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Wirtschaftstheorien Teil 2: Klassik nach Marx

Heute geht es mit der Wirtschaftstheorien-Reihe mit dem nächsten Klassiker weiter. Vergessen Sie etwaige ideologisch bestimmte Ressentiments und lassen Sie sich unvoreingenommen auf die Thesen eines großen Ökonomen ein. Wenn Sie Marx nicht gelesen haben, werden Sie staunen.

Marx zur Notwendigkeit und Natur von Papiergeld

Da der Verlust des Goldes und die Entwertung des Goldstücks in der Zirkulation unvermeidlich ist, ist es ökonomischer, gleich ein billiges Stück Münze oder Papier, statt der Goldmünze zirkulieren zu lassen.( K. Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 8892.)

Es sei … bemerkt, dass, wie eigentliches Papiergeld aus der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel entspringt, das Kreditgeld in der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel seine naturwüchsige Wurzel besitzt. (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 141.)

Im Großen und Ganzen fungiert das Geld nur als Zahlungsmittel, d. h. die Ware wird verkauft nicht gegen Geld, sondern gegen ein schriftliches Versprechen der Zahlung an einem bestimmten Termin. Diese Zahlungsversprechen können wir der Kürze halber sämtlich unter der allgemeinen Kategorie von Wechseln zusammenfassen. Bis zu ihrem Verfall- und Zahlungstage zirkulieren solche Wechsel selbst wieder als Zahlungsmittel; und sie bilden das eigentliche Handelsgeld.

…Soweit sie schließlich durch Ausgleichung von Forderung und Schuld sich aufheben, fungieren sie absolut als Geld, indem keine schließliche Verwandlung in Geld stattfindet. …Wie diese wechselseitigen Vorschüsse der Produzenten und Kaufleute untereinander die eigentliche Grundlage des Kredits bilden, so bildet deren Zirkulationsinstrument, der Wechsel, die Basis des eigentlichen Kreditgelds, der Banknoten usw.

Diese beruhen nicht auf der Geldzirkulation, sei es von metallischem Geld oder von Staatspapiergeld, sondern auf der Wechselzirkulation. (K. Marx, Kapital III, MEW 25, 413.)

Papiergeld muss durch Gold gedeckt sein

Papierzettel, denen Geldnamen … aufgedruckt sind, werden vom Staat äußerlich in den Zirkulationsprozess hineingeworfen. Soweit sie wirklich an der Stelle der gleichnamigen Goldsumme zirkulieren, spiegeln sich in ihrer Bewegung nur die Gesetze des (Metall-)Geldumlaufs selbst wider. Ein spezifisches Gesetz der Papierzirkulation kann nur aus ihrem Repräsentationsverhältnis zum Gold entspringen. Und dies Gesetz ist einfach dies, dass die Ausgabe des Papiergelds auf die Quantität zu beschränken ist, worin das von ihm symbolisch dargestellte Gold (resp. Silber) wirklich zirkulieren müsste. … Nur sofern das Papiergeld Goldquanta repräsentiert … ist es Wertzeichen. (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 141f.)

Friedrich Engels kommentiert:

Papiergeld, d. h. Staatspapiergeld mit Zwangskurs…

Soweit dies Papiergeld anstatt Goldgeld wirklich zirkuliert, ist es den Gesetzen der Goldzirkulation unterworfen. Nur das Verhältnis, in dem Papier Gold ersetzt, kann Gegenstand eines besonderen Gesetzes sein, und dies ist: dass die Ausgabe des Papiergeldes auf die Quantität zu beschränken ist, in der das von ihr dargestellte Gold wirklich zirkulieren müsste. Zwar schwankt der Sättigungsgrad der Zirkulation, aber überall stellt sich ein erfahrungsmäßiges Minimum heraus, unter das er nie fällt. Dies Minimum kann ausgegeben werden.

Darüber hinaus wird beim Sinken des Sättigungsgrads auf das Minimum ein Teil sofort überschüssig. In solchem Fall stellt das gesamte Papierquantum innerhalb der Warenwelt dennoch nur die durch ihre immanenten Gesetze bestimmte, also auch allein repräsentierbare Goldquantität vor. Ist also die Papiermasse das Doppelte der absorbierten Goldmasse, so entwertet sich jedes Papierstück auf den halben Nominalwert. Gerade wie wenn das Gold in seiner Funktion als Maß der Preise, in seinem Wert, verändert wäre. (F. Engels, Konspekt über Das Kapital I, MEW 16, 251f.)

Interessante Gedankengänge zum Stichwort Krise

In der stillen Zeit nach der Krise läuft am wenigsten um, mit der Wiederbelebung der Nachfrage tritt auch größerer Bedarf an Umlaufsmitteln ein, der sich steigert mit der steigenden Prosperität; den Höhepunkt erreicht die Menge des Umlaufsmittels in der Periode der Überspannung und Überspekulation da bricht die Krise herein, und über Nacht sind die gestern noch so reichlichen Banknoten vom Markt verschwunden und mit ihnen die Diskontierer von Wechseln, die Vorschussleister auf Wertpapiere, die Käufer von Waren. …

Sowie die Krise hereinbricht, handelt es sich nur noch um Zahlungsmittel. Da aber jeder vom anderen abhängig ist für den Eingang dieser Zahlungsmittel und keiner weiß, ob der andere imstande sein wird, am Verfalltag zu zahlen, tritt ein vollständiges Kirchturmrennen ein um die im Markt befindlichen Zahlungsmittel, d. h. für Banknoten. Jeder schatzt davon auf, so viele er erhalten kann, und so verschwinden die Noten aus der Zirkulation am selben Tag, wo man sie am nötigsten braucht. (K. Marx, Kapital III, MEW 25, 543.)

(Anm.: erinnert ein wenig an Bankenkrisen, finden Sie nicht?!)

In Zuständen entwickelter bürgerlicher Produktion also, worin der Warenbesitzer längst Kapitalist geworden ist, seinen Adam Smith kennt, und vornehm über den Aberglauben lächelt, dass Gold und Silber allein Geld oder dass Geld überhaupt im Unterschied von anderen Waren die absolute Ware sei, erscheint Geld plötzlich wieder, nicht als Mittler der Zirkulation, sondern als allein adäquate Form des Tauschwerts, als der einzige Reichtum, ganz wie es der Schatzbildner auffasst.

Als solch ausschließliches Dasein des Reichtums offenbart es sich nicht, wie etwa im Monetarsystem (Goldwährungssystem), in der bloß vorgestellten, sondern in der wirklichen Entwertung und Wertlosigkeit alles stofflichen Reichtums. Es ist dies das besondere Moment der Weltmarktskrisen, das Geldkrise heißt. Dies plötzliche Umschlagen des Kreditsystems (Papierwährung) in das Monetarsystem(Goldwährung) fügt den theoretischen Schrecken zur praktischen Panik, und die Geldleute und Bankiers schaudern vor dem undurchdringlichen Geheimnis ihrer eigenen Verhältnisse. (K. Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 122f. )

Papiergeld ist eine Sache des Vertrauens, kein Mittel des Werterhalts. Staaten haben die Möglichkeit Papiergeld zu inflationieren:

Als Papier hat das Gelddasein der Waren ein nur gesellschaftliches Dasein. Es ist der Glaube, der selig macht. (K. Marx, Kapital III, MEW 25, 606.)

Die Einmischung des Staats, der das Papiergeld mit Zwangskurs ausgibt und wir handeln nur von dieser Art Papiergeld , scheint das ökonomische Gesetz aufzuheben. Der Staat, der in dem Münzpreis einem bestimmten Goldgewicht nur einen Taufnamen gab, und in der Münzung nur seinen Stempel auf das Gold drückte, scheint jetzt durch die Magie seines Stempels Papier in Gold zu verwandeln. Die einmal in Zirkulation befindlichen Zettel ist es unmöglich herauszuwerfen, da sowohl die Grenzpfähle des Landes ihren Lauf hemmen, als sie allen Wert, Gebrauchswert wie Tauschwert, außerhalb der Zirkulation verlieren. (K. Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 98.)

Gold ist ein Mittel zur Wertaufbewahrung, Papiergeld nicht!

In der Zirkulation der Wertzeichen erscheinen alle Gesetze der wirklichen Geldzirkulation umgekehrt und auf den Kopf gestellt.

Während das Gold zirkuliert, weil es Wert hat, hat das Papier Wert, weil es zirkuliert

…Während die Quantität des zirkulierenden Goldes steigt oder fällt mit dem Steigen oder Fallen der Warenpreise, scheinen die Warenpreise zu steigen oder zu fallen mit dem Wechsel in der Quantität des zirkulierenden Papiers….In der Tat erscheinen diese Gesetze nicht nur verkehrt in der Zirkulation der Wertzeichen, sondern ausgelöscht, da das Papiergeld, wenn in richtiger Quantität ausgegeben, Bewegungen vollzieht, die ihm nicht als Wertzeichen eigentümlich sind, während eine eigentümliche Bewegung, statt direkt aus der Metamorphose der Waren zu stammen, aus Verletzung seiner richtigen Proportion zum Gold entspringt. (K. Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 100.)

Fazit

Interessant, was der Wirtschaftstheoretiker Marx alles so von sich gab zu seiner Zeit. Wenn wir grundsätzlich die Arbeitswerttheorie (die aufgrund des Anspruches von Objektivität, in meinen Augen einen schwerwiegenden subjektiven Fehler aufweist) weglassen und uns nur die hier vorgestellten Theorien zum Thema Papiergeld-Inflationierung, Krisen und Gold(standard) ansehen, müssen wir zugeben dass der alte Marx nichts an Aktualität verloren hat.

Marx mag falsch gelegen haben mit seiner Theorie, dass die Verelendung der Arbeiter zur großen Revolution führen und ein überlegenes System etablieren werde, aber die Theorie, dass eine Ausweitung der Papiergeldmenge ein Wachstum der Preise in Papiergeld zur Folge hat, während Gold das Wertaufbewahrungsmittel schlechthin darstellt, ist auch in heutiger Zeit noch aktuell.

War doch interessant so ein kleiner Abstecher zu Marx, meiner Meinung nach ist dieser Mann, der im Grunde auch nur ein Kind seiner Zeit war, einer der herausragenden Denker der letzten 200 Jahre (wie im Übrigen auch Engels), trotz all dem Mist, der in seinem Namen später so angestellt wurde.

Im nächsten Beitrag lesen Sie mehr über Gossens Übergang zur Neoklassik.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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