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Optionen für Fortgeschrittene: „In, Out & At the Money“-Optionen

Kaum etwas ist ärgerlicher als folgende Situation: Sie wetten, dass sich ein bestimmter Basiswert in die von Ihnen erwartete Richtung entwickelt. Mit Ihrer Wette liegen Sie richtig, der Basiswert steigt bzw. fällt wie erwartet und Sie freuen sich über Ihre potentiellen Gewinne.

Doch ein Blick auf Ihren Depotauszug offenbart Schlimmes: Ihr Optionsschein (OS) bzw. Ihre Option partizipiert nicht von dieser Bewegung, sondern stagniert oder verfällt stattdessen im Preis.

Worin lag der Fehler? Die Richtung der Bewegung haben Sie richtig vorhergesagt. Die Antwort: Sie haben zum falschen OS bzw. zur falschen Option gegriffen. Je nach gewählter Strategie müssen Sie beim Handeln von Optionen darauf achten, dass Ihre gewählte Option zu dieser Strategie passt. Zeit, die Thematik rund um das Thema „Zeitwert“ und „innerer Wert“ einer Option zu ergänzen und zu vertiefen.

Wir unterteilen die Optionen eines Basiswertes in 3 verschiedene Kategorien:

  • „At the money“-Option
  • „In the money“-Optionen (Optionen im Geld)
  • „Out of the money“-Optionen (Optionen außerhalb des Geldes)

„At the Money“-Option (ATM)

Im Gegensatz zu „In the money“ und „out of the money“-Optionen, von denen es mehrere zur Auswahl gibt, gibt es nur eine ATM-Option (abgesehen von „Put oder Call“). Hierunter versteht man die Option, deren Strike-Preis (Basispreis) dem Kurswert am nächsten ist.

Beispiel: Morgan Stanley (MS) notiert nach dem Handelsschluss vom Montag, dem 12.10.09 bei $31.76. Die Option mit Basispreis $32 ist die ATM-Option, weil der Basispreis dieser Option dem aktuellen Kurs am nächsten ist.

Wie berechnet sich der Wert einer ATM-Option?

ATM-Optionen besitzen (fast) keinen inneren Wert. Der Wert der Option bezieht sich alleine auf die Restlaufzeit der Option (die erwartete Volatilität des Basiswertes klammere ich in diesem Artikel aus Vereinfachungsgründen komplett aus). Jedoch kann eine ATM-Option nach einer stärkeren Bewegung schnell „ins Geld laufen“. Damit vergrößert sich das Delta der Option und diese gewinnt überproportional an Wert.

Für welche Trading-Stile eignen sich ATM-Optionen?

Somit eignen sich ATM-Optionen vor allem, wenn Sie eine starke und schnelle Bewegung des Basiswertes in der nächsten Zeit (Tage, abhängig von der Restlaufzeit der Option) erwarten.

ATM-Optionen eignen sich nicht, wenn eine vorübergehende Konsolidierung des Basiswertes (z.B. in einer Trading-Range) wahrscheinlich ist, da hier der Zeitwertverlust (der äußere Wert der Option) zu groß wäre.

„In the Money“-Optionen (ITM)

Eine ITM-Option besitzt einen inneren Wert. Das bedeutet für eine Call-Option, dass der Strikepreis der Option niedriger als der derzeitige Kurs des Basiswertes liegt. Im Umkehrschluss befindet sich eine Put-Option im Geld, wenn der Basispreis der Option höher als der Kurswert des Underlyings liegt.

Bleiben wir bei unserem Morgan Stanley (MS) Beispiel: Aktueller Kurs MS: $31.76

  • ITM-Call-Optionen: alle Optionen welche den Strikepreis $31 oder weniger haben
  • ITM-Put-Optionen: alle Optionen welche den Strikepreis $33 oder mehr haben

Beachten Sie bitte, dass die ATM-Put-Option mit Basispreis $32 ebenfalls einen kleinen inneren Wert besitzt, wir diese nicht als ITM-Option sondern als ATM-Option berücksichtigen.

Für welche Trading-Stile eignen sich ITM-Optionen?

Da der innere Wert einer Option nicht dem Zeitwertverlust zum Opfer fallen kann, eignen sich ITM-Optionen für längerfristige Investments und als Ersatz von (Aktien)Positionen.

Im nächsten Teil dieser kleinen Optionsserie werde ich speziell auf die Vorzüge von ITM-Optionen (im Englischen: „High Delta Options“) eingehen und erklären, warum mit ITM-Optionen Ihr Gewinnpotential steigt und dabei gleichzeitig ihr Verlustrisiko sinkt.

„Out of the Money“-Optionen (OTM)

Eine OTM-Option hat, wie der Name sagt, keinen inneren Wert. Eine Option befindet sich „außerhalb des Geldes“, wenn bei einer Call-Option der Strikepreis höher als der aktuelle Kurs des Basiswertes (und bei einem Put der Basispreis der Option niedriger als der Kurswert des Underlyings) liegt.

Beispiel: Alle Puts aufMorgan Stanley (MS: $31.76), deren Basispreis gleich oder niedriger $31 beträgt, liegen außerhalb des Geldes. Alle Call-Optionen auf MS mit Strikepreis $32 oder höher liegen außerhalb des Geldes.

Wie berechnet sich der Wert einer OTM-Option?

Der Preis einer OTM-Option wird durch die Restlaufzeit der Option bestimmt. Ich liste als Beispiel die Preise für die OTM-Puts auf MS mit Strikepreis $28 und unterschiedlichen Restlaufzeiten auf:

MS-Put, $28 (Basispreis), Laufzeitbis..

  • Oktober 2009:     $0.05
  • November 2009: $0.75
  • Januar 2010:       $1.60
  • April 2010:           $2.70

Für welche Trading-Stile eignen sich OTM-Optionen?

OTM-Optionen eignen sich kaum für das herkömmliche, direktionale Trading. Das bedeutet, dass Optionen, welche sich außerhalb des Geldes befinden, sich nicht als Ersatz für (Aktien)Positionen eignen. Die hängt einerseits mit dem geringen Delta dieser Optionen und andererseits mit dem hohen Zeitwertverlust zusammen.

OTM-Optionen eignen sich hervorragend für Absicherungspositionen (Protective Puts), auf welche ich in einem extra Artikel gesondert eingehen werde.

Weiterhin kann man mit kurzlaufenden OTM-Calls sich selbst eine Art „Discountzertifikat“ basteln und ständig einen kleinen Cash Flow generieren.

Erfahrene Trader streichen auch über den Verkauf von OTM-Optionen die Optionsprämie (=Zeitwert der Option) ein. Voraussetzung für den Gewinn bei dieser Art von Trading ist, dass die Option am Laufzeitende außerhalb des Geldes notiert.

Abschließend eignen sich OTM-Optionen auch für das berühmte „Alles-oder Nichts-Trading“. Beispielsweise decken sich „Insider“ gerne mit kurzlaufenden OTM-Optionen ein, wenn sie ein kursbewegendes Ereignis „vorausahnen“ (Am 9/11 wurden z.B. kurz vor den Attentaten eine weit über dem gewöhnlichen Durchschnitt liegende Anzahl von OTM-Puts auf Fluglinien gehandelt. Diese Puts vervielfachten sich in Folge der Anschläge im Preis. Fragt sich nur, wer diese Insider waren?).

Zusammenfassung und Ausblick

Egal für welche Art des Options(schein)handels Sie sich entscheiden. Das richtige Werkzeug in Form der richtigen Option ist zwingend notwendig. Somit setzt der eigenständige, erfolgreiche Handel von Optionen und Optionsscheinen eine gewisse Menge an theoretischem Wissen über die Materie voraus.

Wahl der richtigen Positionsgröße bei Ersatz von Aktien durch ITM-Optionen

Wie Sie sicherlich wissen, eignen sich Optionen mit entsprechendem innerem Wert (ITM-Optionen) für langfristige Investments und als Ersatz für Aktienpositionen. Eine Option bezieht sich so gut wie immer auf 100 Aktien des jeweiligen Basiswertes, weshalb Sie beim Ersatz von Aktienpositionen durch Optionen immer die Positionsgröße auf die Anzahl der Aktien und nicht auf den ursprünglich für die Aktien vorgesehenen Investitionsbetrag beziehen sollten.

Ein Beispiel: Trader Grünschnabel will sich für $24,000 Aktien von IBM kaufen, welche um die $120 notieren.  Ein Freund gab ihm den Tipp, statt auf Aktien auf Optionen zu setzen. Grünschnabel kauft deswegen statt 200 IBM Aktien zu je $120, ITM-Optionen für $24,000. Bei einem Optionspreis von $1600 pro Option (Basispreis: $110, Laufzeit: April 2010) kann Grünschnabel 15 Optionen à $1600 erwerben. Was der naive Trader in diesem Moment nicht ahnt: Jede Option steht für 100 Aktien und somit bewegt unser Börsen-Grünschnabel 1500 Aktien statt der ursprünglich vorgesehenen 200!

Die wenigsten Optionsanfänger sind sich dessen bewusst und nicht selten verliert ein Trader bei einer derartigen Hebelwirkung die Nerven und erleidet einen Totalverlust (ein analoger Sachverhalt gilt auch für Optionsscheine).

Wen wundert es da, wenn solche Trader wie unser Grünschnabel aufgrund ihrer selbst verschuldeten Pannen andere Anleger vor Optionen warnen und ihnen davon abraten, denn hierbei verliere man ja „Haus und Hof“.

Anleitung zur Wahl der richtigen Positionsgröße bei Ersatz von Aktien durch ITM-Optionen

  1. Bestimmen Sie die Höhe des Betrages, welcher für die Aktienposition vorgesehen ist (egal ob long oder short). Bsp: Sie wollen 10.000€ in die Aktie XY investieren
  2. Teilen Sie diesen Betrag durch den aktuellen Aktienkurs und Sie erhalten die Anzahl der Aktien, die Sie für diesen Betrag erwerben können. Aktueller Kurs XY sei: 80€. 10.000€ / 80€ = 125 Aktien
  3. Runden Sie die Anzahl der Aktien auf die Hunderterziffer: 125 Aktien werden auf 100 Aktien abgerundet
  4. Kaufen Sie pro 100 Aktien eine ITM-Option, welche mindestens 5 Punkte im Geld ist, und eine Restlaufzeit von mindestens 6 Monaten hat. Da Sie auf hundert Aktien gerundet haben, kaufen Sie eine Option auf die XY-Aktie.

Welche Vorteile bietet Ihnen der Optionskauf gegenüber dem Kauf von Aktien?

Ich könnte hier viele kleine Vorteile aufzählen, jedoch möchte ich mich auf die in meinen Augen drei wichtigste Argumente „pro Option“ beziehen:

  • Sie „steuern“ über die Option hundert Aktien, müssen jedoch weniger bezahlen, als wenn Sie die Aktien gekauft hätten. In unserem XY-Beispiel hätten Sie für 100 Aktien bei einem Kurs von 80€ 8000€ zahlen müssen. Für die ITM Option (April 2010, 70€) zahlen Sie einen Bruchteil; nehmen wir hier realistischerweise einen Preis von 1700€. Damit hätten Sie 6230€ oder 78% weniger gezahlt, obwohl Sie die gleiche Anzahl an Aktien kontrollieren. Die 6230€ können Sie zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto legen (und damit Zinsen erwirtschaften) oder für andere Trades nutzen.
  • Gehen wir von einem Worst-Case Szenario aus. Eine große amerikanische Bank gerät über Nacht in Schieflage und wird von der amerikanischen Regierung nicht gestützt (Ein zweites Lehmann Brothers-Szenario). Die Aktienmärkte reagieren panisch und die Banktitel stürzen ins Bodenlose. Unser XY sei eine Bankaktie und eröffnet 30% im Minus. Ihr Stop-Loss auf Ihre Aktienposition greift, jedoch können Sie aufgrund des Eröffnungsgaps XY nur unter der von Ihnen gesetzten SL-Marke von 70€ verkaufen. Ihre Bank verkauft die 100 XY-Aktien nach Durchbrechen des Stop-Loss „bestmöglich“ für 63€ und Sie realisieren einen Verlust von 2700€. Hätten Sie in diesem Fall statt den hundert Aktien die besprochene Option im Depot gehabt, hätten Sie maximal 1700€, also den Kaufpreis der Option verloren. Da sich eine Option aber aus innerem Wert plus äußerem Wert (=Zeitwert) berechnet, hätten Sie die Option für ca. 200€ verkaufen können, da der Zeitwert der Option durch den Kursverfall nicht betroffen ist. Sie hätten mit einer Option maximal 1500€ gegenüber 2700€ beim Halten einer Aktienposition verloren.
  • Speziell die ITM-Optionen helfen Ihnen, Ihr Gewinnpotential zu steigern und gleichzeitig Ihr Verlustrisiko senken. Dies hängt mit dem Delta einer Option zusammen.

Was ist das Delta einer Option?

Das Delta einer Option zeigt an, wie stark sich der Preis einer Option ändert, wenn der Basiswert (=Underlying) um einen Punkt (i.d.R. in der Währung $ oder € gemessen) steigt oder fällt. Das Delta bewegt sich theoretisch innerhalb der Grenzen von -1 und 1, wobei der negative Bereich zwischen -1 und 0  Puts und der positive Bereich von 0 bis 1 Calls vorbehalten ist.

Beispiel: Apple (AAPL) notiert gerade bei ca. $200. Der Preis für den Januar 2010 Call mit dem Basispreis (=Strikepreis) von $180 beträgt $2650. Das Delta dieser Option liegt bei 0,80. Das bedeutet, dass wenn Apple um einen Dollar von $200 auf $201 steigt, sich der Optionspreis um $0,8 pro Aktie erhöht. Da sich eine Option immer auf 100 Aktien bezieht, steigt die genannte Option um $80 (100 x $0,8 = $80).

Wie berechnet sich das Delta einer Option?

Je weiter eine Option im Geld liegt, desto höher das Delta. Je weiter die Option aus dem Geld ist, desto niedriger. Bitte beachten Sie, dass das Delta maximal einen Wert von 1 bei Calls und einen Wert von -1 bei Puts erreichen kann.

Faustregel Nummer 1:

Notiert eine Option „at the Money“ (Strikepreis der Option = Kurs Basiswert) beträgt das Delta ca. 0,5 bei Calls bzw. -0,5 bei Puts. Diese Regel gilt fast unabhängig vom Zeitwert, wie das folgende Beispiel für einen $200er-Call auf Apple (zum Kurs von $200) mit unterschiedlichen Laufzeiten zeigt:

  • $200, Nov 2009 Call – Delta = 0,585
  • $200, Jan 2010 Call – Delta = 0,562
  • $200, Jan 2011 Call – Delta = 0,597
  • $200, Jan 2012 Call – Delta = 0,627

Faustregel Nummer 2:

Das Delta einer Option nähert sich den Werten 0 und +1 bei Calls und 0 sowie -1 bei Puts an. Der Verlauf der Deltakurve verläuft keineswegs linear. Wählen Sie Ihre ITM-Option immer ca. 5 Punkte im Geld, wenn der Preis des Basiswerts unter $100 notiert.

  • Notiert der Basispreis zwischen $100 und $150, sollten Sie 10 Punkte ins Geld gehen.
  • Zwischen $150 und $200 sind 20 Punkte „in the Money“ zu empfehlen.
  • Wenn der Kurs des Basiswertes über $200 beträgt, können Sie 30 Punkte oder mehr ins Geld gehen.

Warum diese Regeln? Wir machen uns das Delta als nützliches Hilfsmittelzu nutze.

Was nützt mir das Delta bei ITM-Optionen?

Fassen wir das bisherige Wissen zusammen. Das Delta einer Option bewegt sich zwischen 0 und (+,-) 1. Je nach Basispreis der Option ändert sich das Delta und damit die Korrelation zwischen der Bewegung des Optionspreises und dem Kurswert des Basiswertes. Diesen Effekt nutzen wir aus. Indem wir ITM-Optionen kaufen, welche mindestens 5 Punkte im Geld sind, liegt das Delta einer solchen Option zwischen 0,7 und 0,9.

Läuft der Basiswert in die von uns gewünschte Richtung, steigt das Delta automatisch an. Das bedeutet, dass die Option pro Punktgewinn im Basiswert sensitiver wird und die Bewegung stärker nachbildet. Läuft jedoch der Basiswert gegen uns, fällt das Delta und damit wird der Punktverlust im Basiswert nur abgeschwächt im Optionspreis nachgebildet.

Stark vereinfachte Beispielrechnung: Die Aktie XY notiert bei $100. Eine ITM-Call-Option mit Strikepreis $90 und einer Restlaufzeit von 6 Monaten kostet $1360. Steigt die Aktie um $10 (10%), steigt der Wert der Option auf $2180 was einem Gewinn von ca. $820 oder 60% entsprechen würde. Fällt die Aktie um $10, sinkt der Wert der Option „nur“ um $655 auf $705. Der Verlust beträgt 48%.

Einem möglichen Gewinn von $820 steht ein potentieller Verlust von $655 gegenüber. Hätten Sie stattdessen 100 Aktien von XY gekauft, würde Ihr möglicher Verlust gleich dem potentiellen Gewinn entsprechen, nämlich $1000. Dieser „Delta-Effekt“ ist umso stärker, je größer die Bewegung des Basiswertes ist.

Bitte beachten Sie, dass ich diese Rechnung um wesentliche Kennzahlen wie Volatilität, Dividende und Restlaufzeit bereinigt bzw. die Rechnungen der Anschaulichkeit halber teils stark vereinfacht habe.

Zusammenfassung

Mit einer ITM-Option und einem Delta zwischen (+,-)0,7 und (+,-)0,9 bei Call / Put-Optionen nutzen Sie den Delta-Effekt für sich. Sie steigern Ihr Gewinnpotential und senken gleichzeitig Ihr Verlustrisiko, da das Delta in die Richtung, in die Sie wetten, steigt und andersherum sinkt.

Vergleichen Sie das mit einer Rakete, welche beim Start zusätzliche Triebwerke zündet und beim Landen die Geschwindigkeit mittels eines Fallschirms abbremst. Das gleiche Prinzip bieten Ihnen ITM-Optionen. Und das alles ohne Emittentenrisiken wie bei Optionsscheinen oder Zertifikaten.

Optionen für Fortgeschrittene: Positionsmanagement

Wie Sie mit Sicherheit wissen, nutzen wir ITM-Optionen als Aktienersatz. Wir gehen auf diese Weise vor, weil wir so weniger Eigenkapital einsetzen müssen (nur ca. 20%-30%), um die gleiche Anzahl an Aktien „zu kontrollieren“ und dadurch auch nur maximal den Kaufbetrag der Option aufs Spiel setzen. Dazu kommt, dass wir uns den Delta-Effekt zunutze machen.

Beispieltrade: 100 Aktien von Goldman Sachs

Verdeutlichen wir das Ganze anhand eines Beispiels: Sie haben vor, 100 Aktien von Goldman Sachs (GS) zum aktuellen Kurs von $175 zu kaufen. Da Sie nicht über genügend Liquidität verfügen (Sie bräuchten 100x$175 = $17,500), entscheiden Sie sich stattdessen, die gleiche Anzahl an Aktien per Option „zu ersetzen“. Sie wählen die April 2010 Call-Option mit dem Basispreis von $150. Diese Option hat ein Delta von 0,77 und kostet ca. $3,400. 80% Ersparnis gegenüber dem Aktienkauf. Ihre gewählte Option liegt komfortable $25 im Geld ($175 – $150 = $25)

Bis hierhin habe ich die letzten 3 Ausgaben „Optionen für Fortgeschrittene“ zusammengefasst.

Was nun? Sie besitzen die Option und wie geht es weiter? Nach dem Kauf geht es erst richtig los mit dem Trade. Deshalb ist ein anständiges Positionsmanagement unerlässlich und mindestens genauso wichtig, wie der Kaufvorgang selbst. Überlegen wir uns, was auf Sie zukommen könnte – und da fallen mir konkret 3 mögliche Situationen ein:

  1. Goldman Sachs dümpelt in einer engen Handelsspanne die nächsten 3 Monate langsam vor sich hin
  2. Goldman Sachs fällt im Zuge einer heftigen Marktkorrektur
  3. Goldman Sachs schießt nach oben

Natürlich ist eine Kombination aus den 3 Situationen auch möglich, aber ich möchte bewusst die oben beschriebenen Varianten mit Ihnen durchsprechen.

Szenario 1: Goldman Sachs dümpelt in einer engen Handelsspanne die nächsten 3 Monate langsam vor sich hin

Das ist für einen Optionshalter im Vergleich zum Aktionär die denkbar ungeschickteste Variante, denn Ihre Option verliert innerhalb der drei Monate stetig an Zeitwert. Die besprochene Option ist mit 25 Punkten im Geld. Sie zahlen für die Option $3,400. Somit beträgt der Zeitwert bis zum Auslaufen der Option $900 ($3400 – $2500 = $900). Bei linearer Rechnung würden so jeden Monat ca. $180 an Zeitwert verfallen. Allerdings verfällt dieser Wert nicht linear.

Der größte Zeitwertverlust findet innerhalb der letzten drei Monate statt. Deshalb sollten Sie spätestens 3 Monate vor dem Verfallsdatum die Option wechseln (im Trader-Jargon „rollen“ genannt). Mit „rollen“ meine ich, die alte Option zu verkaufen und dafür eine andere Option mit einem späteren Verfallsdatum zu kaufen (bei dieser Gelegenheit können Sie auch einen neuen Basispreis wählen, abhängig vom Delta).

Konkret auf das Beispiel bezogen würde das für unsere $3,400-Option bedeuten: Sie halten die Option bis Januar 2010 und Goldman Sachs steht zu diesem Zeitpunkt bei $175. Die Option hätte ungefähr einen Wert von $3,100. Sie hätten ca. $300 an Zeitwert verloren. Das ist ärgerlich, aber diesen Verlust können Sie kompensieren, wenn Sie die gegenüber dem Aktienkauf eingesparten $14,100 auf ein Tagesgeldkonto legen und Zinsen kassieren oder andere Trades mit dem verbleibendem Kapital durchführen.

Szenario 2: Goldman Sachs fällt im Zuge einer heftigen Marktkorrektur

Schon beim Kauf hatten Sie dieses dumpfes Gefühl im Bauch. Kaum steigen Sie per Call-Option in GS ein, fällt die Aktie innerhalb einer Woche auf $148 (-15,48%). Zum Glück hatten Sie vorher für sich einen Stop-Loss (kurz: SL) gesetzt (vgl. P&F-Chart Goldman Sachs). Eine sinnvolle SL-Setzung wäre die Marke von $156 (unter den Septembertiefs). Mit einer Aktienposition (100 Aktien) hätten Sie in diesem Fall $1,900 verloren. Mit einer Option beläuft sich Ihr Verlust auf ca. $1,400.

Es ist wichtig, dass Sie Ihre SL-Setzung vom Kurs des Basiswerts abhängig machen und sich nicht an der Option selbst orientieren. Es machst in unserem Beispiel keinen Sinn, die Option zur Verlustbegrenzung bei $2,000 zu verkaufen, ohne auf den aktuellen Chart von Goldman Sachs und die dortigen Unterstützungen zu achten.

Szenario 3: Goldman Sachs schießt nach oben

Mit ein paar kleinen Tricks können Sie Ihre Optionsposition so managen, dass Sie während des laufenden Trades Gewinne einstecken und gleichzeitig Ihr Risiko durch das Rollen einer Option senken.

Rollen einer ITM-Option – Grundlagen

„Rollen einer Option“ bedeutet, dass Sie Ihre derzeitige Option durch eine andere ersetzen. Warum und wann sollten Sie das tun? Das Rollen einer Option hängt einerseits vom Delta-Effekt, andererseits von der verbleibenden Restlaufzeit der Option ab. Wir unterscheiden zwischen:

  1. horizontalem Rollen
  2. vertikalem Rollen
  3. diagonalem Rollen

Horizontales Rollen

Hierbei ändert sich der Basispreis zwischen der alten und der neuen Option nicht, lediglich das „Expiration Date“ (Verfalldatum der Option) wird nach hinten geschoben. Wenn Sie eine $150er Call Option auf Goldman Sachs mit Laufzeit Januar 2010 verkaufen und eine $150er Call-Option April 2010 kaufen, haben Sie horizontal gerollt.

Vertikales Rollen

Bei dieser Art von Rollen bleibt die Laufzeit der neuen Option gleich, wogegen sich der Basispreis ändert. Sie rollen die Goldman Sachs Jan 2010 Call-Option vom Basispreis $150 auf den Basispreis $160? Dann haben Sie vertikal gerollt.

Diagonales Rollen

Sie ahnen es schon – wir rollen sowohl den Basiswert als auch die Laufzeit der Option. Wenn wir z.B. unsere Goldman Sachs $150er Januar 2010 Call-Option durch einen $160er April 2010 Call ersetzen, rollen wir diagonal.

Warum das Rollen einer Option Sinn macht

Letzte Woche erklärte ich Ihnen, warum das horizontale Rollen einer Option aufgrund der verbleibenden Restlaufzeit der Option immer geprüft und durchgeführt werden sollte.

Konzentrieren wir uns jetzt auf das vertikale Rollen einer Option. Der zentrale Gedanke hinter dem vertikalem Rollen ist, dass wir uns den Delta-Effekt nach Ansteigen des Basiswertes weiter zunutze machen und gleichzeitig unser Risiko reduzieren. Steigt der Basiswert unserer Option stark an, verteuert sich automatisch die Option und das Delta vergrößert sich. Betrachten wir zur Verdeutlichung das Goldman Sachs Beispiel von letzter Woche:

Wir hatten 100 Aktien von Goldman Sachs (GS) durch die April 2010 Call Option mit dem Basispreis von $150 ersetzt. Diese Option kostete $3400; der Aktienkurs von GS betrug $175. Unterstellen wir GS einen Anstieg um $25 pro Aktie auf $200, würde sich die Option auf ca. $5400 verteuern und das Delta, welches vorher 0,76 betrug, sich auf 0,92 erhöhen. Was sollten wir jetzt tun? Gewinne mitnehmen? Gewinne laufen lassen? Teilgewinne mitnehmen (funktioniert bei einer Option nicht ohne weiteres).

Das Vertikale Rollen bietet eine interessante Lösungsmöglichkeit an. Wir verkaufen die Option für $5400 und streichen einen Gewinn von $2000 ein. Gleichzeitig kaufen wir die $175 Call Option für ca. $3800 und einem Delta von 0,76. Damit haben wir uns einen Teil der Gewinne gesichert und machen uns den Delta-Effekt zunutze. Denn fällt die Aktie wieder auf $175 zurück, würden wir $1500 verlieren und hätten uns damit einen Gewinn von $500 gesichert, obwohl sich im Endeffekt der Basispreis am gleichen Punkt wie am Anfang befindet.

Steigt GS von $200 aus weiter an, können wir das vertikale oder das diagonale Rollen (insofern die Restlaufzeit knapp wird) beliebig oft wiederholen.

Hinweise zum Rollen von ITM-Optionen

  • Ersetzen Sie „alte“ Optionen mit Deltas über 0,9
  • Die neuen Optionen sollten ein Delta zwischen 0,7 und 0,8 besitzen
  • Achten Sie bei jedem neuen Rollvorgang darauf, dass die neue Option über genügend Restlaufzeit verfügt, und dass Sie diese anhand des Deltas auswählen.

Warum Sie auf Optionen nicht verzichten sollten

  • weniger benötige Liquidität im Vergleich zu Aktienposition
  • limitiertes und damit kleineres Risiko (in absoluten Zahlen ausgedrückt) und insofern Sie die Option als Aktienersatz sehen
  • long oder short auf einen Basiswert
  • zahlreiche Strategien für Anfänger (z.B. Covered Call) aber auch für Fortgeschrittenen (z.B. Strangle, marktneutrale Strategien) verfügbar
  • Delta-Effekt bei ITM-Optionen minimiert deutlich das Risiko
  • Durch geschicktes Positionsmanagement (Rollen einer Option) nochmalige Risikoreduzierung möglich

 


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Alte Kommentare
  • Heike Birn schrieb am 10.11.2009, 16:25 Uhr

    Sehr geehrter Herr Hahn, als Anfänger, was Optionen betrifft, drängt sich mir bei diesem Artikel eine Frage auf. Wenn ich die Option ausübe (ich meine, wieder verkaufe), benötige ich dann wirklich das Geld, um die Aktien zu kaufen oder wird nur die Option verkauft? Wenn nur die Option verkauft wird, wird dann so getan, als würde ich die Aktien kaufen oder wird die Option zu ihrem Wert zu diesem Zeitpunkt verkauft? Viele Grüße und vielen Dank für Ihre sehr gut verständlichen Artikel Heike Birn