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Wirtschaftstheorien Teil 18: Walras-Auktionator

Heute geht es mit der Wirtschaftstheorien-Reihe weiter. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit Léon Walras und seinem Gleichgewichtsmodell.

Sie mögen sich erinnern: In der letzten Ausgabe haben wir uns Walras‘ Gesetz angesehen. Dieses besagt, dass sich jeder einzelne Markt in einer Ökonomie in einem Gleichgewicht befindet, wenn auch alle anderen Märkte in dieser Ökonomie sich in einem Gleichgewicht befinden. Dies gelingt dadurch, dass sich positive und negative Überschussnachfrage ausgleichen.

Dann nahm Walras mathematische Gleichungen zur Hand um seine Argumentation zu unterstützen. Doch in diese Gleichungen flossen Gleichgewichtspreise ein. Walras musste nun zeigen, wei dieses Gleichgewicht zustande kam. Dies gelang mit Hilfe des:

Walras-Auktionator

Der Walras-Auktionator ist ein fiktiver Auktionator der dabei hilft das Marktgleichgewicht herzustellen. Stellen Sie sich vor, es gäbe einen Auktionator der über allen Märkten steht. Dieser sammelt zunächst die Orders ein und beobachtet dann genau, wie sich Nachfrage und Angebot verhalten. Steigt die Nachfrage über das Angebot, hebt der Auktionator den Preis an und umgekehrt. Auf diese Art und Weise tastet er sich an den Gleichgewichtspreis an. Dieser Antast-Prozess wird Tâtonnement-Prozess genannt.

Sobald einem Markt die Nachfrage vollständig befriedigt und der Gleichgewichtspreis erreicht ist, widmet sich der Auktionator dem nächsten Markt und dann immer so weiter.

Bisweilen kann es zwar nötig werden, dass in einem Markt der bereits im Gleichgewicht war, noch einmal „nachverhandelt“ werden muss. Doch Walras nahm an, dass die Auswirkungen in anderen Märkten gering sein würden. Schließlich endlich ergibt sich das allgemeine Gleichgewicht.

Fazit

Mit seinem Gleichgewichtsmodell schaffte es Walras ein zentrales Problem der klassischen Ökonomen zu lösen, die ebenfalls davon ausgingen, dass es so etwas wie ein Gleichgewicht geben müsse. Schließlich waren sie davon überzeugt, dass sich in einem Markt alles zum Besten fügen würde. Adam Smith beschreibt das noch als seine „unsichtbare Hand“, die ja auch nur eine Metapher für die Selbstregulierungskräfte des Marktes ist. Doch erst Walras konnte diesen Aspekt tatsächlich vermitteln.

Seine These, dass sich in einem vollkommenen Markt mit vollständiger Konkurrenz Nachfrage und Angebot von selbst im Gleichgewicht, also im Optimum wiederfinden, bildet eine der wichtigsten Kernaussagen der Neoklassik: Staat soll sich raus halten.

In der nächsten Ausgabe geht es um die Schwedische Schule und Ihre wichtigsten Vertreter.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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