3 auf nur noch 106,2 Punkte ein.

Wobei hier vor allem der überdurchschnittliche Rückgang der Erwartungskomponente für die Zukunft kaum Besserung erwarten lässt. Fällt der ifo-Index Ende September erneut, wäre es der dritte Rückgang in Folge – Vorbote einer ernsten Verschlechterung.

Konsumgetriebener Aufschwung in Deutschland beendet

Leider schwächeln auch die bisher tragenden Säulen wirtschaftlicher Stabilität in Deutschland (Groß- und Einzelhandel) zuletzt deutlich. Was vor rund einem Jahr noch als konsumgetriebener Aufschwung erschien, hat sich mittlerweile in allgemeinen Zukunftssorgen aufgelöst.

Das ist kein Zufall und kann auch  nicht nur der mauen Weltwirtschaft angelastet werden. Es handelt sich hier um die unmittelbare Folge eklatanter politischer Fehlentscheidungen.

Gleichzeitig springt die Inflation an

Insgesamt dümpeln sowohl Wachstum als auch ifo-Index seit Jahren auf einem niedrigen Niveau vor sich hin, wobei die deutsche Wirtschaft laut ifo-Institut derzeit eindeutig im Abschwung begriffen ist. Kein Wunder, dass der Ruf nach der EZB lauter wird.

Die solle doch ihre ohnehin schon lockere Geldpolitik noch weiter lockern. Als ob dies in den letzten Jahren irgendetwas gebracht hätte. Der Schuss dürfte vielmehr nach hinten losgehen, denn gleichzeitig beginnt die Inflation wieder anzuziehen. Gold- und Ölpreise (Preisverdopplung vom Tief!) sind bereits angestiegen.

Öl und Gold sind für gewöhnlich die Vorboten einer größeren inflationären Entwicklung. Die ersten Agrargüter verzeichnen ebenfalls schon deutliche Preissteigerungen. Es ist nur eine Frage von wenigen Monaten, bis sich erste Spuren im Lebensmitteleinzelhandel zeigen.

Die Geldpolitik müsste hier bereist gegensteuern, denn diese wirkt erst mit mehreren Monate Zeitverzögerung. Doch es geschieht nichts.

Ölpreis Tageschart

0Öl

EZB am Zug: Geldpolitische Sitzung heute Nachmittag

Was hat die EZB denn dem künftigen Inflations-Tsunami entgegenzusetzen? Nicht viel, fürchte ich. Aber heute Nachmittag sind wir schlauer, wenn die Zentralbank ihre aktuellen geldpolitischen Entscheidungen bekanntgibt.

Wird weiter gelockert, dürften die Märkte wie immer kurzzeitig jubeln. Geschieht nichts, mag es enttäuschte Gesichter geben. Doch wichtig ist nicht die heutige Marktreaktion, sondern die große Entwicklung. Da lautet das mittelfristige Ergebnis: (im besten Fall) Stagflation, im schlechtesten Fall Hyperinflation.

So schützen Sie sich vor der Stagflation: Bestimmte Aktien und Edelmetalle

Glücklicherweise können Sie sich als Anleger vor einem stagflationären Szenario relativ einfach schützen. Aktien bieten allerdings nur einen begrenzten Inflationsschutz. Hier bieten sich am besten internationale Großkonzerne an, die überall auf der Welt Umsätze generieren können. Diese haben ihren Sitz fast ausschließlich in den USA.

Der beste Stagflationsschutz sind jedoch Edelmetalle.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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