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Wirtschaftstheorien Teil 1: Die Klassik

Wer, wie ich, irgendwie immer am arbeiten ist, kann sich dem Bedürfnis nach ein wenig zwischenzeitlicher Entspannung nicht entziehen. Grund genug um sich mit etwas anderem zu beschäftigen, als mit den ewigen Problemen der Euro-Krise und den daraus resultierenden Entwicklungen an den Märkten.

Ich für meinen Teil entspanne beim Lesen. Und ich mag Geschichte. Soll heißen, ich mag es mich in frühere Zeiten und Menschen hinein zu versetzen und zu erfahren, wer, was, wann gedacht, gesagt und getan hat und wie sich dadurch die Dinge entwickelt haben.

Wenn Sie Lust haben, mit mir ein bisschen Historie zu teilen, lade ich Sie herzlich zur neuen Reihe (die ich vor ein paar Jahren begonnen, aber nicht fertig gestellt hatte, wie immer kam irgendeine Krise dazwischen) über die Geschichte und Entwicklung der Wirtschaftstheorien ein.

Klassischen Ökonomie

Ich spreche von den Begründern der Ökonomie als solche, zumindest im Sinne einer Wissenschaft, beginnend mit Adam Smith. Ich spreche von der klassischen Ökonomie, die Physiokratie und Merkantilisumus ablöste (Hauptwerk „Wohlstand der Nationen“, Adam Smith, 1776) und selbst erst 1870 von der Neoklassik abgelöst wurde.

Außerdem muss ich zugeben, dass ich durchaus ein Faible für die Klassiker habe. Denn, abgesehen davon, dass nur weniges spannender ist, als ein Blick in die Vergangenheit, halte ich persönlich die klassischen Werke für äußerst lesenswert an einem ruhigen Sommerabend auf der Terrasse oder alternativ einem ebenso ruhigen Winterabend vor dem Kamin.

Produktionskostentheorie nach Adam Smith

Beginnen möchte ich mit der Produktionskostentheorie. Vertreter dieser Theorie sind die klassischen Ökonomen wie Adam Smith (1723-1790), David Ricardo (1772-1823) und Karl Marx (1818- 1883). Alle drei sind in diesem Zusammenhang Vertreter der Arbeitswertlehre.

Die Arbeitswertlehre besagt im Grunde nichts anderes, als dass der Wert eines Gutes durch die Produktionskosten im Sinne des dafür notwendigen Arbeitsaufwandes bestimmt wird. Ich möchte auf diese Theorie kurz und in Anlehnung an Smith eingehen, da sowohl Ricardo als auch Marx sich in diesem Zusammenhang auch auf den bzw. die Vorgänger berufen.

Smith schreibt:

Der wirkliche oder reale Preis aller Dinge, also das, was sie einem Menschen, der sie haben möchte, in Wahrheit kosten, sind die Anstrengung und Mühe, die er zu ihrem Erwerb aufwenden muss. Was Dinge wirklich für jemanden wert sind, der sie erworben hat und der über sie verfügen oder sie gegen etwas anderes tauschen möchte, sind die Anstrengung und Mühe, die er sich damit ersparen und die er anderen aufbürden kann. Was jemand gegen Geld kauft oder gegen andere Güter eintauscht, erwirbt er mit ebensoviel Arbeit wie etwas, zu dem er durch eigene Mühe gelangt. In der Tat ersparen uns dieses Geld und diese Güter eine solche Anstrengung. Beide enthalten den Wert einer bestimmten Menge Arbeit, die wir gegen etwas tauschen, von dem wir annehmen, es enthalte zu dieser Zeit dem Wert nach die gleiche Arbeitsmenge. Arbeit war der erste Preis oder ursprünglich das Kaufgeld, womit alles andere bezahlt wurde.

(aus Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, V. Kapitel Der Real- und Normalpreis der Güter oder ihr Arbeits- und ihr Geldwert)

Inflationierung durch Wertminderung nach Adam Smith

Smith schreibt in seinem Werk „Der Wohlstand der Nationen“, dass die Entdeckung der ergiebigen Minen in Südamerika im 17. Jahrhundert zu einem Preisverfall bei Gold und Silber in Europa um etwa zwei Drittel des früheren Wertes geführt habe.

Smith führt dies nicht explizit auf das steigende Angebot oder die Ausweitung der Geldmenge (die Ausweitung der Gold- und Silbermenge) zurück, sondern vielmehr auf den Rückgang der Arbeitszeit, der notwendig war um eine entsprechende Menge Gold oder Silber abzubauen.

Smith sieht im besten Falle – ich interpretiere es verkürzt auf diese Weise – eine Inflationierung der Arbeit: „Da es nun weniger Arbeit als bislang kostete, die Metalle von den Gruben auf den Markt zu bringen, konnte man dort mit ihnen weniger Arbeit kaufen oder über sie verfügen.“ (Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, V. Kapitel)

Smith erkennt die Möglichkeit der Inflationierung durch die Wertminderung der als Tauschmittel nutzbaren Münzen:

…Weiterhin ist dieser Verlust noch größer, wenn darüber hinaus der Metallgehalt der Münzen von gleichem Nennwert, zusammen mit dem Wert des Silbers, abnimmt. In Schottland, wo der Nennwert der Münzen wesentlich stärkeren Änderungen unterworfen war als jemals in England, und in Frankreich, wo er noch mehr geschwankt hat als in Schottland, sind solch alte Renten, ursprünglich von beträchtlichem Wert, auf diese Art beinahe wertlos geworden.“

(Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, V. Kapitel)

Fazit

Die Erhöhung der Geldmenge (explizit damals Erhöhung der Edelmetallmenge) ist nur ein Symptom und nicht Auslöser der Wertminderung des Geldes (explizit der Gold- oder Silbermünze). Auslöser ist dagegen die Erhöhung der Arbeitsproduktivität bei der Gewinnung der Edelmetalle.

Lassen wir an dieser Stelle Smith Smith sein – der in vorindustrieller Zeit durch eine Agrarwirtschaft geprägt, auch realen Gütern wie Getreide ein stabileres Wertmaß zuweist: „Säkular betrachtet ist Getreide ein besseres Maß als Silber, da man von Jahrhundert zu Jahrhundert mit gleichen Mengen Getreide eher die gleiche Menge Arbeit kaufen kann als mit gleicher Menge Silber.“ – und wenden uns im nächsten Teil der Reihe dem Wirtschaftstheoretiker Marx zu, der in Zeiten der Industrialisierung ebenfalls Thesen aufstellt, die wir auch heute noch kennen sollten.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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