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Wirtschaftstheorien Teil 8: Neoklassik

Heute geht es mit der Wirtschaftstheorien-Reihe weiter. Nachdem wir uns mit Hermann Heinrich Gossen und den Nutzenvorstellungen beschäftigt haben, wollen wir zu den „echten“ Neoklassikern übergehen.

Die Neoklassik

Die bedeutendsten Vertreter der Neoklassik sind die Österreichische Schule, die Lausanner Schule und die Anglo-Amerikanische Schule. Sie sind es, die zu Beginn der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts mit der Grenznutzentheorie die marginalistische Revolution einläuten. Ihre bedeutendsten Vertreter sind Carl Menger (für die österreichische Schule), Leon Walras (für die Lausanner Schule) und William Stanley Jevons (für die Anglo-Amerikanische Schule) mit ihren jeweiligen Spezialisierungen und Weiterentwicklungen der Grenznutzentheorie

Zunächst setzen wir uns mit Carl Menger auseinander, bevor wir uns ausführlicher der Geschichte der Österreichischen Schule widmen. Carl Menger (1840 – 1921) gilt als Begründer der Richtung, der Österreichischen Schule.

Carl Menger und die „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“

1871 erschien Mengers Hauptwerk: Die Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Mengers Darstellungen präsentieren sich im scharfen Gegensatz zur klassischen Nationalökonomie. Er verfolgte konsequent eine subjektivistische Sichtweise und geriet in einen Methodenstreit mit der klassischen Sichtweise, die einen relativistischen Ansatz verfolgte. So entstand der Ausdruck Wiener Schule, den die Vertreter der klassischen Schule dem Kreis um Menger – abwertend gemeint – gaben. Schließlich nahmen ihn die Österreicher – stolz auf die Abgrenzung – an und bezeichneten sich fortan selbst als Wiener Schule.

Menger: Begründer der österreichischen Grenznutzenschule

Eine der wichtigsten Erkenntnisse Mengers ergibt sich aus der Betrachtung der Grenznutzentheorie. Wie wir wissen, hatten es die Klassiker bis dahin nicht vermocht, den Umstand zu erklären, dass bisweilen Güter, die von höherem Nutzen sind (wie Brot oder Kohle) von geringerem Wert sind, als Güter die von geringerem Nutzen sind (wie Edelsteine).

Menger löste dieses Problem indem er annahm, dass die Güter erster Ordnung (die Güter des täglichen Gebrauchs) den subjektiven Wertschätzungen der Konsumenten unterliegen. Dabei geht es darum wie stark ein Gut die menschlichen Bedürfnisse befriedigen kann. Wichtig ist dabei, dass Menger davon ausgeht, dass sich die subjektive Wertschätzung eines Guts nach der subjektiven Wertschätzung der letzten Einheit bestimmt (Grenznutzen). Bei fortschreitender Sättigung nimmt die Dringlichkeit einer weiteren Bedürfnis-Befriedigung ab.

Der Wert eines Gutes bestimmt sich durch die subjektive Wertschätzung, der jeweils letzten konsumierten Einheit des Gutes (Grenznutzen). Es klingt fast so wie bei Gossen, aber nur fast.

Unterscheidung zu Gossen

Tatsache ist, dass Jevons und Walras (die um den gleichen Zeitraum wie Menger ihre Grenznutzen-Theorien veröffentlichten) sich wesentlich stärker mit Gossen vergleichen lassen, bzw. auf Gossen zurückzuführen sind, als Menger. Allerdings für echte Puristen, denn in der Grundidee, in der Theorie vom Grenznutzen, stimmen alle 4 überein. Die Unterschiede zwischen Menger und Gossen (und damit auch Jevons und Walras) zeigen sich vor allem in der differenzierten Erklärung, welche für die Theorie geliefert wird. Während Gossen, Jevons und Walras eher einen psychologischen Erklärungsansatz nutzen, nimmt Menger Abstufungen nach der Wichtigkeit eines Gutes vor.

Doch ich möchte jetzt nicht zu viel vorweg nehmen, denn mit einer differenzierteren Unterscheidung der Hauptvertreter der Neoklassik wollen wir uns beschäftigen, sobald wir Jevons und Walras abgehandelt haben.

Was ist die Österreichische Schule?

…auch Wiener Schule genannt! Die Wiener Schule bezeichnet im Grunde eine Richtung innerhalb der Wirtschaftswissenschaften.

Ich spreche von einer Richtung, da unter der Bezeichnung Österreichische Schule eine Fülle zum Teil verschiedener Strömungen, Aussagen und Positionen entstanden ist. Die Österreichische Schule lässt sich in verschiedene Generationen mit ihren Hauptvertretern aufteilen, angefangen bei Carl Menger (1840 – 1921) der als Begründer der Richtung gilt, bis in die heutige Zeit zu den US-amerikanischen Neo-Austrians mit prominenten Vertretern wie Murray Rothbard.

Nach der 1.Generation mit Carl Menger entstand die 2.Generation um ihren Hauptvertreter Eugen von Böhm-Bawerk:

2. Generation: Eugen von Böhm-Bawerk: Kapital und Kapitalzins

Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) war ein Schüler Mengers der mit seinem Hauptwerk wesentlich zur Entwicklung einer subjektivistischen Kapital- und Zinstheorie beitrug.

Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht das menschliche Handeln mit freier Wahl der Mittel zur Erreichung eines subjektiven Ziels. Mittel und Ziele sind nicht objektiv zu betrachten, sondern ergeben sich aus dem unternehmerischen Handeln der Menschen.

Zeit ist für ihn ein Kapitalgut, wie Arbeit oder natürliche Ressourcen. Elementar für die Erzeugung von Kapitalgütern ist das Sparen, ein unmittelbarer Verzicht. Nur durch die Abwägung der bestmöglichen Ausnutzung von Gegenwart und Zukunft kann eine Akkumulation von Kapitalgütern entstehen.

Der Zins erklärt sich durch das Zusammenspiel von Kapitalgütern und der Werteinschätzung im Laufe der Zeit. So verzichtet der Kapitalist auf einen Teil seines Konsums um Kapital zur Verfügung zu stellen. Die Werteinschätzung im Laufe der Zeit drückt sich im Marktpreis aus: als Zins.

Zu den nachfolgenden Generationen der Österreichischen Schule und ihren Ansichten zur Inflation in den kommenden Beiträgen der Reihe.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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